Staatliche Prämie für Banksparpläne hilft Sparern kaum

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Die Niedrigzinspolitik der EZB macht insbesondere klassischen Sparern bei Banken und Sparkassen schwer zu schaffen. Um den Sparern zusätzliche Anreize im gegenwärtigen Zinstal zu bieten, schlägt der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider die Wiedereinführung des früheren staatlichen Prämiensparens vor.

Laut Schneider könnte die staatliche Prämie 5 % der Sparsumme bei einer Spardauer von 7 Jahren ausmachen. Wenn ein Sparer beispielsweise auf ein Prämien-Sparbuch bis zu 1.200 € im Jahr einzahlt, bekäme er nach 7 Jahren eine staatliche Prämie von 420 € gleich 5 % der Sparsumme von 8.400 €.

Bei 0 % Sparzins läge die allein aus der staatlichen Prämie gespeiste Sparrendite allerdings gerade einmal bei 1,4 % pro Jahr. Angesichts alternativer Angebote für 7-jährige Sparpläne (zum Beispiel 2,76 % Bausparrendite beim Online-Rendite-Bausparen der Bausparkasse Mainz oder gar 3,72 % Rendite bei einer Beteiligung an der Wohnungsgenossenschaft Volks-Bau- und Sparverein Frankfurt am Main, siehe Geldtipps.de-Beitrag Sparer, aufgepasst: Letzte Chancen für Dreiprozenter ) kann eine sichere Rendite von 1,4 % pro Jahr aufgeklärte Zinsjäger nicht vom Hocker reißen.

Angesichts der Niedrigzinspolitik ist auf absehbare Zeit auch nicht damit zu rechnen, dass der variable Basis- bzw. Referenzzins für ein solches staatlich gefördertes Banksparen über die Anleiherendite von zurzeit nur 0,35 % hinausgeht. Das Ziel einer jährlichen Rendite von 2 %, um Inflation und Steuern zu schlagen, würde also trotz staatlicher Prämie verfehlt.

Schneider vergisst auch zu erwähnen, dass die Sparkassen ihren Kunden bereits heute das S-Prämiensparen flexibel mit einer von Jahr zu Jahr steigenden Prämie auf die jährliche Sparleistung anbieten. Bei einem Online-Abschluss über eine monatliche Sparrate von 100 € und einer Anlagedauer von 7 Jahren wirft die Sparkasse Gelsenkirchen beispielsweise ein Ablaufguthaben von 8.922,61 € aus, was immerhin einer Ablaufrendite von 1,7 % entspricht. Nur 0,1 % entfallen dabei auf den variablen Zins, der komplette Rest also auf die garantierte Prämie.

Höchstwahrscheinlich gehört die Sparkasse Gelsenkirchen damit zu den Spitzenreitern unter den Sparkassen. Bei den Sparkassen in Dortmund und Hamburg sind die Ergebnisse eher dürftig. Bei einer Sparsumme von 8.400 € über 7 Jahre kommen nur 8.640 € bei der Sparkasse Dortmund und gar nur 8.550 € bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) heraus. Trotz Prämie liegt die Ablaufrendite nach 7 Jahren nur bei kümmerlichen 0,8 % bzw. 0,5 %.

Statt eine staatliche Prämie zu fordern, könnten die Sparkassen also auch ihre bisherigen Angebote beim S-Prämiensparen für ihre Kunden attraktiver gestalten. Sie müssen sich ja dabei nicht so übernehmen wie die Sparkasse Ulm, die zu hohe Prämien bzw. Boni vertraglich zugesichert hat und aus diesen für sie unattraktiven Banksparplänen laut Urteil des Landgerichts Ulm nicht mehr herauskommt (siehe Geldtipps.de-Beitrag Auch Banksparverträge sind einzuhalten ).

Gegen die Wiedereinführung einer staatlichen Prämie auf das Banksparen spricht auch der bereits bestehende Wust aus staatlicher Förderung (Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmersparzulagen für vermögenswirksames Sparen über Bausparverträge oder Aktienfonds, Riester-Zulage beim Riester-Sparen).

Somit gibt es bereits drei Arten von staatlichen Prämien. Dabei sollte man es auch belassen. Zudem verführt eine staatliche Prämie viele Sparer dazu, an ein besonders rentierliches Angebot zu glauben. Dieser Glaube wird aber später häufig enttäuscht, wie die ersten Erfahrungen mit der Auszahlung von mageren Riester-Renten zeigen.

Achten Sie bei der Wahl Ihrer Sparanlage vor allem auf die Höhe des garantierten Zinses ohne Berücksichtigung von staatlichen Vergünstigungen. Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmersparzulage und Riester-Zulage können immer nur das Sahnehäubchen auf eine vom Garantiezins her noch attraktive Anlage sein. Wenn Sie sich ausschließlich wegen dieser staatlichen Förderung für eine bestimmte Geldanlage oder Altersvorsorge entscheiden, bleiben Enttäuschungen oft nicht aus.

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