Rohstoffmärkte: Warum kam es zur Kurskorrektur?

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Die hohe Volatilität an den Rohstoffmärkten in letzter Zeit hat einige Anleger dazu veranlasst, sich fluchtartig zurückzuziehen. Rohstoffmärkte sind von Natur aus recht spekulativ. Die jüngsten Marktaktivitäten haben deutlich gemacht, dass zu viele Anleger in den gleichen Positionen engagiert waren – der klassische Fall eines „Herdentriebs“.

In der Vergangenheit konnten wir derartige Blasen am Rohstoffmarkt über die Daten der CFTC erkennen, die auf den obligatorischen Erhebungen der US Commodity Futures Trading Comission basieren. Heutzutage findet jedoch ein größerer Teil der Transaktionen im Freiverkehr statt, so dass die CFTC-Daten mittlerweile weniger aufschlussreich sind.

Für die Korrektur an den Rohstoffmärkten gab es einige triftige Gründe: Die Konjunkturdaten in den USA fielen erheblich schwächer aus als erwartet und die erforderliche Margendeckung auf die sehr gefragten, spekulativen Positionen in Silber stieg dramatisch. Das setzte Spieler mit höherem Leverage unter Druck.

Trotzdem waren viele Marktteilnehmer schockiert, wie stark und wie schnell sich die Lage an den Rohstoffmärkten ändern kann. Stop-Loss-Limits wurden ausgelöst und die Anleger beeilten sich, ihre Risiken zu reduzieren. Viele Teilnehmer erachten Rohstoffe als sichere, inflationsgeschützte Anlage in einem Umfeld, in dem die Geldmarktrenditen nach wie vor weit unter der Inflationsrate liegen. Die jüngsten Ereignisse rufen indes in Erinnerung, dass Rohstoffe eine volatile Anlage sind und nicht als Alternative zu Geldmarktanlagen erachtet werden sollten.

Was nun?

Die fundamentale These hinter der Erwartung höherer Rohstoffpreise bleibt intakt:

Mittelfristig wird die Nachfrage aus den Emerging Markets nicht nachlassen, auch wenn steigende Zinsen das kurzfristige Interesse eindämmen sollten.

Das Rohstoffangebot ist unterdessen alles andere als unbegrenzt. Die Grenzkosten der Produktion (beispielsweise die Förderkosten eines weiteren Barrel Rohöl aus einer existierenden Quelle) steigen. Die Explorationskosten im Rohstoffsektor steigen sogar noch viel schneller, da die Erschließung neuer Felder und Minen kostspieliger ist als der Betrieb ausgebauter Förderstellen, deren Fördermenge geringer ausfällt.

Wie können Anleger diesen Trend nutzen?

Aufgrund der bereits erwähnten Kosten von Produktion bzw. Exploration ziehen wir physische Rohstoffe den Rohstoffunternehmen vor. Das Geschäft von Energie- und Bergwerksunternehmen, vor allem den größeren unter ihnen, besteht generell aus dem Verkauf von Gütern, die ihnen allmählich ausgehen. Weniger stabile Unternehmen, die zum Überleben auf Akquisitionen angewiesen sind, können sich als klassische Wertfalle erweisen.

Investitionen in Agrarrohstoffe können dagegen auf lange Sicht problematisch sein, da durch eine Intensivierung des Anbaus stets ein neues Angebot erzeugt werden kann. Es ist auch nie abzusehen, wann das Angebot durch eine neue Technologie wie den ertragsstarken Mexikoweizen revolutioniert wird, der Norman Borlaug 1970 den Friedensnobelpreis einbrachte. Wir ziehen deshalb Agrarunternehmen vor, die ihre Gewinne über Produktion oder Transport erzielen. Denn obwohl die Nachfrage nach Nahrungsmitteln mit dem Aufkommen der Mittelschicht in den Emerging Markets mit Sicherheit weiter wächst, besteht keine Sicherheit über den Fortbestand des hohen Preisniveaus.

Anmerkung: Autor dieses Beitrags ist John Ventre, leitender Manager des Skandia Diversified Fund. Derzeit verwaltet er für die Skandia Investment Group (SIG) ein Fondsvermögen von rund 2,1 Milliarden britischen Pfund.

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