Sparbriefe und Festgelder: Darf es ein bisschen mehr Zins sein?

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Zinsanlagen bringen aktuell magere Erträge. Wer sein Geld dennoch sicher anlegen möchte, muss sich im Markt genau umschauen, um in der Niedrigzinsphase akzeptable Konditionen zu erhalten.

Der Sparbrief ist eine Erfindung der Vereinsbank Wiesbaden (heute: Wiesbadener Volksbank) und wurde erstmals am 15.4.1964 ausgegeben. Zunächst profitierten die Volksbanken von dieser Innovation. Ab 1967 imitierten die Sparkassen das Produkt und platzierten es als Sparkassenbrief am Markt. Später setzten es auch Privatbanken ein. Die Banken wollten mit der Einführung von Sparbriefen die Abwanderung von Kundengeldern in konkurrierende festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen oder die Bundesschatzbriefe stoppen. Während die Ausgabe von Bundesschatzbriefen durch den Staat inzwischen eingestellt wurde, werden Sparbriefe auch heute noch von Banken und Sparkassen herausgegeben. Die Papiere gehören zu den festverzinslichen Sparformen, die für sicherheitsorientierte Anleger geeignet sind.

Fester Zinssatz für die gesamte Laufzeit

Der Zinssatz ist für die gesamte Sparbrieflaufzeit festgeschrieben. Im Vergleich zu aktuellen Konditionen festverzinslicher Bundesanleihen ist die Rendite annehmbar. So liegt die jährliche Rendite von Sparbriefen mit fünfjähriger Laufzeit bei Instituten, die der deutschen Einlagensicherung angehören, derzeit bei durchschnittlich 1,85 %. Nachfolgende Tabelle zeigt Ihnen die Konditionen von Sparbriefen und Festgeldern.

Übersicht: Sparbrief- und Festgeld-Konditionen

1 Jahr

3 Jahre

5 Jahre

10 Jahre

Sparbrief

Festgeld

Sparbrief

Festgeld

Sparbrief

Festgeld

Sparbrief

Festgeld

J&T Banka

1,60 %

1,60 %

2,00 %

2,00 %

2,15 %

2,15 %

2,50 %

2,50 %

DenizBank

1,25 %

1,25 %

1,75 %

1,75 %

1,85 %

1,85 %

2,10 %

2,10 %

Renault Bank Direkt

1,25 %

1,25 %

1,65 %

1,65 %

1,85 %

1,85 %

pbb direkt

1,00 %

1,00 %

1,50 %

1,50 %

1,75 %

1,75 %

2,10 %

2,10 %

Credit Agricole

1,05 %

1,05 %

1,50 %

1,50 %

1,76 %

1,76 %

Wer einen Anlagehorizont von ein bis drei Jahren hat, sollte sich auf jeden Fall die Festgeld- und Sparbriefkonditionen anschauen. Besser verzinst als vergleichbare sichere deutsche Bundesanleihen sind diese Festgelder oder Sparbriefe bei vielen Anbietern auf jeden Fall. Sparbriefe mit Laufzeiten von länger als drei Jahren sollten Sie jedoch angesichts einer möglichen Zinswende eher meiden. Wer jedoch an japanische Verhältnisse auf unserem Zinsmarkt glaubt (jahrzehntelange Minizinsen), greift zu Sparbriefen mit 5 oder sogar 10 Jahren Laufzeit. Beachten Sie auch unsere Anmerkungen zu den jeweiligen Anbietern, die sich derzeit mit besonders attraktiven Angeboten am Markt tummeln.

Welche Banken sind das?

Die J&T Banka ist eine tschechische Bank mit slowakischen Wurzeln und Hauptsitz in Prag. Sie wurde 1998 gegründet und gehört zu 100 % der Investmentgruppe J&T, die sich auf Projekte und Beteiligungen in der Slowakei und Tschechien konzentriert. Die Bank ist nicht selbst in Deutschland aktiv. Sie vermarktet ihr Festgeld-Produkt aber über die deutsche Anleger-Plattform Savedo.de, welche den kompletten Abschlussprozess und Kundenservice für deutsche Kunden übernimmt. Im Gegenzug erhält Savedo.de von der J&T Banka eine prozentuale Provision vom Anlagebetrag. Diese Provision ist bereits in den auf der Webseite dargestellten Zinssätzen einkalkuliert, sodass Anleger keine weiteren Kosten tragen müssen. Guthaben bis 100.000,00 € sind bei der J&T Banka über den gesetzlichen tschechischen Einlagensicherungsfonds geschützt. Dieser folgt den in der EU gültigen Richtlinien für Einlagensicherungssysteme, wodurch insbesondere die Auszahlungsmodalitäten geregelt werden.

Die DenizBank (Wien) AG als eigenständige Tochtergesellschaft der türkischen DenizBank A. S. betreibt Zweigniederlassungen in Deutschland und agiert hierzulande unter dem Namen DenizBank. Die türkische Muttergesellschaft gehört seit dem 28.9.2012 zu 99,85 % der russischen Sberbank.

Bei der pbb direkt handelt es sich um das Online-Angebot der Deutschen Pfandbriefbank, einer etablierten Spezialbank für Immobilienfinanzierung und öffentliche Investitionsfinanzierung.

Die Renault Bank Direkt ist eine Tochter der französischen Renault Bank. Die Bank gehört zu 100 % dem gleichnamigen Automobilkonzern mit Sitz in Paris und ist primär im Bereich der Finanzierung und Versicherung von Autos der Renault und Nissan Group tätig. Kundeneinlagen sind über den gesetzlichen französischen Einlagensicherungsfonds Fonds de Garantie des Dépôts bis zu einer Höhe von 100.000,00 € pro Person abgesichert (bei Gemeinschaftskonten entsprechend 200.000,00 € pro Konto).

Viele Online-Banken bieten Ihnen bei Sparbriefen und Festgeld deutlich bessere Konditionen als Ihre Hausbank um die Ecke. Zu jedem Online-Anbieter würden wir jedoch nicht wechseln. Eine Anlage bei der DenizBank mit der russischen Muttergesellschaft Sberbank bereitet sicherlich manchem sicherheitsbewussten Sparer Bauchschmerzen. Diese Sparer sind bei der pbb direkt, dem Online-Angebot der Deutschen Pfandbriefbank, besser aufgehoben.

Unterschiede zwischen Sparbrief und Festgeld

Sie werden sich nun fragen, wo denn der Unterschied zwischen Sparbrief und Festgeld liegt, wenn die Konditionen laut Tabelle doch deckungsgleich sind. Wir vergleichen die zwei Sparformen deshalb in der nachfolgenden Tabelle. Auf den ersten Blick sind sich Sparbrief und Festgeld gleich. Beide haben eine feste Laufzeit, der Zinssatz ist fest. Es fallen keine Gebühren an und das Kapital ist unkündbar. Im Detail gibt es jedoch einige Unterschiede.

Festgeld

Sparbrief

Laufzeit

Als Anleger können Sie neben den standardisierten Laufzeiten (3, 6, 9 Monate oder jährliche Zeitintervalle) auch individuelle Termine mit der Bank vereinbaren.

Sparbriefe haben jährliche Laufzeiten bis zu zehn Jahren.

Verzinsung

Sie erhalten jährlich Zinsen oder die Bank schüttet die Zinsen am Laufzeitende aus.

Zusätzlich zur jährlichen Zinsausschüttung oder der Ausschüttung am Laufzeitende gibt es den abgezinsten Sparbrief. Der Zins wird dabei vom Kaufpreis abgezogen, sodass der Kaufpreis deutlich unter dem Nennwert liegt. Am Fälligkeitstag erhalten Sie dann den vollen Nennwert (inklusive Zinsen) zurückgezahlt.

Inhaberverhältnisse

Beim Festgeld handelt es sich um eine klassische Bankeinlage.

Ein Sparbrief ist eine Namensschuldverschreibung, also eine Forderung an die Bank.

Einlagensicherung

Ja

Ja

Sparbriefe von Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind in der Regel keine Namensschuldverschreibungen, sondern Inhaberschuldverschreibungen. Diese Sparbriefe sind nicht Gegenstand der gesetzlichen Einlagensicherung, sondern werden durch den Einlagensicherungsfonds der Sparkassen und Genossenschaftsbanken garantiert.

Nachrangabrede

Gibt es beim Festgeld nicht.

Sparbriefe mit Nachrangabrede sollten Sie meiden, denn bei diesen werden im Fall einer Bankpleite erst alle anderen Gläubiger bedient, bevor der Sparbriefbesitzer entschädigt wird.

Kündigung

Festgeld muss vor dem Laufzeitende gekündigt werden, ansonsten wird das Kapital zu den dann aktuellen Konditionen automatisch neu angelegt.

Sparbriefe laufen – im Gegensatz zum Festgeld – ohne automatische Wiederanlage aus.

Versteuerung

Banken führen die Abgeltungsteuer direkt ans Finanzamt ab. Bei Freistellungsauftrag bleiben Zinseinkünfte bis zu 801,00 € pro Person steuerfrei.

Banken führen die Abgeltungsteuer direkt ans Finanzamt ab. Bei Freistellungsauftrag bleiben Zinseinkünfte bis zu 801,00 € pro Person steuerfrei.

Festgelder sind einfacher zu bewirtschaften als Sparbriefe. Das Festgeld muss vor dem Laufzeitende gekündigt werden. Ansonsten wird das Kapital zu den dann gültigen aktuellen Konditionen automatisch neu angelegt. Um bei der Anlage in Festgelder und Sparbriefe flexibel zu bleiben, empfiehlt sich folgende Strategie: Splitten Sie Ihre Anlagebeträge auf unterschiedliche Laufzeiten auf. So wird zu verschiedenen Zeitpunkten Kapital frei, das Sie, etwa bei inzwischen gestiegenem Zinsniveau, in besser verzinste Festgelder oder Sparbriefe umschichten oder in andere Geldanlagen investieren können.

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