Azubis: Das müsst Ihr über vermögenswirksame Leistungen wissen

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Etwa 600.000 junge Menschen beginnen dieses Jahr mit ihrer Berufsausbildung, schätzt das Bundesinstitut für Berufsbildung. Viele von ihnen haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen. Aber was ist das eigentlich genau?

Vermögenswirksame Leistungen sind Geldleistungen, die der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer oder Auszubildenden anlegt (§ 2 Abs. 1 5.?VermBG). In der Regel sind vermögenswirksame Leistungen zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers zum normalen Arbeitslohn. Ihr könnt aber auch einen Teil Eures Gehalts vom Arbeitgeber vermögenswirksam anlegen lassen.

Wie viel zahlt mir der Arbeitgeber?

Ob und in welcher Höhe der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen als zusätzliche Leistungen erbringt, richtet sich nach dem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem individuellen Arbeitsvertrag.

Die Höhe des Gehaltes spielt für die vermögenswirksamen Leistungen selbst keine Rolle – aber für die Arbeitnehmer-Sparzulage: Die bekommt Ihr nur, wenn Ihr eine bestimmte Einkommensgrenze nicht überschreitet.

Vermögenswirksame Leistungen sind der Höhe nach grundsätzlich nicht begrenzt. Allerdings gibt es die Arbeitnehmer-Sparzulage nur für vermögenswirksame Leistungen bis zu einer bestimmten Höhe. Deshalb zahlt der Arbeitgeber normalerweise keine höheren vermögenswirksamen Leistungen als durch die Arbeitnehmer-Sparzulage gefördert werden.

Steuertipp
Erbringt Euer Arbeitgeber weniger vermögenswirksame Leistungen als durch die Arbeitnehmer-Sparzulage gefördert werden, könnt Ihr zusätzlich Teile Eures Gehalts vermögenswirksam anlegen lassen. So könnt Ihr doch noch die volle Arbeitnehmer-Sparzulage bekommen.

Muss ich für vermögenswirksame Leistungen Steuern zahlen?

Die vermögenswirksamen Leistungen sind steuer- und sozialabgabenpflichtig. Da die vermögenswirksamen Leistungen ungekürzt angelegt werden müssen, werden die darauf entfallenden Steuern und Sozialabgaben aber vom normalen Gehalt abgezogen.

Wie bekomme ich vermögenswirksame Leistungen?

Ganz einfach: Wählt aus den Anlagemöglichkeiten die für Euch passende Anlage aus und schließt Sie den dazu erforderlichen Vertrag ab. Veranlasst dann Euren Arbeitgeber, die vermögenswirksamen Leistungen auf diesen Vertrag zu überweisen. Das wars schon.

Darf der Arbeitgeber mir die vermögenswirksamen Leistungen direkt auszahlen?

Nein, vermögenswirksame Leistungen dürfen nicht direkt ausgezahlt werden.

Wie kann ich vermögenswirksame Leistungen anlegen?

Die Anlagemöglichkeiten für vermögenswirksame Leistungen sind sehr vielfältig. Hier ein paar Beispiele:

Bausparen: Überweisung auf einen Bausparvertrag bei einer Bausparkasse, einen Wohnbausparvertrag oder einen Baufinanzierungsvertrag oder Verwendung für den Ersterwerb von Anteilen an Bau- und Wohnungsgenossenschaften.

Beteiligungssparen:

  • Anlage in deutschen oder ausländischen Investmentfonds.
  • Anlage im Unternehmen des Arbeitgebers oder in dessen Muttergesellschaft (betriebliche Beteiligung), und zwar für Aktien oder Wandelschuldverschreibungen, Genussscheine, Gewinnschuldverschreibungen, Genussrechte, GmbH-Geschäftsanteile, stille Beteiligungen, Genossenschaftsanteile, Darlehensforderungen.
  • Erwerb von Anteilen an Mitarbeiterbeteiligungs-Sondervermögen ("Mitarbeiterbeteiligungsfonds").
  • Anlage in fremden Unternehmen (außerbetriebliche Beteiligung), und zwar für börsennotierte Aktien, Wandelschuldverschreibungen, Genussscheine und Genossenschaftsanteile an einer Genossenschaftsbank oder an einer Bau- oder Wohnungsgenossenschaft, die seit mindestens drei Jahren im Genossenschaftsregister eingetragen ist.

Konten- und Lebensversicherungssparen: (ohne Arbeitnehmer-Sparzulage!)

  • Überweisung auf einen Sparvertrag bei einem Kreditinstitut.
  • Anlage in einer Kapitallebensversicherung aufgrund eines Versicherungsvertrages mit einem Versicherungsunternehmen.

Wie lange muss ich die vermögenswirksamen Leistungen anlegen?

  • Beim Beteiligungssparen dauert die Sperrfrist sechs oder sieben Jahre - je nach Anlageform.
  • Beim Bausparen ist die Sperrfrist immer sieben Jahre.

Während der Sperrfristen dürft Ihr die vermögenswirksamen Leistungen nicht "ausgeben". Sonst verliert Ihr den Anspruch auf die Arbeitnehmer-Sparzulage.

Wie beantrage ich die Arbeitnehmer-Sparzulage?

Wenn Ihr eine Einkommensteuererklärung abgebt, beantragt Ihr die Arbeitnehmer-Sparzulage gleich mit:

  • Kreuzt auf dem vierseitigen Mantelbogen auf Seite 1 oben zusätzlich an: "Antrag auf Festsetzung der Arbeitnehmer-Sparzulage".
  • Fügt der Einkommensteuererklärung die Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen (Anlage VL) bei, die Ihr von Eurem Anlageinstitut (z.B. Bank, Bausparkasse) bekommt.
  • Gebt in der Anlage N in der entsprechenden Zeile die Anzahl der Bescheinigungen an.

Wenn Ihr keine Einkommensteuererklärung abgebt, müsst Ihr beim Finanzamt einen gesonderten Antrag auf Arbeitnehmer-Sparzulage stellen. Dieser besteht aus dem vierseitigen Mantelbogen und der Anlage N.

  • Auf dem vierseitigen Mantelbogen kreuzt Ihr nur an: "Antrag auf Festsetzung der Arbeitnehmer-Sparzulage".
  • Zusätzlich füllt Ihr die Anlage N aus und geben die Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen ab.

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