Rohstoff-ETFs: Rendite-Chancen mit Risiken

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Rohstoffaktien waren in den letzten Jahren an der Börse stark unter Druck. Kein Wunder. Die Weltwirtschaft schwächelt, Chinas Konjunkturmotor stottert – und der kräftige Ausbau der Förderkapazitäten in den Vorjahren sorgt dafür, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt.

Die Folge: Die Preise für Rohstoffe gerieten massiv unter Druck. Kostete beispielsweise ein Barrel Öl der Sorte Brent im Frühjahr 2012 noch mehr als 125 US-Dollar, lag der Preis zu Jahresbeginn nur noch bei gut 30 US-Dollar.

Auch Gold und Silber sowie Industriemetalle erlitten in den vergangenen Jahren deutliche Wertverluste. Zuletzt jedoch zogen die Rohstoffnotierungen wieder etwas an. Öl etwa kletterte wieder Richtung 50 US-Dollar. Antizyklisch denkende Investoren setzen auf das Ende der langen Talfahrt und beginnen langsam wieder Positionen im Rohstoffsektor aufzubauen.

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Typisches Risiko-Profil von Rohstoff-Indizes

Wie risikoreich sind Investitionen in Rohstoffe? Die Antwort darauf liefert das folgende schematische Risikoprofil, das auf jedem Informationsblatt für Investoren (genannt KIID) zu finden ist. Diversifizierte Rohstoffanlagen werden meist in die Risikokategorie 5 eingeordnet; manche auch in die Risikokategorie 6. Dies ist dann der Fall, wenn für EUR-Anleger keine Absicherung gegen Währungsschwankungen vorgesehen ist.

Das typische Anlagerisiko mit Rohstoffen liegt auf einer Skala von 1 bis 7 im Bereich von 5.

Niedriges Risiko

Höheres Risiko

Potenziell niedrige Rendite

Potenziell höhere Rendite

1

2

3

4

5

6

7

Rohstoffe werden damit in der Regel als genauso risikoreich eingeschätzt wie Aktien. Warum dann überhaupt Rohstoffanlagen kaufen? Der Mehrwert liegt in der Diversifikationsleistung, die sie in ein Wertpapierdepot bringen, weil sie gegenüber den anderen Anlageklassen nur eine geringe Korrelation (Gleichlauf der Kursentwicklung) aufweisen.

Exchange Traded Funds und Exchange Traded Commodities

Wer kostengünstig in Rohstoffe investieren und selbst nicht am Terminmarkt aktiv werden möchte, kann in Exchange Traded Funds (ETFs) oder Exchange Traded Commodities (ETCs) investieren.

Was ist der Unterschied? ETFs sind wie klassische Investmentfonds Sondervermögen und frei von Ausfallrisiken im Falle der Insolvenz des Emittenten. ETCs bergen dagegen ein Emittentenrisiko. Bei diesen Papieren handelt es sich wie bei Zertifikaten um Schuldverschreibungen, deren Rückzahlung bei einer Schieflage des Emittenten gefährdet ist. Allerdings sind die an der Börse gehandelten ETCs fast immer mit einer zusätzlichen Besicherung ausgestattet. Im Folgenden beschränken wir uns auf die Anlage in Rohstoffen mit ETFs.

Funktionsweise von Rohstoff-ETFs

ETFs erreichen ihr Ziel, die Entwicklung eines Index nachzubilden, auf eine recht seltsam anmutende Art und Weise. Sie kaufen dabei nicht einfach die dem Index zugrunde liegenden Rohstoff-Futures. Vielmehr investieren sie in einen Korb von Wertpapieren, die nur sehr wenig oder gar überhaupt nichts mit Rohstoffen zu tun haben und sich im Grunde komplett unabhängig von den Rohstoffpreisen entwickeln. Beispielsweise hat ein Rohstoff-ETF, der den Reuters / Jeffries CRB-Index abbilden will, ein umfangreiches Aktienportfolio angekauft, in denen Aktien von bekannten Unternehmen wie Daimler, Siemens und LVMH vertreten sind.

Um das Ziel, den nachzubildenden Rohstoffindex dennoch zuverlässig abbilden zu können, schließt das Fondsmanagement eine Swap-Vereinbarung ab. In dieser Swap-Vereinbarung vereinbaren die beiden Swap-Partner – der Fonds und eine große Investmentbank – den Austausch der Rendite des vom Fonds gehaltenen Wertpapierkorbes gegen die Rendite des Rohstoff-Index. Im Grunde genommen ganz einfach, doch durchaus etwas gewöhnungsbedürftig.

Wichtig ist bei dieser Art von Swap-basiertem ETF, dass der Swap-Partner von einwandfreier und unzweifelhafter Bonität sein muss. Denn eine Insolvenz dieses Swap-Partners würde gegebenenfalls zu Verlusten innerhalb des Fondsvermögens führen, was den Fondspreis empfindlich treffen würde.

ETFs auf breite Rohstoffindizes

Die nachfolgende Tabelle zeigt Ihnen alle Rohstoff-Indizes, die Sie hierzulande kaufen können, um den Rohstoffmarkt allgemein und breit abzudecken. Die Zusammensetzung der Rohstoffindizes (in der Tabelle in der Rubrik Basisindex) ist durchaus unterschiedlich. Anleger können also je nach Marktmeinung eher einen möglichst breit aufgestellten Rohstoff-Index wie den Rogers-Index (auch RICI genannt) kaufen oder einen energie-lastigen Index wie den S & P GSCI. Zur detaillierten Zusammensetzung der verschiedenen Rohstoff-Indizes finden Sie weitere Angaben auf den Informationsseiten der Emittenten.

ETFs auf allgemeine Rohstoff-Indizes

Name

WKN

Währung

Basisindex

Gebühren ETF p. a.

iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (DE)

A0H 072

EUR

Bloomberg Commodity Index TR

0,46 %

LGIM Commodity Composite Source ETF

A1JNSW

USD

LGIM Commodity Composite Source Index

0,40 %

RBS Market Access Rogers International Commodity Index UCITS ETF

A0JK68

EUR

Rogers International Commodity Index

0,70 %

Lyxor ETF S & P GSCI Aggregate 3 Month Forward C EUR

LYX0M8

EUR

S & P GSCI Sector Equal Weight Composite 3-Month Forward Capped Index

0,35 %

ETFS Longer Dated All Commodities GO UCITS ETF

A1CXBV

EUR

Dow Jones-UBS Forward 3 Months Index

0,30 %

Lyxor Broad Commodities Momentum TR UCITS ETF

LYX0NA

EUR

S & P Commodities Curve Momentum Beta Strategy

0,35 %

Lyxor Broad Commodities Optimix TR UCITS ETF

LYX0NC

EUR

SGI Commodities Optimix Index mit Austauschoptimierung

0,35 %

Lyxor Commodities Thomson Reuters / Core Commodity CRB TR UCITS ETF

A0JC8F

EUR

Reuters / Jefferies CRB Total Return Index

0,35 %

Rohstoffindizes auf Subindizes

Wer eine ausgeprägte Marktmeinung zu einer Branche hat, für den bietet sich die Investition in einen der Subindizes an. ETFs auf solche Subindizes gibt es für Metalle und Agrarrohstoffe; ETFs auf einen Subindex Energie gibt es leider nicht.

ETFs auf Metall-Rohstoff-Indizes

Name

WKN

Währung

Basisindex

Gebühren ETF p. a.

RBS Market Access RICI Metals Index UCITS ETF

A0MMBH

EUR

Rogers International Commodity Index – Metals

0,85 %

Amundi ETF Commodities S & P GSCI Metals UCITS ETF

A0YJE4

USD

S & P GSCI All Metals Capped Commodity Index

0,30 %

Lyxor ETF S & P GSCI Industrials Metals 3 Month Forward C EUR

LYX0MP

EUR

S & P GSCI Industrials Metals 3-Month Forward Capped Component Index

0,35 %

ETFs auf Agrar-Rohstoff-Indizes

Name

WKN

Währung

Basisindex

Gebühren ETF p.a

RBS Market Access RICI Agriculture Index UCITS ETF

A0MMBJ

EUR

Rogers International Commodity Index – Agriculture

0,85 %

ETFs auf Nicht-Agrar-Indizes

Für viele Anleger, die Spekulationen aus moralischen Gründen auf Nahrungsmittel- und Agrarprodukte bei ihren Geldanlagen ausdrücklich ausschließen wollen, gibt es diese ETFs:

Name

WKN

Währung

Basisindex

Gebühren ETF p. a.

ComStage CBK Commodity ex-Agri. Monthly EUR H TR UCITS ETF I

ETF099

EUR

Commerzbank Commodity ex-Agriculture EW Index TR

0,35 %

ComStage Commerzbank Commodity ex-Agr. EW Index TR UCITS ETF I

ETF090

USD

Commerzbank Commodity ex-Agriculture EW Index TR

0,30 %

Ossiam Risk Weighted Enhanced Commodity Ex Grains TR

A1T7ML

EUR

Commodity Index TR ex-Grains

0,45 %

ETFs, die Energie-Rohstoffe ausschließen

Name

WKN

Währung

Basisindex

Gebühren ETF p. a.

Lyxor ETF Commodities CRB Non-Energy A

LYX0AL

EUR

Reuters / Jefferies CRB Non-Energy Index

0,36 %

Lyxor ETF Commodities CRB Non-Energy B

LYX0AM

USD

Reuters / Jefferies CRB Non-Energy Index

0,36 %

Terminkurve von Rohstoffen

Mit der Ausnahme von Edelmetallen kann in Rohstoffe kaum physisch investiert werden. Denn die Lagerung beispielsweise von Agrargütern wie Weizen und Soja ist bloß für eine bestimmte Zeit möglich – sie verderben. Die Lagerung von Öl und Metallen braucht riesigen Lagerraum und ist teuer. Deshalb beziehen sich Anlageinstrumente auf Terminkontrakte, sogenannte Futures. Da keine physische Lieferung der Waren stattfindet, müssen diese Terminkontrakte kontinuierlich von einem Kontrakt in den nächsten umgeschichtet (gerollt) werden. Bei der Investition in den ETF wird Anlegern umständliche Rollerei abgenommen.

Klassische Rohstoff-ETFs funktionieren wie folgt: Sie erwerben Futures mit kurzen Laufzeiten, weil diese Terminkontrakte in der Regel über die höchste Liquidität verfügen. Ist der Future mit längeren Laufzeiten, der beim Rollen erworben wird, teurer als der auslaufende Future, der verkauft wird, verursacht das Rollen entlang der Terminkurve einen Verlust. Das gilt für eine normale Marktsituation mit Preisaufschlag, dem sogenannten Contango. Die gegenteilige Situation kommt (selten) vor. Sie wird als Backwardation bezeichnet und führt beim Rollen zu einem Rollgewinn.

Seit einigen Jahren wird versucht den Rollmechanismus zu optimieren und dies in Indizes abzubilden. Das funktioniert wie folgt: In einer Contango-Situation investiert der Manager des rolloptimierten Rohstoff-Index (bzw. das Computer-Modell) in Kontrakte, die sich auf einem Punkt der Terminkurve befinden, wo die Steigung am flachsten ist. Dadurch wird der Rollverlust minimiert. In einer Backwardation-Situation werden diejenigen Kontrakte ausgewählt, die sich auf dem am steilsten abfallenden Teil der Terminkurve befinden. Dadurch wird der Rollgewinn maximiert. Das klingt plausibel. Einfach in der Praxis umzusetzen ist es aber nicht. Denn: Terminkurven von Rohstoffen sind lebendig, sie verändern sich. Es ist daher möglich, dass sich kurzfristige Avancen in den Kassapreisen (Spot) von Rohwaren nicht vollständig auf Futures mit späteren Verfallsdaten übertragen, dort, wo rolloptimierte Indizes gerade investiert sind.

Erfahrungsgemäß eignet sich die Rolloptimierung für manche Sektoren des Rohstoff-Universums besser als für andere. Bei Energierohstoffen ist ihr Einsatz eher von Nutzen – sie erwirtschaften gegenüber klassischen Barometern mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Zusatzrendite. Rolloptimierte Indizes auf Industriemetalle eignen sich ebenfalls, auch wenn dort der Mehrertrag gegenüber klassischen Subindizes schon eher gering ausfällt. Praktisch keinen Mehrwert bieten optimierte Indizes bei Agrarrohstoffen, weil die Terminkurven von Agrargütern äußerst volatil sind. Sie reagieren sensibel auf kurzfristige, oft wetterbedingte Angebotsänderungen. Daher kann der optimierte Rollmechanismus, der auf eine gewisse Stabilität der Terminkurve angewiesen ist, bei Agrargütern seine Wirkung eher nicht entfalten.

Welcher rolloptimierte Index ist der beste? Die rolloptimierten ETFs der verschiedenen Anbieter entwickeln sich ähnlich. Wie genau die Rolloptimierung praktiziert wird, bleibt dabei Geschäftsgeheimnis.

Wer sich für ein Rohstoff-Investment entscheidet, sollte deshalb eher auf die Indexgewichtung als auf eine mögliche Rolloptimierung achten.

Rolloptimierte Anlageinstrumente – ETFs auf Rohstoffe

Name

WKN

Währung

Basisindex

Gebühren ETF p. a.

db x-trackers DB Commodity Booster Bloomberg UCITS ETF 1C

DBY0B0

USD

Commodity Booster Bloomberg Index

0,95 %

db x-trackers DB Commodity Booster DJ-UBSCI UCITS (EUR) 2C

DBX0CZ

EUR

Deutsche Bank Commodity Booster Dow Jones-UBS Commodity Index

0,95 %

db x-trackers DB Commodity Booster Light Energy Bench UCITS 1C

DBX0B4

EUR

db x-trackers DB Commodity Booster S & P GSCI TM Light Energy Euro Index

0,95 %

db x-trackers DBLCI – OY (Optimum Yield) Balanced UCITS ETF

DBX1LC

EUR

FX Hedged Deutsche Bank Liquid Commodity Index Optimum Yield balanced

0,55 %

ETFS EUR Daily Hedged All Commodities

A1NZLK

EUR

Bloomberg Commodity IndexSM

0,54 %

UBS ETFs plc – CMCI Composite SF UCITS ETF

A1C79N

USD

UBS Bloomberg Constant Maturity Commodity Index

0,37 %

UBS ETFs plc – CMCI Composite SF UCITS ETF

A1C79U

GBP

UBS Bloomberg Constant Maturity Commodity Index

0,37 %

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