Fiese Tricks der Fondsindustrie: Hohe Gebühren für aktives Fondsmanagement kassieren trotz passiver Anlage in einen Index

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Nur dem Namen nach aktiv gemanagte Fonds könnten bald Post von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bekommen. Die Aufsichtsbehörde prüft derzeit zusammen mit ihrem europäischen Pendant ESMA, wie noch aktiv gemanagte Fonds von passiven abgegrenzt werden können.

Warum hält die BaFin das überhaupt für nötig? Weil sie offenbar ein Problem erkannt hat, das Anleger schon länger ärgert: Viele Investmentfonds gehen zwar mit der Bezeichnung aktiv gemanagt auf Kundenfang. In der Praxis ist der Fonds aber ein passives Investment, weil sich die Fondsmanager streng an einen Aktienindex wie z.B. den DAX oder den EuroStoxx50 halten. Derartige Aktienfonds sind aber von einem Exchange Traded Fund (ETF) auf diesen Index kaum noch zu unterscheiden – außer durch die deutlich höheren Gebühren.

Ein Fondsmanager ist normalerweise eine Person, die für die Anleger die besten Aktien, Anleihen oder sonstigen Investments auswählt und sie für den Fonds kauft. Wie gut der Manager seinen Job macht, zeigt die Wertentwicklung des Fonds im Vergleich mit einem dazu geeigneten Marktindex, dem sogenannten Benchmark. Viele angeblich aktiv gemanagte Investmentfonds sind jedoch in Wirklichkeit nichts anderes als verdeckte, passiv agierende Indexfonds. Statt sich den Kopf zu zerbrechen, wie der Markt zu schlagen ist, investieren einige Fondsmanager so, dass sie nicht schlechter, aber auch nicht besser abschneiden als der jeweilige Referenzindex (Benchmark). Damit wirft der Fondsmanager allen Ehrgeiz über Bord, den jeweiligen Referenzindex zu schlagen. Gleichzeitig erspart er sich aber auch die Schmach, bei der Wertentwicklung dem Markt hinterherzuhinken.

Hinzu kommt: Manche Banken, die eigene Fonds betreiben, entlohnen ihre Manager nicht nach ihrer erwirtschafteten Anlage-Rendite, sondern z.B. nach den Absatzzahlen des Fonds bei der Kundschaft. Häufig werden Fondsmanager auch übermäßig bestraft, wenn ihre Rendite unter derjenigen des Benchmarks zu liegen kommt. Dies nimmt den Fondsmanagern zusätzlich den Anreiz, denjenigen Freiraum, den sie für ihre Investments hätten, tatsächlich zu nutzen.

Als Anleger bezahlen Sie diesen Etikettenschwindel mit deutlich zu hohen Gebühren

Den Anlegern könnte der Etikettenschwindel bei aktiv gemanagten Fonds egal sein, wären da nicht die großen Gebührenunterschiede im Vergleich zu den passiv agierenden Exchange Traded Funds. Ein indexnaher Fonds hat zwar keine Chance auf eine Überrendite (Outperformance) gegenüber dem zugrunde liegenden Index. Dafür sind hier die jährlich anfallenden Kosten für das Management sehr gering. Börsengehandelte Exchange Traded Funds auf große Aktienindizes, wie z.B. den deutschen DAX oder den EuroStoxx50, weisen eine jährliche Kostenbelastung zwischen 0,15 % und 0,35 % pro Jahr auf. Aktiv gemanagte Aktienfonds auf diese beiden Indizes kosten dagegen im Schnitt 1,5 % bis 1,9 % pro Jahr.

Diese Mehrkosten (im Schnitt weit mehr als 100 Basispunkte pro Jahr bei Aktienprodukten) lohnen sich jedoch nur für wirklich aktiv gemanagte Fonds, die sich von ihrer Benchmark loslösen. Besonders in schwankungsarmen Börsenzeiten – in denen die großen Börsenindizes seitwärts tendieren – ist aktive Aktienauswahl (Stock Picking) gefragt. Aber auch in schwachen Börsenjahren können aktive und erfolgreiche Fondsmanager mit dem richtigen Markttiming zumindest die Verluste ihrer Anleger begrenzen. Dafür müssen sie sich aber auch von ihrer Benchmark lösen.

Daran erkennen Sie, ob Ihr Aktienfonds ein verkappter Indexfonds ist

Um zu überprüfen, ob ein Fonds eher indexnah oder aktiv verwaltet wird, genügt die Kenntnis zweier Kennzahlen:

  • Die Kennzahl R-Quadrat zeigt an, wie nahe die Fondsperformance beim Index liegt. Die Ergebnisse schwanken zwischen null und eins. Werte in der Nähe von null zeigen eine geringe oder gar keine Übereinstimmung (Korrelation) mit dem zugrunde liegenden Index. Demgegenüber zeigen Zahlen in der Nähe von eins eine starke Parallele zwischen beiden Performancewerten. Ein reiner Indexfonds weist ein R-Quadrat von eins, also 100 % auf. Wirklich aktives Management beginnt laut Experten erst unter 0,9. Je tiefer, desto weiter traut sich der Manager von seiner Benchmark weg.

  • Eine bekanntere Kennzahl ist der Tracking Error (TE). Dieser misst ebenfalls die Differenz zwischen einem Fondsportfolio und ihrer zugrunde liegenden Benchmark. Je höher der Tracking Error, desto mehr traut sich der Fondsmanager außerhalb der für seinen Fonds geltenden Benchmark zu investieren. Je niedriger der TE, umso ähnlicher verläuft die Wertentwicklung des Fonds zu seinem Benchmark. Während bei Indexfonds der Tracking Error generell unter 1 % liegt, sollten wirklich aktive Aktienfonds-Manager – je nach Fondskategorie – schon einen Wert von wenigstens 5 % aufweisen.

Wenn Sie sich zum Kauf aktiv gemanagter Fonds entscheiden, sollten Sie darauf achten, welche Leistung Sie für Ihr Geld erhalten. Hohe jährliche Managementgebühren zu zahlen lohnt sich nur für Fonds, die auch wirklich aktiv gemanagt werden. Rein statistisch ist ein niedriger Tracking Error bzw. ein hohes R-Quadrat ein deutliches Indiz für Indexnähe. Die beiden Kennzahlen erhalten Sie auf Nachfrage bei Ihrem Bankberater oder direkt bei der Fondsgesellschaft. Hellhörig werden sollten Sie auch dann, wenn in den Verkaufsunterlagen von einem disziplinierten Anlageprozess oder einer marktneutralen Ausrichtung die Rede ist. Dann können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Fondsmanager eine indexnahe Ausrichtung seines Fonds anstrebt.

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