Abgeltungsteuer: 35prozentige EU-Zinssteuer voll anrechenbar

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Ab 1.7.2011 ist die EU-Zinssteuer auf bestimmte ausländische Zinserträge von bisher 20 auf 35% gestiegen. Da die deutsche Abgeltungsteuer nur 25% beträgt, wird der übersteigende Betrag erstattet.

Nach der EU-Zinsrichtlinie von 2003 tauschen alle EU-Mitgliedstaaten inkl. assoziierter Gebiete und der daran teilnehmenden Drittstaaten untereinander Kontrollmitteilungen über Zinszahlungen an EU-Ausländer aus oder erheben stattdessen eine anonyme Zinssteuer. Die Zahl der die Steuer erhebenden Länder ist mit der Zeit immer geringer geworden. Derzeit wird die EU-Zinssteuer noch von Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Monaco, San Marino, Andorra, den britischen Kanalinseln Guernsey und Jersey, den britischen Jungferninseln sowie den Turks- und Caicosinseln erhoben. EU-Bürgern, die dort ein Konto oder Wertpapierdepot unterhalten, wird daher auf die gutgeschriebenen Zinsen eine Steuer einbehalten, die ab 1.7.2011 von bisher 20% auf 35% gestiegen ist.

Diese EU-Zinssteuer (auch EU-Quellensteuer genannt) ist von der normalen ausländischen Quellensteuer aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) zu unterscheiden. Während nämlich eine DBA-Quellensteuer vom deutschen Finanzamt nur bis zur Höhe der deutschen Abgeltungsteuer von 25% angerechnet wird, ist die EU-Zinssteuer in voller Höhe anzurechnen, also ohne einen Anrechnungshöchstbetrag (§ 14 Abs. 2 Satz 1 der Zinsinformationsverordnung, kurz: ZIV). Das liegt daran, dass die EU-Zinssteuer von den die Steuer einbehaltenden Ländern zum größten Teil an die Wohnsitzstaaten der Anleger überwiesen wird, während eine DBA-Quellensteuer in der Kasse des ausländischen Fiskus verbleibt.

Steuertipp
Um die Erstattung der EU-Zinssteuer zu erhalten, müssen Sie die ausländischen Zinsen samt der einbehaltenen Steuer in Ihrer deutschen Steuererklärung in der Anlage KAP eintragen und eine Steuerbescheinigung Ihrer ausländischen Bank beilegen. Die Steuer ist dabei auf der Rückseite des Formulars in die Zeile "anzurechnende ausländische Quellensteuer nach der ZIV" einzutragen. Das lohnt sich, da Sie dann ab dem 1.7.2011 die 10prozentige Differenz zwischen der einbehaltenen Zinssteuer von 35% und der deutschen Abgeltungsteuer von 25% von Ihrem deutschen Wohnsitzfinanzamt erstattet bekommen.

Der Nachteil ist, dass Ihr deutsches Finanzamt von Ihrer ausländischen Kapitalanlage Wind bekommt. Haben Sie also bisher noch nie die Zinsen aus Ihrer Auslandsanlage in der Steuererklärung angegeben, weil die EU-Zinssteuer bisher unter Ihrem deutschen Grenzsteuersatz bzw. dem Abgeltungsteuersatz lag, müssen Sie mit Nachfragen Ihres Finanzamtes rechnen.

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