Abgeltungsteuer vermeiden oder weitere Kursverluste riskieren?

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Das Jahresende rückt immer näher und damit der Stichtag für die Abschaffung der Spekulationsfrist für Wertpapiergewinne. Ob man bis zum Jahresende noch in Aktien investieren soll, um künftige Kursgewinne nach Ablauf  der einjährigen Spekulationsfrist abgeltungsteuerfrei kassieren zu können, hängt vom weiteren Verlauf der Finanzkrise ab.

Solange die Finanzkrise noch nicht ausgestanden ist, wagt sich kaum ein Anleger an die Börse zurück. Das ist auch vernünftig, denn nur Hasardeure rennen ins offene Messer. Derzeit hat man als Aktienanleger nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera:

  • Kauft man trotz der Finanzkrise bis Ende 2008 Aktien oder Aktienfonds, um sich auf Dauer abgeltungsteuerfreie Kursgewinne zu sichern, gefährden wegen der Finanzkrise mögliche weitere Kursstürze den Anlageerfolg.
  • Wartet man dagegen mit den Aktienkäufen bis nach dem Jahreswechsel 2008/09 ab, bis die Finanzkrise ausgestanden ist, kassiert das Finanzamt in Zukunft von jedem Euro Kursgewinn 25% Abgeltungsteuer.

Bei der Abwägung zwischen sicherer Abgeltungsteuer und unsicherer Börsenentwicklung ist nur Folgendes klar: Je stärker die Kurse nach 2008 noch fallen, um so weniger bleibt bei einem Aktieninvestment bis Ende 2008 vom künftigen Steuervorteil durch die Weiternutzung der Spekulationsfrist übrig. Die Steuerrechnung schlägt schon bei weit weniger als 25% Kursverlust im Jahr 2009 zugunsten des Abwartens um.

Fall 1: Ein risikofreudiger Anleger investiert im Dezember 2008 einen Einmalbetrag von 10.000 Euro in Aktien, um sich die Weitergeltung der einjährigen Spekulationsfrist zu sichern. Er belässt die gekauften Aktien unverändert bis Ende 2018 im Depot.

  Depotveränderung Depotwert
Aktienkauf Ende 2008 + 10.000 Euro 10.000 Euro
10% Kursverlust im Jahr 2009 ./. 1.000 Euro  
Depotwert Ende 2009   9.000 Euro
Anfang 2010 ist die Finanzkrise vorbei und der Depotwert von 9.000 Euro steigt bis Ende 2018 um durchschnittlich 5% p.a. + 4.962 Euro  
Depotwert Ende 2018   13.962 Euro
Kursgewinn (abgeltungsteuerfrei)  3.962 Euro

Zusätzlich fallen ab dem Jahr 2009 noch abgeltungsteuerpflichtige Aktiendividenden an.

Fall 2: Ein vorsichtiger Anleger wartet das Abflauen der Finanzkrise ab und investiert erst Ende 2009 einen Einmalbetrag von 10.000 Euro in Aktien. Er belässt die gekauften Aktien unverändert bis Ende 2018 im Depot.

  Depotveränderung Depotwert
Aktienkauf Ende 2009 + 10.000 Euro 10.000 Euro
Anfang 2010 ist die Finanzkrise vorbei und der Depotwert von 10.000 Euro steigt bis Ende 2018 um durchschnittlich 5% p.a. + 5.513 Euro  
Depotwert Ende 2018   15.513 Euro
Abgeltungsteuer bei Verkauf Ende 2018
(25% von 5.513 Euro)
./. 1.378 Euro  
Gewinn nach Steuern  4.135 Euro  

Zusätzlich fallen im Jahr 2009 noch der Abgeltungsteuer unterliegende Festgeldzinsen auf die geparkten 10.000 Euro an und ab 2010 steuerpflichtige Aktiendividenden.

Ergebnis:
Beide Varianten führen in etwa zum gleichen Ergebnis. Die 25%ige Abgeltungsteuer Ende 2018 wirkt sich mit 1.378 Euro etwas weniger belastend auf das Nettoergebnis aus als der 10%ige Kurssturz im Jahr 2009. Letzterer kostet den Anleger unter den getroffenen Annahmen bis Ende 2018 1.551 Euro Depotwert (15.513 Euro ./. 13.962 Euro). Denn die durch den Kurssturz 2009 verlorenen 1.000 Euro mit 5% p.a. verzinst hätten nach neun Jahren 551 Euro Gewinn gebracht. Bei einem Kursrückgang im Jahr 2009 um weit mehr als 10% fiele im obigen Beispiel das Ergebnis deutlicher zugunsten des Abwartens aus.

Hohe Depotverluste sollte man also nicht nur am Ende der Laufzeit, sondern auch schon zu Beginn vermeiden. Denn erstens nimmt der verlorene Depotwert (im obigen Beispiel 1.000 Euro) nicht mehr an der künftigen Kurserholung teil. Und zweitens ist nach einem Kursrückgang prozentual ein höherer Kursanstieg erforderlich, um wieder auf das Niveau vor dem Kurssturz zu kommen. Fällt der Deutsche Aktienindex beispielsweise von 5000 Punkten auf 4000 Punkte, also um 20% (5000 ./. 20% = 4000), muss er schon um 25% steigen, um wieder auf 5000 Punkte zu kommen (4000 + 25% = 5000). Gleiches gilt natürlich auch für jede einzelne Aktie oder jeden Aktienfonds.

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