Smart Beta Exchange Traded Funds: Vorübergehende Börsenmode oder Stein der Weisen?

 - 

Professionelle Anleger lassen immer mehr Geld nach der Smart Beta-Methode managen. Auch für private Anleger gibt es Anlagemöglichkeiten, mit denen die Smart Beta-Welt erschlossen werden kann.

Das Angebot ist jedoch unübersichtlich, da Smart Beta Exchange Traded Funds unter den verschiedensten Bezeichnungen auftreten. Neben Smart Beta werden sie unter Begriffen wie Faktor Investing oder mit dem Attribut enhanced vermarktet. Allen gemeinsam ist, dass sie das für klassische Exchange Traded Funds (ETFs) typische passive Investieren in einen Börsenindex zugunsten abweichender Indexzusammensetzungen aufgeben, um damit bessere Resultate als der ursprüngliche Index zu erzielen.

Deshalb müssen sich solche Smart Beta Exchange Traded Funds den Vorwurf gefallen lassen, gar keine richtigen Exchange Traded Funds mehr zu sein, da sie auf Elemente des aktiven Investierens setzen. Zudem: Die Kriterien, nach denen die Smart Beta-Auswahl betrieben werden, liegen im Ermessen des Fondsbetreibers und sind oft intransparent. Darüber ist auf fachlicher Ebene der Anlageprofis heftiger Streit entbrannt. Dieser interessiert die privaten Anleger allerdings kaum, solange solche Smart Beta Exchange Traded Funds bessere Anlageergebnisse bringen als traditionelle, indexgewichtete ETFs und zudem noch kostengünstiger angeboten werden als die üblichen aktiven Investmentfonds.

Kriterienauswahl beim smarten Investieren

Beim smarten Investieren werden die Aktien vor allem nach folgenden Kriterien ausgewählt:

  • Value (Wert) (Kurs-Buch-Werte, Kurs-Cashflow-Werte),

  • Size (Größe) (Bevorzugung von Small Caps (kleinen Unternehmen),

  • Quality (Bilanzqualität gemessen mit unterschiedlichen Kennzahlen),

  • Momentum (Kursdynamik),

  • Risiko (Minimum Variance, minimale Sharpe Ratio),

  • Saisonalität oder

  • einer Kombination dieser Faktoren.

Zurück geht das Ganze auf die Nobelpreisträger Fama und French und ihr 3-Faktoren-Modell bestehend aus Marktrisiko, Größe und Wert. Der Größeneffekt besteht darin, dass Aktien mit geringer Börsenkapitalisierung höhere Renditen erzielen als solche mit hoher Börsenkapitalisierung und konnte für die Jahre 1963–1990 nachgewiesen werden. Der Werteffekt besteht darin, dass Aktien mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) eine bessere Performance erreichen als solche mit hohem KBV. Aus ihrem 3-Faktoren-Modell wurden im Laufe der Zeit Multi-Faktoren-Modelle. Mit diesen versuchen Fondsmanager in verschiedenen regionalen Märkten die besten Faktoren-Kombinationen herauszufinden.

Eine beim smarten Investieren gern angewandte Vorgehensweise ist die Minimum-Varianz-Strategie. Die Idee dahinter: Durch die Kombination von Aktien, die nur wenig schwanken (niedrige Volatilität) und deren Kurse sich relativ unabhängig zueinander – also nicht parallel – entwickeln (geringe Korrelation), sinkt das Risiko von hohen Verlusten. Folgend stellen wir Ihnen eine Auswahl von Anlageprodukten auf die Minimum-Varianz-Strategie vor, die für private Investoren derzeit am Markt angeboten werden und über die Börse problemlos erworben werden können.

Minimum-Varianz-Instrumente auf den DAX

Die smarten Anlageinstrumente, in die Sie aus Kostengründen investieren sollten, sind in der Regel Exchange Traded Funds (ETF). Das gilt zumindest für europäische Aktien und US-Aktien. Für den deutschen DAX gibt es bisher keinen Minimum-Varianz-ETF, sondern nur ein Minimum-Varianz-Zertifikat (WKN: AA0KFZ).Tatsächlich nur ein einziges. Aber das ist auf jeden Fall einen näheren Blick wert:

Performancevergleich: DAX versus Minimum-Varianz-Strategie

Performance (bei mehreren Jahren kumuliert)

WKN

1 Jahr

2 Jahre

3 Jahre

5 Jahre

DAX

846900

10,3 %

13,2 %

42,1 %

56,5 %

DAXplus Minimum Variance Germany EUR NR Index

A0METN

26,9 %

32,8 %

59,0 %

106,8 %

DAXplus Minimum Variance Germany Zertifikat

AA0KFZ

26,1 %

30,7 %

56,0 %

98,6 %

In der Tabelle können Sie die Performance des DAX und diejenige der Minimum-Varianz-Strategie auf den DAX ablesen. Sie sehen, dass die Minimum-Varianz-Strategie eine deutlich bessere Performance als der DAX aufweist. Der Minimum-Varianz-Index wird von der Deutschen Börse berechnet. Das Varianz-minimale DAX-Portfolio wird aus der Varianz und Korrelation der 30 DAX-Titel zueinander abgeleitet. Dabei findet bei Einzeltiteln eine Kappung bei einem zehnprozentigen Indexgewicht statt. Berechnung und neue Zusammensetzung des Index werden einmal pro Quartal vorgenommen. Das Zertifikat, das diesen Minimum-Varianz-Index abbildet, stammt von der französischen Großbank BNP Paribas. Die etwas schwächere Performance des Zertifikats im Vergleich zum Index resultiert aus der Berechnung der jährlichen Zertifikatsgebühren. Was kann es für Anleger Besseres geben als ein Anlageinstrument, das die Volatilität reduziert und gleichzeitig auch noch die Performance verbessert? Wer als deutscher Anleger seine Aktienrendite möglichst einfach optimieren will, der kommt um dieses Anlageprodukt wohl kaum herum.

Minimum-Varianz-Instrumente auf europäische Aktien

Performancevergleich: EuroStoxx50 versus Minimum-Varianz-Strategie

Performance (bei mehreren Jahren kumuliert)

WKN

1 Jahr

2 Jahre

3 Jahre

5 Jahre

EuroStoxx50

965814

3,8 %

5,4 %

24,0 %

17,0 %

Amundi ETF MSCI Europa Minimum Volatility UCITS ETF

A0RF45

16,7 %

27,9 %

63,5 %

83,6 %

iShares MSCI Europe Minimum Volatility UCITS ETF (DE)

A1KB2C

16,4 %

33,7 %

n.a.

n.a.

Ossiam iSTOXXTM Europe
Minimum Var. NR UUCITS ETF

A1JH 10

12,1 %

27,1 %

47,8 %

n.a.

Auch bei der Anlage in europäische Aktien fällt das Ergebnis der Minimum-Varianz-Strategien überzeugend aus.

Wer das Anlagespektrum europäischer Aktien bisher mit einem klassischen Investmentfonds oder einem normalen ETF abdeckt, sollte darüber nachdenken, diese Anlage durch eine der aufgeführten Minimum-Varianz-Produkte zu ersetzen. Die jährlichen Gebühren des Amundi- und des iShares-Produkts liegen bei 0,25 %. Das Ossiam-Produkt kostet 0,65 % p.a.

Minimum-Varianz-Instrumente auf US-Aktien

Um den Überblick über die Minimum-Varianz-Instrumente zu vervollständigen, hier noch die Übersicht über den US-Index S&P 500 und die dafür zu Verfügung stehenden Minimum-Varianz-Anlagen:

Performancevergleich: S&P 500 versus Minimum-Varianz-Strategie

Performance (bei mehreren Jahren kumuliert)

WKN

1 Jahr

2 Jahre

3 Jahre

S&P 500

A0AET0

−2,6 %

8,56 %

40,6 %

iShares S&P 500 Minimum
Volatility UCITS (DE)

A1KB2E

16,3 %

53,7 %

n.a.

Ossiam US Minimum
Variance NR UCITS ETF EUR

A1JH 1Y

7,5 %

42,0 %

69,0 %

Ossiam US Minimum
Variance NR UCITS ETF USD

A1JH 1X

−3,7 %

12,1 %

40,4 %

Weitere News zum Thema

  • Rohstoff-ETFs: Rendite-Chancen mit Risiken

    [] Rohstoffaktien waren in den letzten Jahren an der Börse stark unter Druck. Kein Wunder. Die Weltwirtschaft schwächelt, Chinas Konjunkturmotor stottert – und der kräftige Ausbau der Förderkapazitäten in den Vorjahren sorgt dafür, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt. mehr

  • Altersvorsorge: Trotz Niedrigzins keine Illusion

    [] (tm) Die meisten Menschen wollen ihre Zukunft finanziell absichern, wozu eine gut aufgestellte Altersvorsorge nötig ist. Das scheint durch den Niedrigzins aber unmöglich geworden zu sein. Dabei existieren neben dem traditionellen Sparbuch auch andere vielversprechende Anlageformen. mehr

  • Besteuerung von Investmentfonds wird vereinfacht

    [] Bekannte Steuergestaltungsmodelle werden ausgeschlossen und die Gefahr von neuen Gestaltungsmissbräuchen erheblich reduziert. EU-rechtliche Risiken, die sich heute aus den unterschiedlichen Besteuerungsregelungen für inländische und ausländische Investmentfonds ergeben, werden ausgeräumt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.