Offene Immobilienfonds: Ein Viertel von Schließungen und Abwicklungen betroffen

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Kürzlich sollte der offene Immobilienfonds Morgan Stanley P2 Value wieder handelbar werden. Daraus wurde nichts. Morgan Stanley kündigte die Abwicklung an. Statt der einstigen Kurse von weit über 50 Euro wurde aktuell ein Netto-Inventarwert von 27,54 Euro angegeben. An der Fondsbörse in Hamburg werden gerade einmal noch 18,56 Euro pro Anteil des Morgan Stanley P2 Value bezahlt. Ein Desaster.

Mit der dritten Auflösung nach dem KanAm US-Grundinvest sowie dem Degi Europa von Aberdeen Immobilien hat sich die Krise der offenen Immobilienfonds weiter verschärft. Die zehn übrigen eingefrorenen Fonds dürften es nun umso schwerer haben, ihre Rücknahmeaussetzung wieder zu beenden. Wahrscheinlich drohen weitere Schließungen oder gar Abwicklungen. Die gesetzliche Frist für die nächsten drei Fonds läuft im November 2011 ab.

Das Marktsegment

87 Milliarden Euro haben deutsche Anleger insgesamt in offene Immobilienfonds investiert. Das sind 13 Prozent aller Anlagen in klassischen Investmentfonds (insgesamt 650 Milliarden Euro).

Von den aktuellen Schließungen und Abwicklungen ist mit einem Gesamtvolumen von 25 Milliarden Euro bereits jetzt mehr als ein Viertel des Marktsegments der offenen Immobilienfonds betroffen. Da wird gerade Betongeld in Milliardenhöhe vernichtet.

Tipp
Viele konservative Anleger sind bei offenen Immobilienfonds investiert. Somit ist eine Verkaufslawine zu befürchten, die das Marktsegment der offenen Immobilienfonds insgesamt unter Druck bringt.  Deshalb ist zum Verkauf oder zumindest zu einer Reduzierung der Positionen zu raten.

Damit treten – wie in solchen Fällen üblich – die üblichen Trittbrettfahrer auf den Plan. Zum einen viele Anwälte, die Geschädigten ihre Dienste anbieten. Zum anderen auch völlig unseriöse Geschäftemacher, die verunsicherten Anlegern Angebote machen, ihre Anteile zu Ausverkaufspreisen zu übernehmen, frei nach dem Motto "Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach".

Tipp
Auf solche Abstauberangebote sollten Sie auf keinen Fall eingehen. Wenn Sie unbedingt verkaufen wollen oder müssen, dann tun Sie dies am Zweitmarkt, also an der Börse Hamburg. Auch dort sind die Preise derzeit schlecht.

Wann lohnt der Anwalt?

Wer sich mit dem Gedanken trägt, gegen seine Bank wegen Falschberatung vorzugehen, der sollte zumindest einen der folgenden Anhaltspunkte für seine Forderungen haben:

  • Wurde der Immobilienfonds als absolut sichere Anlage verkauft, zum Beispiel mit der Floskel "besser als Festgeld"?
  • Passt das Produkt "offener Immobilienfonds" zum ausgewählten, individuellen Anlageprofil und wird dort ausdrücklich genannt – oder nicht?
  • Wurde auf die Möglichkeit der zeitweisen Schließung von offenen Immobilienfonds im Verkaufsgespräch hingewiesen?
  • Wurde ein Prospekt ausgehändigt?
  • War die Aufklärung über die wirtschaftlichen Eigeninteressen der Bank am Vertrieb dieser Anteile womöglich lückenhaft, insbesondere in Bezug auf Kick-Back-Zahlungen und Bestandsprovisionen?

Es gibt inzwischen bereits Anhaltspunkte dafür, dass Anleger in Einzelfällen nach Verlusten in dieser neuen Krise lukrative Vergleiche mit Banken schließen konnten.

Tipp
Falls Sie betroffen sind und Anhaltspunkte für eine Falschberatung haben, zögern Sie nicht, anwaltlichen Beistand zu suchen.

Haltedauer neu geregelt

Offene Immobilienfonds sollen durch eine Neuregelung vor Liquiditätsknappheit bewahrt werden. Mit dem Anlegerschutzgesetz wird eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren eingeführt werden. Wer in den folgenden beiden Jahren aussteigt, muss einen Abschlag hinnehmen. Privatanleger dürfen sich jedoch bis zu 5000 Euro monatlich auszahlen lassen.

Tipp
Da müssen Privatanleger ausbaden, was die institutionellen Anleger verbockt haben. Die Neuregelung befindet sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren und wird voraussichtlich im März 2011 in Kraft treten. Wenn die Liquidität Ihrer Anlage für Sie hohe oder höchste Priorität hat, dann ist die Anlageform "offener Immobilienfonds" nicht mehr das Richtige für Sie.

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