Ist ein infolge der Finanzkrise eingetretener Totalverlust von Kapitalvermögen steuerlich absetzbar?

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Viele Kapitalanleger haben während der weltweiten Finanzkrise bei ihren Wertpapier- und Geldanlagen Totalverluste hinnehmen müssen. Bestes Beispiel sind die Lehman-Geschädigten. Doch das Finanzamt interessiert sich für solche Verluste leider nicht.

Da zahlen ehrliche Geld- und Kapitalanlager jahrelang brav Steuern auf ihre Zinsen und Dividenden. Und glauben nun, sie könnten im Gegenzug ihre Depotverluste dem Finanzamt aufs Auge drücken. Das wäre zwar gerecht, ist aber mit dem Einkommensteuergesetz leider nicht vereinbar.

Der Grund dafür liegt in dem Unterschied zwischen Einkunfts- und Vermögensebene. Während Zinsen und Dividenden zu den steuerpflichtigen Einkünften des Anlegers rechnen, spielen sich Depot- bzw. Buchverluste auf seiner Vermögensebene ab. Und Veränderungen im Vermögen spielen für Überschusseinkünfte, zu denen auch die Einkünfte aus Kapitalvermögen gehören, keine Rolle. Anders sieht das bei Gewinneinkünften aus, wenn bilanziert wird: Dann wird das Anfangs- mit dem Endvermögen verglichen und ein Vermögensrückgang ist ein steuerlicher Verlust.

Auch ein Abzug des Kaufpreises der wertlosen Wertpapiere als Werbungskosten aus Kapitalvermögen ist nicht möglich, denn Abschreibungen auf Anschaffungskosten sind nur bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern möglich (wie z.B. bei einem Computer). Dazu zählen Wertpapiere als reine Kapitalforderungen aber nicht. Ein Abzug des Wertverlustes als außergewöhnliche Belastung kommt schon gar nicht infrage, denn Verluste am Kapitalmarkt sind nichts Außergewöhnliches und der Erwerb der Wertpapiere war auch nicht zwangsläufig, sondern freiwillig.

Bliebe also nur, die Vermögensverluste durch Verkauf der Wertpapiere zu realisieren, also in Einkommensverluste umzuwandeln. Doch dem steht bei den meisten Anlegern die bereits abgelaufene einjährige Spekulationsfrist nach dem alten § 23 EStG entgegen, wenn das Wertpapier lange vor 2009 erworben wurde. Oder es fehlt schlicht an der Möglichkeit, die illiquiden Papiere zu verkaufen, weil es keinen Markt mehr dafür gibt.

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