Verluste durch wertlose Optionen abziehbar?

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Erwerben Sie eine Kaufoption und lassen diese verfallen, können Sie die Aufwendungen für die Anschaffung nicht als vergebliche Werbungskosten bei den privaten Veräußerungsgeschäften abziehen, so der BFH.

Begründung: Ein privates Veräußerungsgeschäft liegt nur dann vor, wenn der Investor einen Gewinn bzw. einen Verlust aus dem Optionsrecht tatsächlich realisiert, also das Basisgeschäft durchführt (BFH-Urteil vom 19.12.2007, Az. IX R 11/06, DB 2008 S. 1190). Das aber sei gerade nicht der Fall, wenn er sein Recht auf Differenzausgleich nicht nutzt und stattdessen die Option verfallen lässt, so der BFH.

Allerdings ist diese Auffassung zwischen den Gerichten umstritten. Denn das Finanzgericht Niedersachsen sieht Aufwendungen für ein verfallenes Optionsrecht sehr wohl als Werbungskosten an (Niedersächsisches FG vom 12.9.2007, 2 K 252/05, EFG 2008 S. 299). Gegen dieses Urteil ist eine Revision beim Bundesfinanzhof anhängig (Az. IX R 69/07). Ebenso wie das Finanzgericht Niedersachsen sieht es auch das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (FG Rheinland-Pfalz vom 19.5.2005, 4 K 1678/02, EFG 2005 S. 1701).

Worum geht es?

Normalerweise wird ein Börsengeschäft unmittelbar nach Vertragsabschluss ausgeführt, wie zum Beispiel der Aktienkauf. Anders ist es bei Termingeschäften, zu denen auch Optionsscheine gehören: Sie werden erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgeführt. Dabei ist der Kurs bereits vorher börsenmäßig festgelegt. Erfüllt wird ein Termingeschäft meist durch Auszahlung von Kurs- bzw. Wertdifferenzen des zugrunde liegenden Basiswerts (zum Beispiel Aktien oder Devisen). Termingeschäfte sind innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr als privater Veräußerungsgewinn steuerpflichtig, Verluste sind mit anderen Veräußerungsgewinnen verrechenbar.

Strittig sind die Geschäfte, bei denen der Anleger eine Kaufoption erwirbt, diese bei Fälligkeit wegen Wertlosigkeit aber nicht ausübt, sondern verfallen lässt. Die Aufwendungen für das Optionsrecht (zum Beispiel Provisionen) setzen die Anleger jeweils als vergebliche Werbungskosten bei den privaten Veräußerungsgeschäften an. Das lehnt der BFH in dem oben genannten Urteil IX R 11/06 aber ab.

Steuertipp
Legen Sie daher Einspruch unter Hinweis auf die Revision IX R 69/07 gegen Ihren Steuerbescheid ein, wenn Ihr Finanzamt die Verluste aus verfallenen Optionsscheinen nicht anerkennen will. Angesichts der negativen Entscheidung des BFH vom 19.12.2007 sind die Erfolgsaussichten zwar ungewiss. Riskieren sollten Sie es unseres Erachtens aber dennoch.

Das Urteil behält auch nach Einführung der Abgeltungsteuer Bedeutung. Denn ab 2009 sind Gewinne und Verluste aus Optionsscheinen immer steuerpflichtig - und zwar unabhängig von der Spekulationsfrist. Die Frage, wie Verluste aus wertlos verfallenen Optionsscheinen nach Ablauf der Optionsfrist zu besteuern sind, bleibt also weiterhin aktuell.

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