Geldmarkt in der Klemme

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Der Geldmarkt galt bislang als besonders stabil. Vor allem vorsichtig operierende Anleger verzichteten lieber auf höhere Renditen anderer Fondsklassen und investierten in scheinbar sichere Geldmarktfonds. Doch weit gefehlt: Ausgerechnet der Geldmarkt zeigt sich plötzlich als überaus instabil. Faule Immobiliendarlehen in den USA führten in der vergangenen Woche zu Turbulenzen an den Finanzmärkten wie seit den Terroranschlägen am 11.9.2001 nicht mehr.

Union Investment, HSBC Trinkaus, Frankfurt Trust und WestLB Mellon schlossen Geldmarktfonds mit dem Investitionsschwerpunkt Asset Backed Securities (ABS) im Gesamtwert von rund 1,6 Milliarden Euro. Begründung: Verwerfungen bei US-Hypothekendarlehen niedriger Bonität (Subprime), die auch die Nachfrage nach ABS-Papieren abrupt stoppte. Bei diesen ABS-Papieren handelt es sich vor allem um hypothekengedeckte Werte, wie etwa Residential Mortgage Backed Securities.

Von dieser Subprime- und ABS-Krise sind vor allem Fonds betroffen, die in wenig fungible, sprich schwer verkäufliche Vermögenswerte investieren. Bei ihnen kommt es momentan zu einer Massenflucht. Die Mittelabflüsse zehren die Kassenbestände der Fonds auf, sodass die Fondsmanager ihre Substanz verkaufen müssen. Das geht entweder gar nicht so schnell, weil es sich meist um Immobilien handelt, oder ist mit Verlusten verbunden, wie bei den nur außerbörslich gehandelten ABS-Papieren. Daher befürchten Besitzer von Geldmarktfonds finanzielle Einbußen. Kein Wunder, dass selbst solide Geldmarktfonds derzeit einen Exodus erleiden.

Unser Tipp
Prüfen Sie, ob Sie in einen Geldmarktfonds investiert sind und ob ABS-Papiere zu dessen Portfolio gehören. Ist das der Fall, besteht die Gefahr, dass der Fonds geschlossen wird und Sie an Ihr Geld nicht mehr so schnell herankommen. Verkaufen Sie vorsorglich diesen Titel. Empfehlenswert ist ein Umschwenken auf deutsche Pfandbriefe. Auch deutsche Bundesanleihen zeigen sich derzeit stabil.

Die aktuelle US-Hypothekenkrise gibt freilich zu denken. Sie hängt nach wie vor als dunkle Wolke über allen Märkten weltweit – nicht nur über den Geldmärkten. Wie kommt das? Nun, hier gilt noch immer Tucholskys Bonmot: „Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.“ Und zwar folgendermaßen: Im Zuge der immer riskanteren Finanzierung amerikanischer Immobilienkredite, die zeitweise zu einem permanenten Ansteigen der Zinssätze und schließlich zum Austrocknen der Geldströme geführt hat, war es an den Geldmärkten zu Engpässen gekommen. Viele Banken horteten auf einmal ihr Geld, um für eine eventuelle Verschärfung der Krise gewappnet zu sein. Darauf reagierten die nationalen Zentralbanken. Neben der EZB, die in mehreren Tranchen mehr als 200 Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität zur Verfügung stellte, hatte auch die US-Notenbank auf die international wachsenden Liquiditätsprobleme reagiert und über verschiedene Transaktionen insgesamt 24 Milliarden Dollar auf den Markt geworfen. Die japanische und die australische Notenbank schossen ebenfalls Gelder in den Markt.

Folgen: Erstens gab der Euro deutlich nach, denn auch die Währungskurse werden vom Geldmarkt beeinflusst. Und zweitens brachen durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten die internationalen Aktienmärkte ein. Nach einer langen Periode anhaltender Kursgewinne ging zunächst die Wall Street in die Knie. In der Folge sackten die Aktienmärkte rund um den Globus ebenfalls ab. Alle Leitindizes weltweit gerieten ins Trudeln – teilweise nach erst kurz zuvor erreichten Allzeithochs. Grund: massiver Vertrauensverlust der Anleger.

An dieser Krise des Geldmarkts zeigt sich: Es ist langfristig für alle Beteiligten besser, nicht auf Kredit zu konsumieren und die Gier nach Geld in Grenzen zu halten.

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