Offene Immobilienfonds: Fusion von Hausinvest Global und Hausinvest Europa schafft Europas größten offenen Immobilienfonds

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Die Branche der offenen Immobilienfonds kommt nicht zur Ruhe. Ende September 2009 legt die Commerzbank ihre beiden offenen Immobilienfonds Hausinvest Europa und Hausinvest Global zusammen. In einem Markt, in dem immer noch sechs Immobilienfonds kein Geld an Anleger zurückzahlen können, weil liquide Mittel fehlen, schüren solche Aktionen Misstrauen und bringen weitere Unruhe.

Anders als mehrere Konkurrenzprodukte überstanden die beiden von der Commerzbank verwalteten offenen Immobilienfonds die Massenflucht der Anleger im Herbst 2008 gut. Für die Hausinvest-Fonds wurde nie die Anteilsrücknahme ausgesetzt. Zum damaligen Zeitpunkt waren bis zu 34 Mrd. Euro, rund 40 Prozent der gesamten in offenen Immobilienfonds investierten Gelder blockiert. Drei Fonds tauschen noch immer keine Anteile gegen Geld, drei weitere nahmen zwischenzeitlich wieder Anteile zurück, wurden aber erneut eingefroren, sodass gegenwärtig Anteile im Wert von neun Mrd. Euro nicht zurückgegeben werden können.

Der Hausinvest Europa hatte sein großes Geldpolster in den vergangenen Wochen für weitere Zukäufe genutzt. Jüngstes Objekt im Portfolio ist ein Hotel in Berlin für 23 Mio. Euro. Im Februar flossen 92 Mio. Euro in ein Shoppingcenter im französischen Toulouse und Anfang des Jahres wurde für 130 Mio. Euro ein Bürokomplex in Birmingham erworben.

Der neue, nur noch Hausinvest genannte Fonds, steigt nach der Fusion mit einem Fondsvolumen von 12,5 Mrd. Euro zum größten Immobilienfonds in Europa auf. Die Fondsanbieterin Commerz Real begründet den Zusammenschluss mit der risikomindernden breiteren Streuung der Immobilienanlagen über die verschiedenen Nutzungsarten und Anlageregionen. Auf Basis aktueller Zahlen umfasst das Portfolio des neuen Hausinvest 125 Gewerbeimmobilien in 19 Ländern. 87 Prozent der Gebäude stehen in Europa, die übrigen in Asien und Nordamerika.

Die beiden Fonds sind ungleiche Geschwister: Der Europa hat ein Volumen von 10,9 Mrd. Euro, der Global von nur 1,6 Mrd. Euro. Während der größeremit einer Liquiditätsquote von 27 Prozent im Geld schwimmt, liegt die Quote beim weltweit anlegenden Fonds lediglich bei 12 Prozent. Das sind zwar 7 Prozent mehr, als das Gesetz verlangt, aber nur 2 Prozent mehr als die in der Branche bereits als kritische Schwelle betrachtete 10-Prozent-Marke.

An der knappen Liquidität des Hausinvest Global hätte sich auch so schnell nichts geändert. Das Fondsvolumen stagniert seit zwei Jahren. Ob nach der Fusion Mittelabflüsse zu befürchten sind, etwa weil die bisherigen Europa-Anleger eine Verwässerung ihrer Rendite befürchten, werden die kommenden Herbst- und Wintermonate zeigen. In den vergangenen 12 Monaten rentierte der Hausinvest Europa mit 3,6 Prozentp.a., der Hausinvest Global mit lediglich 2 Prozentp.a.

Tipp
Wenig begeistert dürften die Besitzer von Anteilen der fusionierten Fonds sein. Bisherige Europa-Anleger haben zukünftig z.B. US-Immobilien im Depot, die sie nicht wollten, und Welt-Anleger schleppen einen viel zu hohen Anteil europäischer Immobilien mit sich herum. Das dürfte ihre Gewinne verwässern, falls sich zum Beispiel der US-Immobilienmarkt erholen sollte. Wer seine ursprüngliche regionale Immobilienstreuung wiederherstellen möchte, kann als Alternative zu den offenen Immobilienfonds der Deutschen Bank greifen. Hier zu erwähnen sind der Grundbesitz Europa (WKN: 980700) und der Grundbesitz Global (WKN: 980705). Zum sofortigen Wechsel besteht jedoch kein Anlass. Besser ist es, die jährliche Veröffentlichung des Scope-Ratings abzuwarten. Die viel beachtete Qualitätseinstufung der offenen Immobilienfonds ist für Anleger eine wichtige Entscheidungshilfe beim Investieren in offene Immobilienfonds. Traditionell wird dieses Rating im Frühsommer herausgegeben. Im GeldBerater werden wir Ihnen diese Ratings voraussichtlich in der kommenden Aktualisierung ausführlich vorstellen und kommentieren.

Ein weiterer Grund, auf die Fusion nicht sofort mit Umschichtungen in andere offene Immobilienfonds zu reagieren, bietet der Gesetzgeber. Noch in diesem Jahr drohen der Branche drastische Gesetzesänderungen, deren Folgen die ganze Branche umkrempeln könnten. Denn auch die offenen Immobilienfonds sind vom geplanten Gesetzentwurf des Bundesministeriums derFinanzen zur Stärkung des Anlegerschutzes betroffen und sollen künftig stärker reguliert werden. Im Einzelnen sehen die bisherigen Aussagen des BMF zum geplanten Gesetzentwurf vor, dass bei offenen Immobilienfonds künftig für alle Anleger eine zweijährige Mindesthaltefrist gelten soll, ergänzt durch Kündigungsfristen, die nach Wahl der Fondsgesellschaften zwischen sechs und 24 Monaten angesetzt werden können.

Tipp
Entscheidungen zu Neuanlagen oder Umschichtungen in offenen Immobilienfonds sollten Sie bis zur endgültigen Klarheit über die gesetzlichen Neuregelungen vorerst zurückstellen. Über die gesetzlichen Neuregelungen werden wir Sie im GeldBerater auf dem Laufenden halten.

Kostenfreier Umtausch der Fondsanteile

Vom Anleger sind im Zusammenhang mit der Fondsfusion keine besonderen Maßnahmen zu treffen. Das übernimmt die depotführende Stelle. Die Fondsfusion erfolgt für die Anleger kostenneutral. Alle Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Fusion entstehen, trägt die Kapitalanlagegesellschaft. Die Überführung der Hausinvest-Global-Anteile in den künftigen Fonds Hausinvest wird nicht als Verkauf mit anschließendem Neuerwerb gewertet und hat somit auch in steuerlicher Hinsicht keine Auswirkungen auf die Anleger.


Anteile von Hausinvest Global können noch bis einschließlich 24.9.2010 erworben werden. Die Anteilrückgabe ist im Hausinvest Europa und im fusionierten Fonds jederzeit möglich. Im Falle des Hausinvest Global kann sie bis zum Fusionszeitpunkt erfolgen. Vereinbarungen im Rahmen bestehender Spar- und Auszahlpläne bleiben von der Fondsverschmelzung unberührt. Diese gehen unverändert auf den fusionierten Fonds über.

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