Flexibilität wichtiger als Rendite

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Die Deutschen bewahren ihre Lust am Sparen: Die Mehrheit der Anleger spart mindestens 100 € im Monat. Dabei hat für sie Flexibilität Vorrang vor Rendite.

Das Niedrigzinsumfeld sehen die meisten Sparer zwar als Belastung, aber ihre grundsätzliche Einstellung zum Sparen ist weiter positiv, so das Ergebnis einer Umfrage von Union Investment zum Anlageverhalten im dritten Quartal 2014. Die aktuell niedrigen Zinsen hat bislang jeder dritte Sparer zum Anlass genommen, um seine bisherigen Geldanlagen zu überprüfen. Aktien und Aktienfonds gewinnen in diesem Quartal an Attraktivität.

Die Deutschen sind vom Sparen überzeugt und sehen darin einen Nutzen: 90 Prozent finden es ein schönes Gefühl, wenn man sich durch Sparen etwas leisten kann. Lediglich 17 Prozent denken, dass es sich derzeit nicht lohnt. Vor diesem Hintergrund legen gut drei Viertel der Befragten (77 Prozent) monatlich einen festen Betrag zur Seite. Mindestens 100 € pro Monat sparen mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Anleger. Ein Viertel gibt an, zwischen 50 und 100 € zurückzulegen. Nur vier Prozent wenden monatlich weniger als 50 € auf.

"Das Ergebnis zeigt, dass es um die Sparbereitschaft hierzulande immer noch gut bestellt ist", sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

Flexibilität bei der Geldanlage ist gefragt

Flexibilität spielt für deutsche Anleger eine bedeutende Rolle, insbesondere mit Blick auf die freie Verfügbarkeit des Ersparten: Neun von zehn Finanzentscheider halten es für notwendig, dass sie immer auf einen Teil ihres Vermögens zugreifen können.

Wie groß der Anteil am Vermögen sein soll, ist sehr unterschiedlich ausgeprägt: Für 35 Prozent von ihnen sollte beispielsweise rund die Hälfte der Ersparnisse liquide sein. 22 Prozent würden sich schon mit einem Viertel des Vermögens zufrieden geben.

Der Wunsch nach Liquidität spiegelt sich entsprechend in den Anforderungen an Sparplan-Produkte wider: 71 Prozent der Befragten möchten bei Sparplänen keine Laufzeiten einhalten, wenn sie zwischenzeitlich an ihr Geld wollen.

"Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich Anleger heutzutage nicht binden wollen. Sie suchen nach Lösungen, die flexibel sind und jederzeit an veränderte Bedürfnisse angepasst werden können", so Gay.

Bemerkenswert dabei: Ausgerechnet die Flexibilität von Fondssparplänen ist vielen Anlegern noch nicht bewusst. Nur jeder Zweite (52 Prozent) weiß, dass er einen Fondssparplan jederzeit erhöhen, senken oder kündigen kann.

Minizinsen: Nur jeder dritte Sparer überprüft seine Finanzen

Die Mehrzahl der Bundesbürger legt beim Sparen großen Wert auf Rendite: 81 Prozent achten darauf, dass sich Sparen lohnt. Daher verwundert es, dass lediglich 31 Prozent der Deutschen die niedrigen Zinsen zum Anlass nehmen, frühere Anlageentscheidungen zu hinterfragen. Die meisten Anleger bewegen sich weiterhin mit einem Großteil ihres Vermögens in niedrig verzinsten Anlagen.

Sparbuch, Sparkonto und Banksparpläne sind mit 76 Prozent die meistgenutzten Anlageformen. Dabei erkennen die Finanzentscheider durchaus die Vorteile aktienbasierter Anlagen: 43 Prozent sind der Meinung, damit auf lange Sicht die höchsten Erträge erzielen zu können.

Die Bereitschaft, in Geldanlagen mit vorübergehenden Schwankungen zu investieren, ist jedoch gering: Für gut jeden zweiten Befragten (52 Prozent) darf das angelegte Geld niemals ins Minus rutschen. Trotzdem geben immerhin 45 Prozent an, dass sie zwischenzeitliche Kursverluste in Kauf nehmen würden, wenn sie dadurch langfristig einen deutlichen Mehrertrag erzielen können.

"Um dem nachzukommen, müssten Sparer ihr absolutes Sicherheitsverständnis, das über allem steht, weiterentwickeln und den Fokus auf den langfristigen Anlageerfolg legen. Mit einem ausgewogenen Anlagemix haben sie in Niedrigzinsphasen die Möglichkeit, attraktive Erträge zu erzielen bei gleichzeitig kalkulierbaren Risiken. Dabei ist es nicht erforderlich, das Sicherheitsbedürfnis über Bord zu werfen", sagt Gay. Denn je nach Risikoneigung der Anleger lasse sich das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken einfach steuern.

Sparbuch bleibt erste Wahl zur Verwirklichung der Sparziele

Trotz der niedrigen Zinsen vertrauen die Deutschen nach wie vor dem Sparbuch. Bei fünf von zehn Sparzielen glauben sie, damit ihre Anlageziele am besten erreichen zu können. Dazu gehören die Rücklagenbildung für Ausgaben (68 Prozent) und für Notfälle (59 Prozent), das Sparen für die eigene Unabhängigkeit (54 Prozent), für Kinder bzw. die Familie (38 Prozent) sowie die Vorbereitung der Selbstständigkeit (34 Prozent).

"Der Wunsch nach Rendite und das traditionelle Sparverhalten der Deutschen passen nicht zusammen. Anleger nehmen mit ihrer Sparbuchmentalität langfristig Ertragseinbußen in Kauf. Zum Vermögensaufbau gibt es andere Instrumente, die Rendite, Flexibilität und Sicherheit besser unter einen Hut bringen können", rät der für das Privatkundengeschäft zuständige Geschäftsführer.

Seit dem ersten Quartal 2001 lässt Union Investment durch das Marktforschungsinstitut Forsa quartalsweise eine Erhebung zum Thema Anlageverhalten durchführen. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Die aktuelle Befragung für das dritte Quartal 2014 fand in der Zeit vom 6. bis 15.8.2014 statt. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu hundert Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.

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