Die Schatzbriefe von Morgan Stanley: Mit attraktiven Konditionen auf Kundenfang

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Seit über 40 Jahren setzen private Anleger, für die Sicherheit bei der Geldanlage im Vordergrund steht, auf Bundesschatzbriefe. Der vertrauenerweckende Begriff des Schatzbriefs ist jedoch nicht geschützt. Deshalb muss es sich bei einem Schatzbrief nicht immer um einen echten Schatzbrief handeln. Viele Banken und Versicherer bieten unter diesem Markenzeichen ganz andere Produkte an. Zusätzlich bieten vereinzelt Sparkassen Schatzbriefe an, die mit dem erfolgreichen Originalprodukt ebenfalls wenig zu tun haben.

Mit zu den regelmäßigen Emittenten von als Schatzbrief bezeichneten Papieren zählt die deutsche Tochter der US-Bank Morgan Stanley. Mitte September emittierte Morgan Stanley einen neuen Schatzbrief (WKN: MS0KCM). Dahinter steckt eine Anleihe mit steigenden Zinszahlungen über eine Laufzeit von fünf Jahren. Im ersten Jahr liegt der Zins bei 3 Prozent. Auf diesen Zinssatz packt die Bank Jahr für Jahr der Laufzeit 0,5 Prozent hinzu - immer bezogen auf den Nominalwert des Schatzbriefes von 100 Euro. Im letzten Jahr zahlt Morgan Stanley für den Schatzbrief also 5 Prozent.

Bundesschatzbriefe bieten im Vergleich nur Magerzinsen

Der Vergleich der Konditionen zwischen dem Bundesschatzbrief Typ A (Laufzeit 6 Jahre) mit jährlicher Zinszahlung und dem fünfjährigen Schatzbrief von Morgan Stanley fällt klar zugunsten der Bank aus:
Zusätzlich besteht beim Schatzbrief von Morgan Stanley am Laufzeitende nach 5 Jahren die Chance auf einen kleinen Zinszuschlag von 0,50 Prozent, sollte der 12-Monats-Euribor am Laufzeitende über 5 Prozent notieren. Die Verzinsung im letzten Jahr erreicht somit entweder 5 Prozent oder 5,5 Prozent. Der 12-Monats-Euribor (European Interbank Offered Rate) ist der Interbankensatz für Termingelder mit einer Laufzeit von 12 Monaten. Der Zinssatz gibt an, zu welchem Zinssatz sich europäische Banken im Schnitt untereinander Geld leihen, und dient somit als Gradmesser für die Höhe der Kreditzinsen und Festgelder.

Das Papier ist mit einer Rückzahlungsgarantie ausgestattet; Sie erhalten also den Nennwert von 100 Euro wieder zurück. Das Investment kommt allerdings nur für Anleger infrage, die ihr Kapital auch über die komplette Laufzeit parken können. Denn zwischenzeitlich kann der Anleihekurs - abhängig vom Markt- und Zinsumfeld - auch deutlich "unter pari" abrutschen.

Vor dem Kauf Risiken und anfallende Kosten beachten

Auf den ersten Blick sehen die börsengehandelten Papiere von Morgan Stanley im Vergleich zu den Bundesschatzbriefen sehr lukrativ aus. Doch bei Ihrer Anlageentscheidung sollten Sie noch Folgendes berücksichtigen:
  • Trotz des Begriffs "Schatzbrief" handelt es sich bei den Papieren von Morgan Stanley um normale Unternehmensanleihen. Deutschland als Herausgeber der Bundesschatzbriefe wird von den Ratingagenturen mit der Top-Bonitätsnote Triple-A (AAA) eingestuft. Das Rating der Morgan-Stanley-Bank fällt bei der Ratingagentur Standard&Poor's mit A+ deutlich schlechter aus. Als Anleger müssen Sie für sich selbst entscheiden, ob der angebotene Renditeaufschlag bei den Schatzbriefen von Morgan Stanley das höhere Risiko der Zahlungsunfähigkeit gegenüber der Bundesrepublik Deutschland ausreichend kompensiert.
  • Bei den Morgan-Stanley-Papieren entstehen zusätzliche Kosten für Kauf und Verkauf sowie für die Verwahrung der Schatzbriefe. Die Höhe dieser Kosten bestimmt die Bank, bei der Sie die Schatzbriefe kaufen. Darauf ist beim Vergleich der Renditen zu achten. Bundesschatzbriefe hingegen können Sie ohne Gebühren erwerben und einlösen. Auch die Verwaltung kostet nichts, wenn Sie die Bundesschatzbriefe auf einem Schuldbuchkonto bei der Finanzagentur und nicht im gebührenpflichtigen Depot der Hausbank verwahren lassen.
  • Die Schatzbriefe von Morgan Stanley sind sehr liquide. Die Papiere können jederzeit über die Börse wieder veräußert werden. Bundesschatzbriefe können dagegen nur bis zu 5.000 Euro innerhalb von 30 Zinstagen gebührenfrei an den Bund zurückgegeben werden - vorausgesetzt, es besteht ein Schuldbuchkonto bei der Deutschen Finanzagentur. Da Bundesschatzbriefe nicht an der Börse gehandelt werden, gibt es bei der vorzeitigen Rückgabe im Gegensatz zu den Papieren von Morgan Stanley kein Kursrisiko.

Tipp
Wer sich von dem höheren Anlagerisiko gegenüber den Bundesschatzbriefen nicht abschrecken lässt, der streicht mit dem Morgan-Stanley-Produkt eine deutlich höhere Rendite ein. Wegen der unwägbaren Folgen der Euro- und Schuldenkrise sollte der Schatzbrief jedoch nur als Beimischung in ein ansonsten nach konservativen Anlagekriterien zusammengestelltes Rentendepot aufgenommen werden.

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