Anleihen mit Inflationsschutz gegen die drohende Geldentwertung

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Die Zeiten stabiler Preise sind vorbei: Für den Winter sind Inflationsraten von über 2 Prozent p.a. für die Eurozone möglich. Ausgeschlossen ist auch nicht, dass sich in der Euro-Zone im Jahresdurchschnitt 2011 die Inflationsraten oberhalb von 2 Prozent p.a. einpendeln werden. Die Europäische Zentralbank definiert eine Steigerung von knapp 2 Prozent p.a. als Preisstabilität.

Kurzfristig lässt sich der Anstieg mit steigenden Rohstoffpreisen sowie staatlichen Steuern und Gebühren erklären. Allein der Anstieg der Lebensmittelpreise als Folge verteuerter Agrarrohstoffe wird die Inflationsrate in den nächsten zwölf Monaten um 0,6 Prozentpunkte anheben. Mittelfristig erwarten viele Ökonomen weiter steigende Inflationsraten als Folge höherer Löhne.

Als Konsequenz der globalen Rezession war die Inflationsrate in der Euro-Zone von ihrem Höchststand von 4 Prozent p.a. im Juli 2008 auf den Minusrekord von 0,6 Prozent p.a. im Juli 2009 gesunken. Seither ist sie langsam, aber stetig gestiegen, bis sie im Juli 2010 den Wert von 1,7 Prozent p.a. erreichte. In Deutschland lag sie zuletzt mit 1,2 Prozent p.a. deutlich darunter. Glaubt man dem kürzlich veröffentlichten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, dann geht es in den kommenden Monaten mit der Inflationsrate weiter aufwärts. Der Anstieg werde aber moderat bleiben, so die Bundesbanker. Wie schnell sich jedoch inflationärer Druck aufbauen kann, zeigt sich bei den deutschen Erzeugerpreisen: Hier schoss die Inflationsrate im Juli von 1,7 Prozent p.a. auf 3,7 Prozent p.a. hoch.

Deutschland, momentan die Wachstumslokomotive in Europa, könnte auch bald eine Führungsrolle bei der Höhe der Inflationsrate einnehmen. Für die Zeit ab 2012 muss sich die deutsche Wirtschaft auf einen stärkeren Anstieg der Lohnkosten einstellen. Bisher hielt die niedrige Auslastung der Industriekapazitäten die Inflation europaweit im Zaum. Doch wenn sich der deutsche Aufschwung fortsetzt, werden bei insgesamt schrumpfender Bevölkerung bald qualifizierte Arbeitskräfte knapp.
Das gibt den Gewerkschaften die Chance, nach Jahren der Lohnzurückhaltung höhere Tarifabschlüsse zu erzwingen. Entsprechende Forderungen werden bereits laut. Übrigens: Den Politikern kommt ein Anziehen der Inflation gerade recht. Denn Inflation entwertet Staatsschulden. Diese sind dann über inflatorisch aufgeblähte Staatseinnahmen leichter zurückzuzahlen.

Die Inflation zehrt auch an Ihrem Geldvermögen

Doch während die meisten Deutschen an der Zapfsäule durchaus Notiz von der Teuerung nehmen, klammert der klassische Sparer die Geldentwertung mental aus. Für ihn ist der Euro auch in 20 Jahren das Gleiche wert wie heute. Diese Geld-Illusion ist gefährlich. Was zählt, ist die reale Rendite, also die Rendite abzüglich Inflation.

Beispiel

Angenommen Sie hätten im Jahr 1999 rund 15.000 Euro in eine zehnjährige Anleihe investiert. Dann hätten Sie nach zehn Jahren den gleichen Betrag zurückerhalten. Doch diese 15.000 Euro besitzen nach zehn Jahren nur noch eine Kaufkraft von 10140 Euro. Den Rest hätte die Inflation aufgezehrt. Die während der Laufzeit erhaltenen Zinsen haben gerade einmal für den Erhalt Ihres Kapitals gesorgt. Aber auch nur dann, wenn Sie keine Steuern auf die gutgeschriebenen Zinsen hätten zahlen müssen.

Eine der besten Möglichkeiten sich vor den Folgen der Inflation zu schützen, sind inflationsgesicherte Anleihen. Diese Papiere, auch "Linker" genannt funktionieren folgendermaßen:

  • Im Gegensatz zu normalen festverzinslichen Wertpapieren werden inflationsgeschützte Anleihen mit einem Zinskupon begeben, der jährlich automatisch um die jeweilige Inflationsrate nach oben angepasst wird.
  • Darüber hinaus wird der Nennwert (Rückzahlungskurs) um die Inflation angepasst. Der Rückzahlungswert der Anleihe wird also ebenfalls wie die Zinszahlungen an die laufende Inflation angepasst. So bleibt die Kaufkraft Ihres eingesetzten Kapitals erhalten.

Beispiel

Eine inflationsgesicherte Anleihe hat einen Nennwert (Rückzahlungsbetrag) von 1000 Euro und einen Kupon von 3 Prozent p.a. Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent p.a. wird der Nennwert im ersten Jahr mit 1,02 multipliziert und steigt auf 1020 Euro an. Der Kupon von 3 Prozent p.a. wird auf den neuen Nennwert von 1020 Euro angewandt, sodass die Verzinsung von nun an 3,06 Prozent p.a. beträgt.
Bezogen auf das Beispiel mit der Anlage von 15.000 Euro für zehn Jahre, bekämen Sie beim Kauf einer inflationsgesicherten Anleihe statt der eingesetzten 15.000 Euro rund 19.860 Euro zurück. Die 4.860 Euro mehr an Geld sind ihr Inflationsausgleich. Hinzu kommen noch die jährlichen, ebenfalls an die Inflation angepassten Zinszahlungen.

So entscheiden Sie, wann die Anlage in inflationsgesicherte Anleihen besonders lohnend ist

Gegenüber herkömmlichen Anleihen bezahlen Anleger in inflationsgesicherte Anleihen den Inflationsschutz mit einem niedrigeren Zinskupon. Die Papiere lohnen sich dann, wenn die Inflation in Zukunft höher ausfällt, als die Marktteilnehmer es erwarten.

Aufschluss über die zukünftige Markterwartung bei der Inflation gibt die sogenannte Break-even-Inflationsrate. Diese misst den Renditeabstand zwischen einer inflationsgeschützten Anleihe und einer herkömmlichen Anleihe gleicher Laufzeit und vergleichbarem Emittenten. Fällt die zukünftige Inflation höher aus als dieser Wert, dann lohnt sich der Kauf inflationsgesicherter Papiere. Fallen die Preissteigerungen dagegen geringer aus als erwartet, müssen Sie sich mit einer niedrigeren realen Rendite als bei traditionellen Anleihen zufrieden geben. Dies ist der Preis für den Inflationsschutz.

In inflationsgesicherte Bundesanleihen oder Exchange Traded Funds investieren

Jahrelang gab es inflationsgesicherte Anleihen nur im Ausland zu kaufen. In Großbritannien besitzen diese Papiere eine lange Tradition. 1981 wurden sie als Antwort auf die Erfahrungen der Inflation in den 1970ern eingeführt. Pensionsfonds hatten damals größte Schwierigkeiten, ihre Vermögenswerte zu erhalten. Australien folgte 1985 dem britischen Beispiel, Frankreich in den 1990ern, die USA zogen 1997 nach. Erst seit 2006 können Anleger auch hierzulande inflationsgesicherte Anleihen des Bundes erwerben. Dazu gehört z.B. die inflationsgesicherte Bundesanleihe (WKN 103050), die noch bis zum 15.4.2016 läuft.

Die Break-Even-Rate liegt bei diesem Papier aktuell bei 1,40 Prozent p.a. Wer also sein Geld in inflationsgesicherte Staatsanleihen investieren will, kommt am Ende der Laufzeit nur dann auf eine schlechtere Rendite als mit einer klassischen Bundesanleihe mit vergleichbarer Laufzeit, wenn die Inflationsrate bis dahin im Durchschnitt bei weniger als 1,40 Prozent p.a. pro Jahr liegt.

Die inflationsgesicherte Bundesobligation kostet derzeit 107,35 Euro und besitzt momentan einen Zinskupon von 1,62 Prozent p.a. Am Ende der Laufzeit zahlt der Bund den Nennwert zurück, wiederum malgenommen mit der zum Fälligkeitstag gültigen Inflations-Indexzahl. Der Tilgungsbetrag erhöht sich dadurch um die Inflation, die sich während der Laufzeit der Anleihe eingestellt hat. Ebenso steigt der Zinskupon jährlich um die Höhe der Inflation an.

Tipp
Sinkt das Preisniveau während der fünfjährigen Laufzeit (Deflation), erstattet der Staat den ursprünglichen Nennwert zurück. Damit ist auch ein automatischer Deflationsschutz eingebaut.

An den mit der Inflation steigenden Zinsen und der Erhöhung des Nennwerts verdiente der Fiskus zuletzt noch kräftig mit – solche Papiere galten bis Ende 2008 als Finanzinnovation. Die Einführung der Abgeltungsteuer wirkte sich auf diese Anlage vorteilhaft aus: Seitdem werden Zinsen und Kursgewinne nicht mehr wie bei Finanzinnovationen mit dem persönlichen Steuersatz belastet, sondern einheitlich mit 25 Prozent (plus Soli und eventuell Kirchensteuer).

Tipp
Wer anstelle einzelner inflationsgesicherter Anleihen lieber eine Fondslösung bevorzugt, greift zu einem kostengünstigen, börsengehandelten Exchange Traded Fund (ETF).

Der iShares Barclays Capital Euro Inflation Linked Bond (WKN A0HG2S) bildet den Barclays Capital Euro Government Inflation-Linked Bond Index passiv eins zu eins ab. Dieser Index beinhaltet inflationsgesicherte Staatsanleihen der Mitgliedstaaten der Eurozone, die ein Volumen von mindestens 500 Mio. Euro und eine Laufzeit von mindestens einem Jahr aufweisen. An jährlichen Verwaltungsgebühren verlangt dieser ETF gerade einmal 0,25 Prozent. Weniger ratsam wegen den deutlich höheren Gebühren sind herkömmliche, aktiv gemanagte Investmentfonds, die das Geld der Anleger in inflationsgesicherten Anleihen anlegen.

Abgesehen vom Kaufkrafterhalt spricht die geringe Korrelation (geringer Kursgleichlauf) mit herkömmlichen Anleihen oder Aktien für inflationsgesicherten Anleihen. Auch was die Schwankungsanfälligkeit (Volatilität) angeht, sind diese über längere Zeiträume überlegen. Mehrere Studien weisen nach, dass sich nach Aufnahme inflationsgesicherter Anleihen in ein Depot, das Gleichgewicht zwischen Ertragschancen und Risiken in einem Wertpapierdepot verbessert.

Inflationsgesicherte Anleihen sind nicht immun gegen einen Zinsanstieg. Zwar steht den steigenden Zinsen – soweit sie auf zunehmenden Preisdruck zurückzuführen sind – ein Inflationsausgleich gegenüber. Zu Kursverlusten kommt es aber dennoch, wenn die Zinsen stärker steigen als die erwartete Inflation.

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