Vorsicht Falle bei Short-ETFs und ETFs mit Hebelwirkung

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Börsengehandelte Indexfonds, fachsprachlich: Exchange Traded Funds, bieten eine günstigere Kostenstruktur als normale, sprich: gemanagte Investmentfonds. Allerdings gibt es einige Feinheiten, die zu beachten sind, weil es zu unerwarteten Verzerrungen kommen kann.

Im April feierte der Markt für Exchange Traded Funds (Indexfonds) seinen zehnten Geburtstag. Tatsächlich hat die Branche allen Grund zu feiern wegen einer geradezu kometenhaften Entwicklung: Was im April 2000 mit lediglich zwei Produkten auf dem EuroStoxx und EuroStoxx50 begann, ist inzwischen zu einer boomenden Industrie angewachsen. In Deutschland verwalten 617 Fonds von 16 Anbietern insgesamt 124 Mrd. Euro. Deren Vermögen wuchs in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent pro Jahr. Im Schnitt kommt an jedem zweiten Tag ein weiterer Exchange Traded Fund hinzu.

Der Boom hat jedoch auch seine Schattenseiten. So kamen in den letzten Jahren unter anderem über zwei Dutzend ETFs auf den Markt, die die Kursentwicklung von Indizes nicht mehr eins zu eins, sondern invers (short) oder gar mit einem zweifachen Hebel nachvollziehen.

Beispiel:
Der ComStage DJ EuroStoxx50 Leveraged (WKN: ETF053) besitzt als Basiswert den Dow Jones EuroStoxx50 Leveraged. Dieser bildet die Entwicklung des Dow Jones EuroStoxx50-Preisindex mit einer Hebelwirkung von 2 ab. Steigt also der Dow Jones EuroStoxx50-Preisindex um 1 Prozent, so steigt der Dow Jones EuroStoxx50 Leveraged um 2 Prozent auf Tagesbasis. Dementsprechend fällt der Dow Jones EuroStoxx50 Leveraged um 2 Prozent, wenn der Dow Jones EuroStoxx50 Kursindex um 1 Prozent fällt.

Mit diesen ETFs sind nun Strategien möglich, die bislang den Einsatz von Futures oder Optionen erforderten. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte man Short-ETFs verwenden, um sein Depot gegen fallende Kurse abzusichern.

Aufgrund einer rechnerischen Feinheit entpuppen sich Short-ETFs jedoch als Falle für alle Anleger, die diese Produkte länger als nur ein paar Tage halten. Denn über längere Zeiträume sind größere Abweichungen vom zugrunde liegenden Index möglich. So können Sie auf längere Sicht mit Short-Indexfonds selbst bei fallenden Märkten Verluste erzielen - und gehebelte Long-Produkte (Spekulation auf steigende Kurse) selbst bei aufwärts strebenden Kursen in die Verlustzone rutschen.

Grund für die Verzerrungen sind die Tücken der Prozentrechnung. Steigt der Index an einem Tag um 3 Prozent, und fällt er am nächsten Tag um 5 Prozent, sind das in Summe minus 2,15 Prozent. Ein ungehebelter Short-ETF würde am ersten Tag 3 Prozent verlieren und am nächsten Tag 5 Prozent zulegen. Macht am Ende plus 1,85 Prozent, 0,3 Prozentpunkte zu wenig. Wie sehr Hebel-ETFs solche Verzerrungen verstärken, zeigt die nächste Rechnung: Ein doppelt gehebelter Short-ETF hätte am ersten Tag 6 Prozent verloren, am Tag darauf aber 10 Prozent gewonnen. Macht insgesamt plus 3,4 Prozent. 4,3 Prozent wären linear aber richtig gewesen.

In Extremfällen passiert dann Folgendes: Der S&P500 Financials Index verlor im Jahr 2008 rund 55 Prozent seines Werts. Entsprechende Short-ETFs beendeten das Jahr jedoch mit einem Gewinn von lediglich 3,6 Prozent. Andersherum geht es aber auch: Von Ende März 2009 bis Jahresende legte der DAX um 45,9 Prozent zu. Der doppelt gehebelte ETF schaffte dagegen über 101 Prozent. In dem stark ausgeprägten Aufwärtstrend hatte sich die Bewegung durch den Basiseffekt verstärkt.

Der Anbieter DB X-Tracker (Deutsche Bank) hat inzwischen seine Short-ETFs mit dem Zusatz "Daily" versehen. So soll klarwerden, dass die Produkte sich nur zur Kurzfristspekulation eignen. Auf der Webseite von DB X-Tracker finden Interessenten die Informationen zu den Short-ETFs auch nur, wenn sie sich als professionelle Investoren ausgeben.

Tipp
Exchange Traded Funds mit Hebelwirkung eignen sich nur für sehr erfahrene und gut informierte Anleger. Da solche Papiere auf längere Sicht eine schwer zu kalkulierende Wertentwicklung liefern, sind diese eher für den täglichen Handel und Haltefristen von wenigen Tagen geeignet.

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