Smart-Beta ETFs: Mit ausgeklügelten Konzepten den Gesamtmarkt schlagen

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Smart Beta Exchange Traded Funds gehören zu einer wachsenden Gruppe neuartiger Indexfonds.

Diese neuen ETFs wollen noch flexibler auf die Bedürfnisse der Anleger reagieren und erweitern deshalb das ursprüngliche Konzept. Ihre Wertentwicklung folgt nicht einem allseits bekannten Index wie z.B. dem DAX oder dem EuroStoxx50.

Stattdessen bilden diese ETFs einen Index ab, der von der Fondsgesellschaft nach bestimmten Regeln berechnet wird. Letztendlich soll so eine bessere Wertentwicklung erreicht werden.

Diese intelligenten Indizes bilden zwar den gleichen Markt ab wie z.B. der DAX, orientieren sich aber bei der Gewichtung der einzelnen Indexmitglieder nicht an der Marktkapitalisierung der Aktien, sondern verwenden alternative Kriterien bei der Indexzusammenstellung. Das Ziel dieser Ansätze bei Smart-Beta-ETFs: mehr Rendite mit geringerem Risiko zu erzielen.

Kein Wunder, dass die neuen Fonds in der anhaltenden Rendite-Dürre bei Anlegern gut ankommen. Die Mittelzuflüsse in die schon bestehenden Produkte sind beträchtlich. Wie smart die neuen Fonds und Indizes wirklich sind, ist anhand der erst kurzen Existenz dieser Produkte noch nicht eindeutig geklärt. Rückrechnungen zeigen immerhin beeindruckende Ergebnisse. Vor allem bei längeren Investitionszeiträumen brachten neuartige Indizes in den vergangenen 10 bis 15 Jahren häufig eine bessere Wertentwicklung als traditionelle Indizes, die anhand der Marktkapitalisierung gewichtet werden.

Zumindest theoretisch lässt sich nachvollziehen, warum Indizes, die sich in ihrer Zusammensetzung an der Marktkapitalisierung orientieren, so leicht zu schlagen sind. Der primäre Zweck eines Aktienindex ist es, möglichst repräsentativ das Geschehen an der jeweiligen Börse widerzuspiegeln. Eine Gewichtung anhand der Marktkapitalisierung ist dafür im Grunde zwingend erforderlich.

Bestimmt jedoch der Börsenwert eines Unternehmens sein Gewicht im Index, kommt es zu einer systematischen Übergewichtung hoch bewerteter Aktien und zu einer systematischen Untergewichtung niedrig bewerteter Aktien. Steigt eine Aktie dann stärker als der Markt, wird sie im Index immer höher gewichtet. Fällt ihr Wert, wird der Anteil reduziert. Im Prinzip folgt der Index damit der gefährlichen Strategie Teuer kaufen, billig verkaufen.

Für die sog. Smart-Beta-ETFs haben sich vor allem zwei alternative Methoden der Indexnachbildung durchgesetzt:

  • Alle Aktien werden im Index gleich gewichtet.

  • Die Aktien werden entsprechend ihrem Risiko im Index gewichtet.

Ein namhafter ETF-Vertreter der gleich gewichteten Indizes ist der db-x-trackers S&P 500-Equal-Weight ETF (WKN: DBX0KM) der Deutschen Bank. Dieser enthält die 500 Aktien des klassischen US-Leitindex S&P 500 zu jeweils gleichen Teilen. Die Fondsgesellschaft Ossiam bietet den EuroStoxx50-Equal-Weight-ETF (WKN: A1JH11) und den Stoxx-Europe-600-Index (WKN: A1JH12) als Smart-Beta-ETF an.

Bei der anderen Variante der Smart-Beta-Indizes bestimmt dagegen das Risiko der Aktien, gemessen anhand ihrer Schwankungsfreude (Volatilität), das Gewicht der einzelnen Titel.

Dazu wurde der Low-Volatility-Index konstruiert. In diesen Index kommen nur jene Aktien des Standardindex, die in den vergangenen 12 Monaten die niedrigste Volatilität aufwiesen. So enthält der S&P-500-Low-Volatility-Index genau die 100 Aktien des traditionellen S&P-500-Index mit der geringsten Volatilität. Zusätzlich werden die Unternehmen im Low-Volatility-Index nicht nach ihrem Börsenwert, sondern nach ihrer historischen Volatilität gewichtet.

Schwankt eine Aktie nur wenig, ist ihr Anteil im Index besonders groß. Viermal im Jahr werden die Aktien im Index gemäß ihrer Volatilität neu gewichtet. Um extreme Klumpenrisiken zu verhindern, gibt es dabei eine Obergrenze pro Aktie: Keine Aktie darf mehr als 4 % Gewicht im Portfolio erhalten. Eine Begrenzung des Gewichts einer einzelnen Branche gibt es jedoch nicht. Deshalb können manche Sektoren eine dominante Stellung im Index einnehmen.

Stellvertretend für diese Anlagevariante der Indexgewichtung entsprechend ihrem Risiko steht der Low-Volatility-ETF State Street (WKN: A1J3PA). Er basiert auf dem traditionellen S&P 500-Index für den US-Aktienmarkt.

Alternativ gewichtete ETFs sind durchaus für Privatanleger geeignet. Diese sollten allerdings sichergehen, dass die Produkte ihren Bedürfnissen tatsächlich weiter entgegenkommen als traditionelle Indexfonds. ETFs auf optimierte Indizes sind in der Regel nämlich teurer als solche auf herkömmliche Indizes. Zum Teil verlangen Anbieter von Smart-Beta Exchange Traded Funds höhere jährliche Verwaltungsgebühren. Oft ist auch der Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) zu herkömmlichen ETFs deutlich höher. Damit eignen sich Smart-Beta Exchange Traded Funds nur für längerfristig orientierte Investoren.

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