Exchange Traded Funds auf inflationsgeschützte Anleihen

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Seitdem die Zentralbanken im Zuge der Finanzkrise die Märkte mit Geld fluten und die Zinsen auf einem Rekordtief angekommen sind, geht bei Investoren das Inflationsgespenst um.

Die Geldentwertung ist eine der Urängste der Deutschen. Die furchtbaren Erlebnisse während der Zeit der Hyperinflation in den 1920er-Jahren, als viele ihr Erspartes verloren, haben sich bis heute im kollektiven Gedächtnis eingebrannt.

Mit dem Ausbruch der Immobilien- und Euroschuldenkrise und der daraufhin beschlossenen weltweit lockeren Geldpolitik der Notenbanken kehrte diese Angst wieder zurück. Anleger flohen daher in die Immobilienmärkte, Gold oder andere Sachwerte. Mit den rasant steigenden Aktienmärkten schichten jedoch inzwischen immer mehr Anleger von vermeintlich sicheren Anlagen in risikoreichere, renditeträchtigere Investments um. Die lange Zeit beliebten inflationsgeschützten Anleihen finden sich in immer weniger Depots.

Offizielle Inflationsraten sind mit Skepsis zu betrachten

Die Statistikämter weisen momentan europaweit eine sehr niedrige Inflationsrate aus. Im Euroraum ist die Teuerungsrate im Januar auf 0,7 % gesunken. Diese Zahl weicht jedoch von der gefühlten Inflation erheblich ab, die man als Verbraucher im Alltag ständig erlebt. Das Gefühl der Verbraucher täuscht auch nicht, wie dies teilweise behauptet wird. Denn um die Inflationszahlen niedriger aussehen zu lassen, als sie in Wirklichkeit sind, bedienen sich die offiziellen Stellen gerne einiger Tricks.

Die Inflationsrate soll abbilden, um wie viel teurer das Leben für die Bevölkerung geworden ist. Für diese Rate ermitteln die Statistiker den Preis eines fiktiven, angeblich repräsentativen Warenkorbs von Produkten, die häufig eingekauft werden, und vergleichen diesen mit dem Preis bei der vorherigen Erhebung – fertig ist die Diagnose der Lebenswirklichkeit der deutschen Konsumenten. Der Trick liegt in der Vorauswahl. Kritiker führen an, dass die Gewichtung der Produkte in diesem Warenkorb nicht viel mit der Verbraucherrealität zu tun hat.

Zudem setzt das Statistische Bundesamt bei der Berechnung der Verbraucherpreise die sog. hedonische Methode ein. Bei dieser Preisberechnung werden die Qualitätseigenschaften des Guts berücksichtigt. Ein Beispiel: Wenn sich die Prozessor-Geschwindigkeit eines Computers verdoppelt, der Verkaufspreis jedoch gleich bleibt, unterstellen die Statistikbehörden einen Preisrückgang um 50 %. Man bekommt für das gleiche Geld schließlich die doppelte Leistung. Durch diese Methode wird die ausgewiesene Inflation deutlich vermindert. Die Kaufkraft der Bürger steigt dadurch aber nicht, weil man für das gleiche Geld nach wie vor nur ein Produkt erhält, das dem neuesten Stand der Technik entspricht. Und wer schafft sich schon jährlich einen neuen PC an? Auch bei der Preisberechnung für andere elektronische Geräte wird diese Methode angewandt.

Oder: Beim Öffnen von Verpackungen stellt der Verbraucher immer öfters fest, dass diese nur zur Hälfte gefüllt sind. Vor allem Hersteller von Lebensmitteln verwenden gerne zu große Verpackungen. Dies hat zwei Gründe: Zum einen erwecken große Verpackungen den Eindruck, dass sich darin auch viel Ware verbirgt. Gleichzeitig werden damit aber auch versteckte Preiserhöhungen durchgesetzt, indem bei gleichbleibender Verpackungsgröße und gleichem Produktpreis die Inhaltsmenge verringert wird. Wenn der Preis des Produkts stabil geblieben ist, hat dieser Trick keinen Einfluss auf die offiziellen Verbraucherpreise. Bei der Messung der Inflationsrate wird nämlich nicht überprüft, ob der Inhalt der Verpackung verringert wurde. Die reale Geldentwertung fällt deswegen vermutlich deutlich höher aus, als es die offiziellen Inflationsdaten ausdrücken.

Selbst geringere Inflationsraten haben langfristig drastische Folgen für die Kaufkraft Ihrer Ersparnisse

Selbst bereits niedrige Inflationsraten können das angestrebte Sparziel erheblich gefährden. So beträgt die durchschnittliche Inflationsrate der vergangenen Jahre in Europa 2,7 % p.a. Wie sich eine solche Inflationsrate, die auf den ersten Blick nicht zu hoch erscheint, auf die langfristigen Ersparnisse auswirkt, zeigt folgende Rechnung: Nach 30 Jahren schwindet die Kaufkraft von 1.000,00 € bei dieser Inflationsrate auf dann nur noch 449,00 €. Liegt die Inflationsrate nur 1 % höher, also bei 3,7 % p.a., verbleiben nach 30 Jahren nur noch 336,23 €. Zwei Drittel der Ersparnisse wären also verloren. Ein möglicher Weg, sich gegen die langfristigen Folgen der Inflation abzusichern, ist ein breit diversifiziertes Portfolio von Sachwerten wie Aktien, Immobilien, Kunst, Grund und Boden, Gold oder aber auch über ein breit gestreutes Investment in inflationsgeschützte Anleihen. Dafür bietet sich am besten der Kauf von Exchange Traded Funds (ETFs) auf inflationsgeschützte Anleihen an.

Exchange Traded Funds auf inflationsgeschützte Anleihen aus der Eurozone

Bedeutendster Inflations-ETF für die Eurozone ist der iShares Barclays Euro Inflation Linked Bond (WKN: A0HG2S). Der Indexfonds bietet Zugang zu inflationsgeschützten Staatsanleihen aus der Eurozone. Er enthält ausschließlich Rentenpapiere mit einer Mindestrestlaufzeit von einem Jahr und ein Minimum an ausstehendem Volumen von 500 Mio. Euro. Aktuell umfasst der Indexfonds 18 Inflationsanleihen aus Frankreich (75 %) und Deutschland (25 %). Die Durchschnittsrendite beträgt aktuell 1,49 % p.a. Die durchschnittliche Restlaufzeit der im ETF enthaltenen Anleihen liegt bei knapp über 8 Jahren.

Als Alternative empfiehlt sich der Lyxor ETF EuroMTS Inflation Linked Investment Grade (WKN: A0F7AM). Er beinhaltet inflationsgebundene Staatsanleihen der Mitgliedstaaten der Eurozone, die ein Volumen von mehr als zwei Mrd. Euro und eine Laufzeit von mindestens einem Jahr aufweisen. Mit 27 Inflationsanleihen ist der Indexfonds etwas breiter diversifiziert; er umfasst zu 52 % Anleihen aus Frankreich, aus Italien stammen 31 % und aus Deutschland 17 %. Die Durchschnittsrendite beträgt 1,19 % p.a. Die durchschnittliche Restlaufzeit der im ETF enthaltenen Anleihen liegt bei 7,5 Jahren.

Exchange Traded Funds auf inflationsgeschützte US-Staatsanleihen

Anleger, die ihr Depot aufgrund der lockeren Geldpolitik der US-Notenbank vor Inflationsrisiken in den USA schützen möchten, tun dies am besten mittels des iShares Barclays USD TIPS ETF (WKN: A0LGQF). Der Indexfonds bietet Zugang zu den US Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS). Er enthält ausschließlich Rentenpapiere in US-Dollar, die eine Mindestrestlaufzeit von einem Jahr sowie ein ausstehendes Volumen von mindestens 500 Mio. US-Dollar aufweisen. Aktuell sind im Indexfonds 34 Inflationsanleihen vertreten. Die Durchschnittsrendite beträgt 1,19 % p.a. Die durchschnittliche Restlaufzeit liegt bei 9 Jahren.

Exchange Traded Funds auf inflationsgeschützte Anleihen aus den Emerging-Markets

Hier können Anleger in den SPDR Barclays Emerging Markets Inflation Linked Local Bond (WKN: A1JLNG) investieren. Der dem Produkt zugrunde liegende Barclays Emerging Markets Inflation Linked 20 % Capped Index, der diesem ETF zugrunde liegt, ist ein breiter Maßstab für die Performance investierbarer, auf Lokalwährungen lautender inflationsindexierter Anleihen, die von verschiedenen Schwellenländern emittiert werden. Der Index begrenzt das Länderengagement auf maximal 20 % je Land und verteilt den überschüssigen Marktwert anteilig auf den gesamten Index. Der Index umfasst derzeit 80 Anleihen. Die Durchschnittsrendite liegt bei 2,9 % p.a. Stark vertreten sind aktuell Brasilien, Mexiko, Israel und die Türkei.

Investitionen in Anleihen außerhalb des Euroraums bergen immer ein Währungsrisiko. So litten in den letzten Monaten besonders die Käufer von Emerging-Market-Anleihen unter dem Kursverfall zahlreicher Währungen aus den Schwellenländern. Um das Risiko eines Engagements kalkulieren zu können, ist es deshalb wichtig, sich vor dem Kauf über die Indexzusammensetzung zu informieren. Sind zu viele Anleihen aus abwertungsgefährdeten Ländern im Index, lassen risikoscheue Anleger besser die Finger davon.

Exchange Traded Funds auf globale Inflationsanleihen

Zur Absicherung weltweit breit diversifizierter Portfolios bietet sich der db x-trackers iboxx Global Inflation linked UCITS ETF (WKN: DBX0AL) an. Der zugrunde liegende Rentenindex iBoxx Global Inflation-Linked Total Return Index hedged gilt als Benchmark für die Wertentwicklung der wichtigsten staatlichen und quasistaatlichen inflationsgebundenen Anleihemärkte. Die aufgenommenen Anleihen müssen am Auswahltag eine Restlaufzeit von mindestens einem Jahr aufweisen. Voraussetzung für die Aufnahme in den Index ist ein ausstehendes Volumen von mindestens 2 Mrd. Euro. Das ausstehende Volumen einer Anleihe bestimmt dann auch die Indexgewichtung.

Der Index nimmt zudem eine monatliche Währungsabsicherung vor. Dazu wird der Indexstand zum Monatsanfang über Terminkontrakte mit einmonatiger Laufzeit in Euro abgesichert. Wertänderungen zwischen den Sicherungszeitpunkten werden hierbei nicht berücksichtigt. Aktuell besteht der Index aus 112 Inflationsanleihen aus neun Staaten. Überdurchschnittlich vertreten sind derzeit die Regionen USA (42,7 %), Großbritannien (28,7 %) und Frankreich (12,55). Die Nachbildung des Index erfolgt synthetisch via Swaps. Die durchschnittliche Rendite beträgt 0,53 % p.a.

Auf eine optimierte Indexabbildung setzt dagegen der iShares Barclays Global Inflation Linked Bond (WKN: A0RFED). Dieser bietet Zugang zu inflationsgeschützten Staatsanleihen aus den entwickelten Volkswirtschaften der Welt, die in der jeweiligen Heimatwährung der im Index enthaltenen Staaten emittiert wurden. Der Index enthält ausschließlich inflationsgeschützte Staatsanleihen, die eine Restlaufzeit von mindestens einem Jahr aufweisen. Aktuell umfasst der Index 98 Inflationsanleihen. Auch hier sind die Anleihen aus den USA, Großbritannien und Frankreich stark übergewichtet. Die Durchschnittsrendite beträgt 2,24 % p.a. Die Restlaufzeit der im Index enthaltenen Anleihen liegt bei rund 11 Jahren.

Quelle: "Der GeldBerater", März 2014

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