Die Tricks der Fondsindustrie: Hohe Gebühren für aktives Fondsmanagement kassieren trotz passiver Anlage in einen Index

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Das Fondsgeschäft birgt ein kleines schmutziges Geheimnis: Viele angeblich aktiv gemanagte Investmentfonds sind in Wirklichkeit nichts anderes als verdeckte, passiv agierende Indexfonds. Statt sich den Kopf zu zerbrechen, wie der Markt zu schlagen ist, investieren einige Fondsmanager so, dass sie nicht schlechter, aber auch nicht besser abschneiden als der jeweilige Referenzindex (Benchmark). Damit wirft der Fondsmanager allen Ehrgeiz über Bord, den jeweiligen Referenzindex zu schlagen. Gleichzeitig erspart er sich aber auch die Schmach, bei der Wertentwicklung dem Markt hinterherzuhinken.

Als Anleger bezahlen Sie diesen Etikettenschwindel mit viel zu hohen Gebühren

Der Etikettenschwindel der Trickser-Fonds kommt Ihnen teuer zu stehen. Ein indexnaher Fonds hat zwar keine Chance auf eine Überrendite (Outperformance) gegenüber dem zugrunde liegenden Index. Dafür sind hier die jährlich anfallenden Kosten für das Management sehr gering. Börsengehandelte Indexfonds (sog. Exchange Traded Funds) auf große Aktienindizes, wie z.B. den deutschen DAX oder den EuroStoxx50, weisen eine jährliche Kostenbelastung zwischen 0,15 % und 0,35 % pro Jahr auf. Aktiv gemanagte Aktienfonds kosten dagegen im Schnitt 1,6 % pro Jahr.

Diese Mehrkosten (im Schnitt mehr als 100 Basispunkte pro Jahr bei Aktienprodukten) lohnen sich allerdings nur für wirklich aktiv gemanagte Fonds, die sich von ihrer Benchmark lösen. Besonders in schwankungsarmen Börsenzeiten – in denen die großen Börsenindizes seitwärts tendieren – ist aktive Aktienauswahl (Stock Picking) gefragt. Aber auch in schwachen Börsenjahren können aktive und erfolgreiche Fondsmanager mit dem richtigen Markttiming zumindest die Verluste ihrer Anleger begrenzen. Dafür müssen sie sich aber auch von ihrer Benchmark lösen.

Daran erkennen Sie, ob ihr Aktienfonds ein verkappter Indexfonds ist

Um herauszufinden, ob ein Fonds eher indexnah oder aktiv verwaltet wird, genügt die Kenntnis zweier Kennzahlen:

  • Die Kennzahl R-Quadrat zeigt an, wie nahe die Fondsperformance beim Index liegt. Die Ergebnisse schwanken zwischen null und eins. Werte in der Nähe von null zeigen eine geringe oder gar keine Übereinstimmung (Korrelation) mit dem zugrunde liegenden Index. Demgegenüber zeigen Zahlen in der Nähe von eins eine starke Parallele zwischen beiden Performancewerten. Ein reiner Indexfonds weist ein R-Quadrat von eins, also 100 % auf. Wirklich aktives Management beginnt laut Experten erst unter 0,9. Je tiefer, desto weiter traut sich der Manager von seiner Benchmark weg.

  • Eine bekanntere Kennzahl ist der Tracking Error (TE). Dieser misst ebenfalls die Differenz zwischen einem Fondsportfolio und seiner zugrunde liegenden Benchmark. Je höher der Tracking Error, desto mehr traut sich der Fondsmanager außerhalb der für seinen Fonds geltenden Benchmark zu investieren. Je niedriger der TE, umso ähnlicher verläuft die Wertentwicklung des Fonds zu seinem Benchmark. Während bei Indexfonds der Tracking Error generell unter 1 % liegt, sollten wirklich aktive Aktienfonds-Manager – je nach Fondskategorie – schon einen Wert von wenigstens 5 % aufweisen.

Wenn Sie sich zum Kauf aktiv gemanagter Fonds entscheiden, sollten Sie darauf achten, welche Leistung Sie für Ihr Geld erhalten. Hohe jährliche Managementgebühren zu zahlen lohnt sich nur für Fonds, die auch wirklich aktiv gemanagt werden. Rein statistisch ist ein niedriger Tracking Error bzw. ein hohes R-Quadrat ein deutliches Indiz für Indexnähe. Die beiden Kennzahlen erhalten Sie auf Nachfrage bei Ihrem Bankberater oder direkt bei der Fondsgesellschaft.

Hellhörig werden sollten Sie auch dann, wenn in den Verkaufsunterlagen von einem disziplinierten Anlageprozess oder einer marktneutralen Ausrichtung die Rede ist. Dann können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Fondsmanager eine indexnahe Ausrichtung seines Fonds anstrebt.

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