Für skeptische Börsianer: Aktien-Investmentfonds mit gedämpftem Risiko

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Die Sparer stecken in einem Dilemma: Sie sehen zwar die Notwendigkeit angesichts der Magerkost bei Zinsanlagen, ihren Aktienanteil auszubauen, mögen aber die heftigen Schwankungen an der Börse nicht. Beim Blick auf die stark gestiegenen Aktienkurse in den letzten Jahren gerät so mancher Anleger zusätzlich ins Grübeln. Zudem finden sich in den Medien verstärkt Berichte über Blasenbildungen an den Aktien- oder Anleihemärkten. Die Warnungen häufen sich, dass diese Blasen bald platzen könnten.

Doch niemand kann das Platzen einer Blase treffsicher vorhersehen. Dass die Blase geplatzt ist, merkt man erst, wenn es bereits zu spät ist – dann sind die Kurse schon eingebrochen. Zwar gibt es immer wieder Gurus, die das Platzen der Dotcom-Blase oder der jüngsten Finanzkrise vorhergesehen haben. Aber das ist wie ein Münzwurf-Wettbewerb: Auch hier gibt es Menschen, die auf Kopf setzen, und es kommt Kopf – einige schaffen das auch drei oder vier Mal hintereinander. Aber können sie deswegen den Fall der Münze vorhersehen?

Die Fondsanbieter reagieren auf die zunehmende Nervosität und Unsicherheit beim Anleger und werben vermehrt für Aktienfonds mit reduziertem Risiko aus ihrem Haus. Angeboten wird dabei ein sogenanntes asymmetrisches Risikoprofil: nach unten gedämpft, nach oben möglichst voll mit dabei.

Manche Berater versuchen, ihren Kunden die zum Teil komplexen Strategien simpel zu erklären, um mithilfe von risikogedämpften Aktienfonds die Anleger wieder an die Aktienanlage heranzuführen. Aber mit allzu einfachen Bildern der Marke Mehr gewinnen durch geringere Verluste, ist Vorsicht geboten. Anleger sind dann nämlich leicht geneigt an ein Ausnahmetalent zu glauben, sobald ein Fondsmanager in einer einzelnen Baisse einmal nicht mit auf Talfahrt geht. Wichtig ist, dass der Fondsmanager bei Baisse-Vermeidungs-Ansätzen sauber begründen kann, warum es sich hier um ein wiederholbares Phänomen handelt. Kann er das nicht, ist davon auszugehen, dass es sich um bloßen Zufall handelt. Beispielsweise, weil der Fonds noch gar nicht voll investiert war oder weil er gerade in dieser Situation auf die richtigen Branchen oder Titel gesetzt hat.

Der First Eagle Amundi International mit Deep-Value-Strategie

Ein Fonds, der schon seit 1996 existiert, ist der First Eagle Amundi International (WKN: 635297). Dieser Fonds wird nach der sog. Deep-Value-Strategie gemanagt. Dabei sucht das Fondsmanagement Titel aus, die an der Börse aktuell deutlich niedriger bewertet werden als der vom Fondsmanagement berechnete faire Wert. Der Fondsmanager kauft die Aktien sozusagen zum Discount. Wenn Discount-Anlagechancen rar sind, können auch Barmittel gehalten werden.

Amundi lässt diesen Fonds von seinem US-Partner First Eagle Investment Management verwalten. Dessen früherer Investment-Chef Jean-Marie Eveillard hatte diese Strategie 1979 ins Leben gerufen und 2003 dafür den Lifetime Achievement Award von Morningstar für einen der größten Langzeiterfolge in der Investmentbranche erhalten. Eveillard gelang das Meisterstück, in der drei Jahre andauernden Aktienbaisse nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 mit seinem Aktienfonds ein positives Ergebnis zu erzielen. Dies gelang, weil er damals keine Technologie-Aktien mehr im Portfolio hatte, während solche Titel bis zum Platzen der Blase den Welt-Aktienindex von MSCI enorm aufgebläht hatten.

Seine Strategie hört sich einfach an: Er sucht Unternehmen, die über eine gute Kundenbindung verfügen und eine lokale Marktführerschaft in ihrem Bereich haben. First Eagle kauft einen Titel nur dann, wenn er aktuell vom Markt unterschätzt wird, und daher mit einem Abschlag von mindestens 30 % zu seinem inneren Wert gehandelt wird. Was das Fondsmanagement als Value-Investor meidet, sind hohe Bewertungen, ein hoher Fremdfinanzierungsgrad, unverständliche Bilanzen, unsichere Geschäftsmodelle und aggressives Managementverhalten. Diese Strategie konnte den Fonds in der Vergangenheit vor den großen Börsen-Desastern verschonen. Nachteil des Fonds: Mit jährlich anfallenden Gesamtgebühren in Höhe von 2,2 % lässt sich das Fondsmanagement seine Dienste fürstlich entlohnen.

Hellerich WM Sachwertaktien: Fonds-Konzept mit niedrigem Beta

Einen anderen Ansatz verfolgt der Fonds Hellerich WM Sachwertaktien (WKN: HAFX4N). Das Anlagekonzept entstand aufgrund der Erfahrungen aus der Finanzkrise, in der die Frage nach Erhalt von Vermögenswerten in Krisenzeiten im Vordergrund stand. Das Fondsmanagement sucht aktiv nach Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen gerade auch in Krisenzeiten benötigt werden. Das sind vor allem Titel aus der Nahrungsmittel-, Gesundheits- und Telekommunikationsbranche sowie Versorger.

Für die Anlage geeignete Kandidaten filtert das Fondsmanagement anhand fundamentaler Kennzahlen heraus. Firmen beispielsweise mit geringer Verschuldung und wenigen offenen Forderungen. Denn schließlich können Schuldner gerade in Krisenzeiten ausfallen und die Forderungen wären teilweise oder ganz verloren. Der durchschnittliche Finanzverschuldungsgrad der im Fonds gehaltenen Werte liegt unter 20 %. Wegen der Anfälligkeit bei Inflation werden Firmen mit hohem Kassenbestand nicht in den Auswahlprozess mitaufgenommen.

Bei der Portfoliostruktur wird auf eine möglichst breite Streuung geachtet. Die Regionen Amerika, Europa-Afrika und Asien-Pazifik werden möglichst gleich gewichtet, neben einer breiten Streuung auf Branchen- und Währungsebene. Daneben gibt es Gewichtungsgrenzen pro Land – beispielsweise 30 % für die USA. Mit dieser Strategie gelang es dem Fonds, das schwierige Börsenjahr 2011 mit einem Plus von 2,8 % zu meistern, und in den guten Börsenjahren 2012, 2013 und 2014 marschierte der Fonds wacker mit dem allgemeinen Börsentrend nach oben.

Im Grunde entspricht das Konzept einer Low-Beta-Strategie. Dabei ist Beta ein Gradmesser dafür, wie stark eine Aktie im Vergleich zum Markt schwankt. Ein Wert unter eins deutet auf unterdurchschnittliche, ein Wert über eins auf überdurchschnittliche Schwankungen hin.

Der Einsatz von Optionen zur Absicherung

Neben den Aktien-Strategien, die aus der Betrachtung der einzelnen Unternehmen heraus die Anfälligkeit in Krisenzeiten reduzieren sollen, gibt es auch die Möglichkeit, vorhandene Aktienrisiken über Optionen abzusichern. Hier nimmt der Manager die Aktienselektion vor und sichert dann einen Teil der Risiken über eine Art von Versicherung, nämlich den Kauf von Put-Optionen, ab. Die Kunst dabei ist, die richtige Versicherung in Form der Option zu kaufen, denn bei einem Aktienportfolio, das immer komplett abgesichert ist, käme lediglich die risikolose Rendite abzüglich der Kosten heraus.

Eine Absicherung über die Optionsstrategie verfolgt der LuxTopic – Aktien Europa (WKN: 257546). Der Investmentfonds investiert mithilfe eines technischen Selektionsmodells in bis zu 35 große europäische Unternehmen. Diese müssen starke Marken sein und eine stabile Marktposition besitzen. Oft verfügen sie sogar über eine weltweite Marktführerschaft. Mithilfe der Optionsstrategie wird ein aktives Risikomanagement verfolgt mit dem Ziel, negative Marktentwicklungen abzufedern. Die Absicherung erfolgt dabei durch den Kauf von Index-Put-Optionen, wodurch dann auch in fallenden Märkten Cash-Einnahmen generiert werden. Im Schnitt werden rund 25 % des Portfolios abgesichert. Immerhin verlor der LuxTopic – Aktien Europa mit dieser Strategie im Krisenjahr 2008 mit −25,7 % deutlich weniger als der EuroStoxx50 (−42,3 %). Tatsächlich geht das Konzept auf lange Sicht gut auf: Im vergangenen Jahr jedoch lief der Fonds den gestiegenen Aktienkursen deutlich hinterher.

Aber auch wenn es Aktienstrategien gibt, die das Risiko reduzieren sollen, gelten die ganz simplen Börsen-Regeln immer noch: In Aktien gehören nur Gelder, mit denen Sie einen Kursrückgang schlimmstenfalls ertragen und aussitzen können. Bisher folgte jedem Kursrückgang wieder ein Aufschwung. Nur lässt der mitunter mal länger auf sich warten. Trotz aller Absicherungs-Möglichkeiten gehören in Aktien nur solche Gelder, auf die Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht zugreifen müssen. Als Aktieninvestor sollten Sie das Nervenkostüm besitzen, dass Sie auch ein Kursrückgang von 30 % oder 40 % ruhig schlafen lässt. Eine solche Gelassenheit trägt dann Früchte: Über alle langfristigen Zeiträume hinweg werfen Aktien deutlich höhere Renditen ab als festverzinsliche Anlagen. Das gilt ganz besonders in einer Niedrigzins-Phase, wie wir sie derzeit leider haben.

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