Aktienfonds: Für und Wider

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Aktienfonds  feiern derzeit ein Comeback. Nach einer aktuellen Auswertung des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) summiert sich der Netto-Mittelzufluss  in diese Investmentklasse von Anfang Januar bis Ende Dezember vergangenen Jahres auf insgesamt 87,1 Mrd. Euro.

Der Boom der Aktienfonds beruht auf zwei Überlegungen: Auf der einen Seite rentieren Zinsprodukte historisch niedrig, auf der anderen Seite haussieren die Aktienmärkte weltweit. Seit dem 9.3.2009 legte z.B. der DAX von 3589 Punkten auf 7351 Punkte (am 9.2.2011) um 3762 Punkte zu. Das macht ein Plus von fast 105 Prozent in weniger als zwei Jahren. Einige Analysten sehen den DAX bereits wieder auf über 8000 Punkte steigen.

In der allgemeinen Euphorie ist jedoch ein kühler Kopf gefragt. Der Fonds sollte sorgfältig ausgesucht und die Vor- und Nachteile der Anlageklasse eingehend analysiert werden.

Pro Aktienfonds

Risikostreuung: Ein wichtiger Vorteil von Aktienfonds ist die Risikostreuung. Anleger können mit relativ kleinen Summen einen Anteil an dutzenden, bei großen Fonds sogar hunderten Aktien erwerben. Wenn der Kurs einer einzelnen Aktie einbricht, hat das nur wenig Auswirkung auf die Wertentwicklung des Fonds. Die Masse erfolgreicher Aktien federt die Verluste ab. Je nach Anlegestrategie können Fondsmanager die Titel innerhalb einer Branche, einer Region oder nach anderen Kriterien zusammenstellen. Fonds, die weltweit anlegen, bergen ein tendenziell geringeres Risiko als länderspezifische Fonds.

Professionalität: Gut gemanagte Fonds beschäftigen zahlreiche Spezialisten. Fondsmanager und Analysten beobachten bestimmte Werte oder Regionen. Große Gesellschaften kommen auf beachtliche Teamgrößen. Der international agierende Fidelity Fonds beschäftigt fast 750 Fondsmanager und Analysten, 483 in Nord- und Südamerika, 150 in Europa und 115 in Asien. Die Deutsche Bank-Tochter DWS kommt weltweit immerhin noch auf 80 Marktstrategen. Wichtiger als die Anzahl der Mitarbeiter ist aber deren Kennerschaft. Kleinere Gesellschaften können durchaus bessere Ergebnisse erzielen als große.

Nur Spitzenfonds schlagen den Vergleichs-Index: Die wenigsten Fonds schneiden dauerhaft besser als ihre Vergleich-Indizes ab. In den vergangenen 12 Monaten lagen 576 Fonds im Durchschnitt zwei Prozent schlechter als der Index. Deshalb sind Privatanleger bei der Auswahl der besten Fonds auf Vergleichsauswertungen angewiesen, wobei die Wertentwicklung der Vergangenheit nicht unbedingt maßgeblich für die Zukunft sein muss. Je mehr Geld in einen bestimmten Fonds fließt, desto schwieriger wird es für ihn, lukrative Anlagen zu finden, ohne die Risikostruktur zu verschlechtern.
Eine Sonderstellung nehmen sog. Fondsboutiquen bzw. Fonds von spezialisierten Vermögensverwaltern ein. Diese haben in den vergangenen Jahren mit überdurchschnittlichen Ergebnissen aufgrund besonderer Anlagestrategien (z.B. Anlage aufgrund mathematischer Modelle, Verfolgung bestimmter Investment-Stile wie Wachstum, engl. Growth, oder Über-/Unterbewertung, engl. Value) etablierten Fonds von Banken und Versicherern erfolgreich Konkurrenz gemacht. Zu erkennen sind diese Fonds oft schon durch ihre Namensgebung, die den Verwalter namentlich zu erkennen gibt (z.B. Lingohr, Flühr, Huber, Dr. Ehrhardt).

Tipp
Fonds sind nicht von einer möglichen Pleite der Hausbank betroffen. Sie sind Sondervermögen, das rechtlich getrennt ist vom übrigen Vermögen der Bank. Dieses Kapital fließt nicht in die Insolvenzmasse ein. Fonds von Lehmann Brothers z.B. sind nicht wertlos, obwohl die Investmentbank zusammenbrach.

Fonds gibt es auch als Sparpläne: Anleger müssen bei Fonds keine große Summen ansparen, um ein Investment am Aktienmarkt tätigen zu können. Für beinahe jeden größeren Fonds lässt sich auch ein Sparplan abschließen. Die Höhe der monatlichen Überweisung kann der Anleger selbst festlegen und während der Laufzeit verändern. Der Mindestbeitrag pro Monat liegt bei den meisten Anbietern zwischen 30 und 50 Euro.

Der Ausstieg ist jederzeit möglich: Ein weiterer Vorteil von Fonds ist der einfache Verkauf. Wenn der Kunde das Geld benötigt oder eine schwierige Marktlage bevorsteht, kann ein Sparer seinen Fonds verkaufen oder den Sparplan kündigen. Auch bei einer Kündigung kurz nach Abschluss halten sich die Verluste in Grenzen, da nur der Ausgabeaufschlag, zwischen 0 und 5 Prozent des eingezahlten Betrags, verloren geht. Das ist ein großes Plus, etwa im Vergleich zu fondsgebundenen Lebensversicherungen. Wer eine solche Police abschließt, kann sie lediglich beitragsfrei stellen oder zum Rückkaufswert kündigen. Beide Varianten können sehr verlustreich sein, vor allem in den ersten Monaten und Jahren nach Abschluss. Häufig wird zuerst die Gebühr für die Vermittlung von den Beiträgen abgezogen. Wer kurz nach Abschluss kündigt, hat dann bis zu 50 Prozent umsonst bezahlt. Auch bei Banksparplänen müssen Kunden bei Kündigung vor Ende der Laufzeit häufig Abschläge bei der Zinsgutschrift hinnehmen.

Kontra Aktienfonds

Viele Fonds schlagen den Vergleichs-Index nicht: Pauschal ist ein Investment in Fonds nicht empfehlenswert, wenn man diese Anlage mit einem Investment direkt in einen Index vergleicht. Nur fünf von 576 Fonds schlugen z.B. in den vergangenen 12 Monaten ihre Vergleichindizes. Besonders riskant sind Investments in spezielle Märkte, z.B. Öko-Investments wie Wasser- und Holzfonds. Dabei besteht die Gefahr, dass diese Produkte erst dann angeboten werden, wenn der Trend an den Börsen längst gelaufen ist. Je spezieller die Vorgaben, desto höher das Risiko.

Tipp
Mit Exchange Traded Funds (ETFs), also börsengehandelten Indexfonds, können Sie Managementgebühren sparen. Diese passiven Produkte benötigen kein aktives Fondsmanagement. Dadurch sind Erwerbskosten und laufende Gebühren niedriger.


Fonds-Investments sind nur bedingt zur Altersvorsorge geeignet: Aktienfonds bieten im mehrjährigen Schnitt jährliche Renditen zwischen 6 Prozent und 8 Prozent. Doch diese Rendite ist mit einem Risiko verbunden. Im Unterschied etwa zu Banksparplänen oder Bundesschatzbriefen sind bei Aktienfonds auch Verluste möglich. Daher eignen sich Aktienfonds nur bedingt für die Altersvorsorge. Wer z.B. in einer starken Börsenphase in Aktienfonds investiert hat und in einem fallenden Aktienmarkt verkauft, dem kann es passieren, dass er nicht nur keinen Gewinn erzielt, sondern sogar Teile des eingesetzten Kapitals verliert. Dieses Risiko nimmt aber mit der Dauer der Anlage ab. Außerdem kann diesem Risiko mit speziell strukturierten Altersvorsorgefonds entgegengewirkt werden, die das Anlagevermögen in Anleihen umschichten können.

Hohe Kosten: Fondsgesellschaften und Banken erheben zahlreiche Gebühren und Aufschläge. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) veröffentlichte jüngst die Gesamtkostenquote für Fonds. Bei Aktienfonds Deutschland liegt sie laut BVI im Schnitt bei 1,38 Prozent, bei weltweit investierenden Fonds bei 1,64 Prozent. Diese Sätze sollen die Kosten für Management, Transaktionen, Jahresbericht und Anlegerinformationen decken.
Fondsinhaber müssen zusätzlich für Transaktionen bei Umschichtung ihrer Fondstitel zahlen. Der Satz liegt bei rund 0,5 Prozent des Anteilswerts. Einige Fonds berechnen zusätzlich eine erfolgsabhängige Vergütung, die je nach Marktlage 1,5 Prozent bis 2 Prozent betragen kann. Auf diese Kosten haben Anleger nur begrenzt Einfluss. Bei allzu dreisten Forderungen sollten Sie den Fonds eher meiden. Beim Kauf von Fondsanteilen wird zudem ein einmaliger Ausgabeaufschlag fällig. Dieser Posten schlägt vor allem bei kurzfristigen Investments zu Buche. Bei dieser Gebühr besteht für Anleger aber Spielraum. Kunden mit großen Depots können ihre Hausbank runterhandeln.

Tipp
Eine Alternative zum Kauf bei der Hausbank stellt der Kauf bei Fonds-Discountern oder Direktbanken dar. Doch Vorsicht: Bei Fonds ohne Ausgabeaufschlag liegen häufig die Verwaltungskosten höher als üblich. Sparpotenzial besteht auch bei der Wahl der Bank, die das Fondsdepot verwaltet. Die Bankgebühren für die Aufbewahrung der Papiere schwanken zwischen den Instituten stark. Zahlreiche Direktbanken und Online-Broker locken mit besonders niedrigen Sätzen.

 

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