Was tun bei Fondszusammenschlüssen?

 - 

Aus zwei mach eins: In den zurückliegenden Monaten kam es vermehrt zu Fondszusammenschlüssen. Für die Investoren ist das nicht immer von Vorteil. In diesem Artikel erfahren Sie, was dabei zu beachten ist.

"Im Zuge der Straffung unserer Fondspalette möchten wir Ihnen mitteilen, dass Ihr Fonds ABC mit Fonds XYZ verschmolzen wird". So oder ähnlich wurden in letzter Zeit viele Fondsanleger angeschrieben und jedes Mal werden Anleger dadurch verunsichert.

An Beispielen für Fonds-Verschmelzungen mangelte es zuletzt nicht, und zwar in ganz Europa: In Deutschland wurden 2009 die Paletten von AllianzGlobal Investors und Cominvest verschmolzen und auch der Marktführer DWS bereinigte 2003 und 2009 seine Fondspalette. Ebenso werden die Angebote von Aberdeen und Credit Suisse konsolidiert; in Frankreich kündigten die beiden Großbanken Crédit Agricole und Société Générale im Januar 2009 die Zusammenlegung ihrer Asset-Management-Sparten an.

Zu viele Fondsprodukte am Markt

Der Hintergrund solcher Aktionen ist, dass Europas Fondsbranche erkannt hat, dass sie zu viele Produkte aufgelegt hat, was ineffizient ist. Ein Vergleich mit den USA macht dies deutlich: In den USA gibt es rund 7900 Fonds bei einem verwalteten Vermögen von insgesamt 10011 Mrd. US-Dollar, während in Europa 33500 Fonds ein Vermögen von 4200 Mrd. Euro verwalten. Fast 10000 Fonds gibt es in Europa, die ein Volumen von weniger als 10 Mio. Euro aufweisen.

Eine Konsolidierung der Fondspalette tut also dringend not, um auf wirtschaftlich sinnvolle Fondsgrößen zu kommen. Im Endeffekt ist das nicht nur besser für die Produktanbieter, sondern auch für die Anleger. Schließlich wird eine Fondsgesellschaft für einen volumenmäßig schweren Fonds bessere Fondsmanager einsetzen und dem Research mehr Aufmerksamkeit schenken als für einen unbedeutenden Mini-Fonds. Und bessere Fondsmanager und mehr Research sorgen langfristig für eine bessere Wertentwicklung.

Tipp
Wer eine Fondszusammenschließung ("Merger") vermeiden möchte, sollte sich vor der Anlage nach dem Volumen des jeweiligen Fonds erkundigen. Ein Volumen unter 50 Mio. Euro ist schon recht klein, und unterhalb von 25 Mio. Euro muss man sich fragen, ob die Wirtschaftlichkeitsgrenze beim Fondsanbieter überhaupt erreicht wird. Einem solch kleinen Fonds wird tendenziell seitens des Managements weniger Aufmerksamkeit zuteil als einem größeren Fonds, oder er wird über kurz oder lang mit einem anderen Fonds verschmolzen. Fonds, die eine attraktive Größe haben, werden tendenziell nicht zusammengelegt, geschlossen oder vernachlässigt.


Konsolidierungen in der Finanzbranche

Außerdem kam es im Zuge der jüngsten Zusammenschlüsse bei Banken und Versicherern dazu, dass Finanzgruppen auf einmal zwei Fondsgesellschaften im Konzern hatten, die zahlreiche sehr ähnlich ausgerichtete Fonds unterhielten. Durch die Übernahme beispielsweise der Dresdner Bank durch die Commerzbank fanden sich die Fondsgesellschaften Allianz Global Investors und Cominvest auf einmal in derselben Bankengruppe vereint. Die Gesellschaften gaben im Herbst 2008 bekannt, dass sie die Dubletten in ihren Fondspaletten zusammenlegen würden. In der Pressemitteilung hieß es, dass man versuchen werde, "die bestehenden Möglichkeiten zur steuerneutralen Zusammenlegung zu nutzen".

Steuerneutrale Zusammenlegung möglich

Seit Inkrafttreten des neuen Investmentgesetzes im Jahre 2004 besteht nämlich die Möglichkeit, Fonds steuerunschädlich miteinander zu verschmelzen. Dazu gibt es detaillierte Regeln im Investmentsteuergesetz, welche die Fondsgesellschaft einhalten muss. Dies gilt sowohl für deutsche (§ 14 InvStG) als auch für ausländische Fonds (§ 17a InvStG); allerdings sind bei ausländischen Fonds auch die ausländischen Rechtsvorschriften zu beachten.

Bei der steuerneutralen Fondsverschmelzung wird ausdrücklich kein Tausch angenommen, sondern die ausgegebenen Anteile treten an die Stelle der Anteile an dem übertragenen Sondervermögen ("Fußstapfentheorie").

Tipp
Wenn Ihr Fonds mit einem anderen verschmolzen wird, erkundigen Sie sich, ob dies steuerneutral geschieht. Ist dies nicht der Fall, können Sie zwar nicht direkt etwas dagegen unternehmen. Aber Sie können der Fondsgesellschaft durch Beschwerden, Veröffentlichungen in Leserbriefen etc. so lästig werden, dass zukünftig mehr darauf geachtet wird.

Wenn nicht steuerneutral verschmolzen wird

Wenn ein von Ihnen gehaltener Fonds nicht steuerschonend verschmolzen wird, ist dies ärgerlich für Sie; nach der Einführung der Abgeltungsteuer 2009 sogar besonders ärgerlich. Denn wenn Sie die Anteile vor dem 1.1.2009 erworben haben, gilt die steuerschädliche Zusammenlegung alsVerkauf des einen Fonds und Kauf des anderen Fonds. Waren die Anteile bereits vor dem 31.12.2008 im Bestand, geht die Steuerfreiheit der Kursgewinne nach dem Tausch verloren, denn nur wenn sich inländische Fonds gemäß § 14 InvG zusammenschließen, wäre es steuerlich kein Kauf/Verkauf (§ 14 InvStG). Gleiches gilt für ausländische Fonds nach § 17a InvStG.

Aber auch wenn steuerschonend verschmolzen wird, ist die Zusammenlegung von Fonds nicht immer angenehm. Denn wenn die Gesellschaften ihre Fondspaletten bereinigen, weicht die Ausrichtung des aufnehmenden Fonds oft mehr oder minder stark von der des abgebenden Fonds ab. Beispielsweise verschmolz Universal Investment 2007 den Uni Dynamic Japan und den Uni Dynamic Nordamerika auf den Uni Dynamic Global oder den recht eng ausgerichteten Uni Sector Internet auf den Uni Sector High Tech.

Tipp
Immerhin erfolgen Fondsverschmelzungen für Sie kostenfrei und automatisch. Wenn Sie also keine andere Weisung erteilen, wird gemäß dem Vorschlag der Fondsgesellschaft getauscht. Sie können dies aber auch zum Anlass nehmen, um kostenfrei in einen anderen Fonds zu wechseln, der jetzt vielleicht eher Ihren Anlagewünschen entspricht. Wenn schon verschmolzen wird, dann nutzen Sie den Merger wenigstens zur kostenlosen Tauschmöglichkeit.

Neuerdings auch SICAV-Verschmelzungen

Bislang waren steuerneutrale Fondsverschmelzungen nur auf Investmentfonds des Vertragstyps anwendbar, beispielsweise auf deutsche Sondervermögen oder auf luxemburgische Fonds in der Rechtsform des FCPs ("Fonds Commun des Placement"); so zumindest die Auffassung der Finanzverwaltung. Am 10.7.2009 hat der Bundesrat schließlich einer Änderung des Investmentsteuergesetzes zugestimmt, die klarstellt, dass § 17a InvStG auch auf die gesellschaftsrechtliche Form von Investmentfonds anwendbar ist, also z.B. auf luxemburgische SICAVs. Dies gilt für Verschmelzungen zweier ausländischer Fonds, die nach dem 22.7.2009 durchgeführt werden.

Noch ungeklärt: Cross-border Mergers nach UCITS IV

Die neue europäische Investmentfonds-Richtlinie UCITS IV sieht auch grenzüberschreitende Fondsfusionen vor, um die Bildung von größeren Asset-Pools zu ermöglichen. Die steuerlichen Details sind hier allerdings noch nicht restlos geklärt. Eine Klärung wird aber bis zur Umsetzung der Richtlinie am 1.7.2011 erfolgen. Das wird die Effizienz der Fondsindustrie steigern und eventuell die Fondskosten senken. Derzeit kommt es nämlich vor, dass eine Managementgesellschaft mehrere Fonds mit derselben Anlageausrichtung - und teilweise auch denselben Fondsmanagern - in unterschiedlichen Ländern unterhält, was nicht kosteneffizient ist.

Ganz entscheidend ist das Fondsvolumen. Ein Volumen unter 25 Mio. Euro ist unwirtschaftlich und die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung ist gegeben. Auch bei einem Volumen von 50 Mio. Euro spricht man noch von einem kleinen Fonds. Steht bei der Muttergesellschaft eventuell bald eine Fusion oder Übernahme mit einer anderen Gesellschaft an, die auch über eine Investmentgesellschaft verfügt?

Sehr spezielle Modethemen, wie z.B. Internet-Fonds, kommen später eventuell aus der Mode und dann fließt dem Fonds so viel Geld ab, dass die Gesellschaft ihn gern mit einem anderen Fonds verschmelzen wird. Setzen Sie also nicht auf zu eng ausgerichtete (Branchen-)Fonds und hüpfen Sie nicht auf jedes Modethema; diese sind oft nur kurzfristiger Natur.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.