Cominvest-Fonds: Von der Bankenfusion zwischen Commerzbank und Dresdner Bank sind auch Fondssparer betroffen

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Wer früher Cominvest-Fondssparer war, ist jetzt Kunde der Allianz Global Investors.

Die Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank mischt nicht nur die Bankenlandschaft gehörig auf. Auch Fondssparer sind von der Bankenfusion betroffen. Denn während die Dresdner Bank insgesamt zur Commerzbank kommt, übernimmt die Allianz als Mutter der Dresdner Bank im Gegenzug von der Commerzbank deren Fondstochter Cominvest. Diese geht in der eigenen Fondssparte Allianz Global Investors (AGI) auf.

Die Allianz-Fondstochter wird so zum Jahreswechsel einen großen Konkurrenten los und steigert ihr in Deutschland verwaltetes Vermögen von 268 Mrd. Euro auf einen Schlag um über 20%. Es ist nicht der erste Coup der Allianz im deutschen Fondsmarkt. Vor sieben Jahren schluckte der Versicherungsriese im Zuge des Dresdner Bank-Kaufs auch den Deutschen Investment Trust (Dit). Die Folgen der Übernahme waren für die Fondssparer negativ. Denn nach der Dit-Übernahme gab es Preiserhöhungen, viele Fonds wurden geschlossen oder mit anderen zusammengelegt. Dieses Schicksal droht nun auch den Cominvest-Fonds.

Die Anzahl von Fonds-Doppelbesetzungen ist groß

Insgesamt 295 Fonds bringt die Cominvest-Gruppe, zu der auch die Münchner Kapitalanlagegesellschaft gehört, mit zur Allianz. 200 davon könnten in den kommenden Jahren verschwinden. Denn in der Angebotspalette gibt es zu viele Überschneidungen zu den Allianz-Fonds. Alleine elf Fonds für deutsche Aktien, gleich 32 für europäische - in einem gemeinsamen Cominvest/AGI-Programm werden die Allianz-Verantwortlichen dies nicht lange dulden. Erschwerend kommt hinzu: Zwei Drittel der Cominvest-Fonds besitzen weniger als 50 Mio. Euro an Kundeneinlagen. Solche Mini-Fonds lohnen sich in den seltensten Fällen für Fondsgesellschaften. Etwa 260 Fonds ähnlicher Größenordnung wurden deshalb von deutschen Fondsgesellschaften in den vergangenen 12 Monaten geschlossen.

Geldtipp
Das Finanzamt wertet Fondsauflösungen wie einen Verkauf. Wurde der Fonds weniger als 12 Monate gehalten, sind Gewinne steuerpflichtig.

Fondsauflösungen müssen Ihnen 6 Monate vorher angekündigt werden. Wenn es in der Angebotspalette ähnliche Fonds gibt, muss Ihnen die Fondsgesellschaft einen kostenlosen Umstieg anbieten.

Geldtipp
Beachten Sie die bald geltende Abgeltungsteuer. Nur wer vor dem 1.1.2009 in Fonds investiert und diese dann mindestens 12 Monate hält, kann Kursgewinne weiter steuerfrei kassieren.

Wer nach dem 31.12.2008 aus seinem Fonds rausfliegt, weil dieser geschlossen wird, zahlt für Gewinne mit Neuanlagen in jedem Fall 25% Abgeltungsteuer (zzgl. Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer). Wenn Sie in einem von der Schließung bedrohten Mini-Fonds investiert sind, sollten Sie lieber noch dieses Jahr den Mini-Fonds verkaufen. Investieren Sie den Verkaufserlös noch 2008 in nicht von der Schließung bedrohte Investmentfonds Ihrer Wahl.

Die steuerliche Situation bei Fonds-Verschmelzungen

Da Fondsgesellschaften Anlegergelder behalten wollen, übertragen sie das Vermögen eines kleinen oder erfolglosen Fonds gerne auf einen anderen zur Gesellschaft gehörenden Fonds. Der Anleger bekommt automatisch neue Fondsanteile. Fondsname und ISIN wechseln. Auch der Fondsmanager ist in diesem Fall oft ein anderer.

Gerldtipp
Nach Angaben des Fondsverbandes BVI tritt der neue Fonds aufgrund der sog. Fußstapfentheorie in die Rechte der alten Fonds ein. Dies gilt, wenn der aufnehmende Fonds eine ähnliche Anlagestrategie hat wie der Altfonds. Anleger, die vor 2009 in einen der alten Fonds investiert haben, behalten damit den steuerlichen Vorteil. Das heißt, sie müssen die Kursgewinne auch nach Einführung der Abgeltungsteuer 2009 nicht versteuern, sofern sie den Fonds länger als ein Jahr gehalten haben.

Doch Vorsicht: Was beim Finanzamt noch als ähnliche Anlagestrategie durchgeht, kann aus Anlegersicht ein ganz anderes Produkt sein. AGI etwa verschmolz gerade vier ehemalige Altersvorsorge-Fonds des vor sieben Jahren geschluckten Dit. Aus den Dit AS-Fonds wurden Allianz-dit Flexi Fonds, die anders anlegen: Während die ursprünglichen AS-Fonds weltweit in Aktien und Anleihen sowie in Immobilienfonds investieren, ist die Flexi-Palette auf europäische Aktien und Euroland-Anleihen beschränkt. Besonders ärgerlich für Anleger, wenn die Verwaltungskosten der neuen Fonds dann auch noch über denen ihrer alten liegen.

Bei richtig großen Cominvest-Fonds wird sich für Anleger wohl offiziell nichts ändern. An bekannten und bewährten Fonds wie dem Fondak, Adirenta, Adifonds wird AGI festhalten. Das Einzige, was sich hier ändern könnte, wäre, dass hier demnächst neue Manager das Sagen haben. Gelassen bleiben können auch Anleger der offenen Immobilienfonds von Commerz Real. Die Immobilien-Gesellschaft bleibt bei der Commerzbank.

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