Bundesfinanzhof ändert seine Rechtsprechung zum Verlustvortrag

 - 

Kapitalanleger können in der Steuererklärung nicht angegebene Spekulationsverluste dem Finanzamt noch innerhalb von vier Jahren nachmelden, um sich einen Verlustvortrag zu sichern.

Ihre bis Ende 2008 innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist realisierten Verluste aus Wertpapiergeschäften können Sie nur dann ins Abgeltungsteuerjahr 2009 vortragen lassen, wenn der Verlustvortrag vom Finanzamt gesondert festgestellt wurde. Das muss aber im Steuerbescheid für das Jahr geschehen, in dem die Verluste angefallen sind. So mancher Anleger hat jedoch seine Börsenverluste in der Vergangenheit gar nicht in der Steuererklärung angegeben, weil er es vergessen hat oder weil sowieso keine Verrechnungsmöglichkeit mit Spekulationsgewinnen in Sicht war. Somit wurde der Steuerbescheid bestandskräftig, ohne dass die Verluste dem Finanzamt bekannt wurden.

Wurde für das Verlustjahr gar keine Steuererklärung abgegeben, ist eine Nachholung der Feststellung des Verlustvortrages innerhalb der siebenjährigen Verjährungsfrist möglich. Das steht so im Gesetz (§ 10d Abs. 4 Satz 6 EStG). Hatten Sie jedoch eine Steuererklärung eingereicht, war bisher eine nachträgliche Verlustfeststellung nach Eintritt der Bestandskraft des Steuerbescheides – also in der Regel nach Ablauf der einmonatigen Einspruchsfrist – aufgrund der bisherigen BFH-Rechtsprechung nicht möglich.

Jetzt hat der BFH seine Rechtsprechung geändert und entschieden, dass in einem bestandskräftigen Steuerbescheid nicht berücksichtigte Verluste noch innerhalb der vierjährigen Festsetzungsfrist für den Steuerbescheid dem Finanzamt nachgemeldet werden können (BFH, Urteil vom 17.9.2008, Az. IX R 70/06, DStR 2008 S. 2410). Voraussetzung für den Verlustvortrag ist, dass es sich um nicht mit damaligen Gewinnen verrechenbare Verluste handelt. Zwar erging das Urteil zu der Frage, ob nachträgliche Arbeitnehmer-Werbungskosten für eine Pilotenausbildung noch anzuerkennen sind. Doch ist es für Verluste auch aus anderen Einkunftsarten anzuwenden.

Beispiel

Haben Sie Ihre Steuererklärung 2003, in der Sie Ihre innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist erzielten Börsenverluste nicht angegeben haben, im Jahr 2004 beim Finanzamt eingereicht, läuft die vierjährige Festsetzungsfrist in wenigen Tagen mit Ablauf des 31.12.2008 ab. Bis dahin können Sie noch vom Finanzamt nachträglich eine gesonderte Festellung des Verlustvortrages verlangen.

Dazu müssen Sie bei Ihrem Finanzamt den Mantelbogen 2003 mit einem Kreuz in dem Kästchen "Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags" auf der Seite 1 oben sowie die ausgefüllte Anlage SO 2003 abgeben. Eine Verrechnung der auf den Schluss des Jahres 2003 gesondert festgestellten Altverluste ist dann ab 2009 mit den der Abgeltungsteuer unterliegenden Gewinnen aus Kapitalvermögen noch bis Ende 2013 möglich.

Weitere News zum Thema

  • Der will doch nur spielen

    [] Ein Tierhalter haftet nach Paragraf 833 Satz 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) grundsätzlich in voller Höhe, wenn sein Tier einen Schaden anrichtet. Es spielt dabei keine Rolle, ob den Hundehalter ein Verschulden trifft. Für alle Hundebesitzer ist daher eine Hundehalter-Haftpflicht-Versicherung sinnvoll, um kein finanzielles Risiko einzugehen. In vielen Bundesländern ist eine derartige Versicherung bereits Pflicht. mehr

  • Auslandsdividende: Der optimale Umgang mit der Quellensteuer

    [] Die Höhe der Dividende spielt bei der Aktienanlage angesichts magerer Zinsen für Rententitel bonitätsstarker Schuldner eine immer wichtigere Rolle. Insbesondere bei vielen ausländischen Titeln liegt die Rendite deutlich über der von Bundesanleihen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.