Finanzkrise hält an - was ist jetzt mit meinem Geld?

Finanzkrise hält an - was ist jetzt mit meinem Geld?

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Alleingelassen von ihrer Bank fühlen sich viele Sparer und Anleger. Die Finanzkrise hält an. Die umfangreichen staatlichen Rettungsmaßnahmen zeigen noch keine Wirkung. In der Bankfiliale ist die Krise aber scheinbar nicht angekommen. Auf die Fragen: "Was ist mit meinem Geld? Ist es sicher? Was soll ich jetzt tun?" erhält der Kunde dort keine Antwort. Die Geldtipps-Redaktion hilft und antwortet auf die wichtigen Fragen.

Gehört das Geld jetzt wieder unter die Matratze?

Auf keinen Fall. Lassen Sie das Geld auf der Bank. Vorausgesetzt, das Institut gehört der gesetzlichen Einlagensicherung und zusätzlich dem "Feuerwehrfond" der deutschen Banken bzw. dem Verbund von Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken an. Im internationalen Vergleich ist die deutsche Einlagensicherung Spitze. Den absoluten Ernstfall kann natürlich niemand ausschließen. Bevor ein Institut zusammenbricht, ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass andere Institute zu Hilfe eilen oder der Staat einspringt - siehe IKB.

Flexibilität ist Trumpf

Was in den nächsten Monaten geschieht, steht in den Sternen. Bleiben Sie deshalb finanziell beweglich. Eine ideale Anlage sind jetzt Tagesgeld- und Festgeldkonten. Die Institute brauchen dringend Einlagen und überbieten sich mit attraktiven Zinskonditionen. Beim Tagesgeld können Sie täglich verfügen.

Lang laufende Anleihen bringen kaum mehr an Rendite, verursachen aber zusätzliche Kosten und Risiken. Auch länger laufende Sparbriefe sind nicht erste Wahl: Möglicherweise nimmt die Inflation weiter zu - dann steigen auch die Anlagezinsen. Größere Beträge sollten Sie zur Sicherheit auf mehrere Institute verteilen. Achten Sie auch hier unbedingt auf die Einlagensicherung.

Tagesanleihe top, Geldmarktfonds Flop

Als Alternative zum Tagesgeld sollten Sie die Tagesanleihe des Bundes beachten. Hier gehen Sie kein Risiko ein: Der Bund ist der beste Schuldner, den es gibt. Spitzenzinsen zahlt Peer Steinbrück aber leider nicht. Von den übrigen Bundeswertpapieren sind vor allem Bundesschatzbriefe empfehlenswert: Man muss sie zwar ein Jahr halten, kann sie aber bei gestiegenen Kapitalmarktzinsen gegen besser verzinsliche Ausgaben umtauschen.

Tagesanleihe und Bundesanleihen bzw. Bundesobligationen mit kurzer Restlaufzeit sind für große Anlagebeträge interessant, da die attraktiven Tagesgeldangebote nicht selten zum Beispiel bei 50.000 Euro eine Grenze ziehen. Höhere Beträge werden dann nur noch mickrig verzinst. Geldmarktfonds sind weniger ratsam. Wegen ihrer Kostenbelastung können sie oft mit guten Tagesgeldangeboten nicht mithalten. Außerdem besteht immer ein gewisses Risiko, dass im Fondsvermögen gehaltene Papiere sich als nicht werthaltig erweisen.

Was tun mit Aktien?

Hier kommt es auf Ihren individuellen Anlagehorizont und Ihre Risikofreudigkeit an. Aktien mit ordentlicher Dividendenrendite auf dem gedrückten Kursniveau zu verkaufen, macht jedenfalls für Langfristanleger keinen Sinn. Immerhin übertreffen manche konservativen Standardaktien mit ihrer Dividendenrendite diejenige von Anleihen. Und während Anleihen nur bedrucktes Papier sind, verbirgt sich hinter Aktien echte Substanz. Andererseits: Sollten wir wirklich in eine tiefe Rezession schlittern, sind weitere Kursrückgänge nicht ausgeschlossen. Die Aktienquote sollten Sie deshalb sehr vorsichtig dimensionieren.

Und vergessen Sie die Steuer nicht. Wenn Sie trotz hoher Verluste an einer Position festhalten möchten und die Haltedauer von einem Jahr noch nicht überschritten haben, kommt auch in Betracht, den Verlust durch Verkauf der Aktien zu realisieren. Den Verlust können Sie dann auf zukünftige Jahre vortragen und mit hoffentlich später anfallenden Gewinnen verrechnen. Gegebenenfalls kaufen Sie die Position kurzfristig zurück. Für die geänderte Markteinschätzung heben Sie sich Zeitungsausschnitte oder Internetausdrucke auf, um auf Nachfrage dem Finanzamt entsprechende Nachweise liefern zu können.

Soll ich lieber Fonds kaufen?

Nicht unbedingt. Viele Fondsmanager haben sich in den vergangenen Monaten nicht mit Ruhm bekleckert. Und auch mit der Rendite von den häufig empfohlenen "international breit anlegenden" Fonds ist es nicht weit her. Die Überlegung, dass Mischfonds eigentlich eine ideale Anlage sind, weil der Fondsverwalter sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren und dementsprechend auf unterschiedliche Börsenphasen unterschiedlich reagieren kann, hat in der Praxis bei den meisten Mischfonds nicht funktioniert. Geht man davon aus, dass der amerikanische Aktienmarkt immer noch zu hoch bewertet ist und dass eine Fortsetzung der Korrektur dort an den übrigen Börsen nicht ohne Spuren bleibt, ist ein Fondskauf derzeit eher noch verfrüht.

Was ist mit Zertifikaten?

Zertifikate sind aufgrund ihrer vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten eine Bereicherung für jedes Depot. Kaufen Sie jedoch nur Konstruktionen, die Sie auch verstehen. Unbedingt zu achten ist auf das Emittentenrisiko: Bevorzugen Sie deutsche Großbanken und mindern Sie das Risiko dadurch, dass Sie die Angebote unterschiedlicher Emittenten wählen. Wer den Risikopuffer bei Bonus- und Discount-Zertifikaten groß genug wählt (Größenordnung: etwa 50% Abstand vom aktuellen Börsenniveau), übersteht auch Kursstürze. In Krisenzeiten beliebt, aber gerade dann ungeeignet sind Garantie-Zertifikate: Die Kurse sind im Keller, die Absicherung ist teuer, die Renditeaussicht auf mehrere Jahre ist erfahrungsgemäß gering.

Soll ich Gold kaufen?

Weltweit müssen riesige neue Schulden gemacht werden, um das Weltfinanzsystem am Laufen zu halten. Gleichzeitig sind die Zinsen in den meisten Ländern niedriger als die Inflationsrate, das heißt, der sogenannte Realzins ist negativ. Beides begünstigt die Goldanlage. Da weltweit die Goldnachfrage wächst, das Angebot der Minen aber sinkt, erwarten die Fachleute auf Sicht von einigen Jahren deutlich höhere Goldpreise von weit über 1.000 US-Dollar je Unze. Auch die Notenbanken setzen übrigens wieder auf Gold und haben ihre Verkäufe reduziert. Als Beimischung sollte Gold in keinem Depot fehlen. Wer für die absolute Krise vorsorgen möchte, kauft physisches Metall, also gängige Goldmünzen oder Barren.

Muss ich Angst um meine Altersvorsorge haben?

Nein. Hinter Pensionen und auch Renten steht der Staat mit seinen Institutionen. Die meisten Lebensversicherer legen bei den klassischen Produkten den größten Teil (rund 75%) in verzinslichen Titeln an, den Rest in Immobilien und Aktien. Nur wenige Unternehmen investieren verstärkt in Aktien. Solange es keine großen Ausfälle bei den Zinsanlagen gibt, sind die garantierten Gewinnversprechen sicher; die Überschussbeteiligungen dürften durch die Aktienergebnisse aber etwas beeinträchtigt werden.

Anders sieht es bei den fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen aus. Hier werden mit dem Sparkapital meist Aktienfonds gekauft, die bei Kursrückgängen an der Börse entsprechend im Wert verlieren Wer solche Policen abschließt, sollte aber wissen, dass bei Fälligkeit kein fester Betrag ausgezahlt wird, es sei denn, es wurde einer garantiert.

Lohnt es sich noch, zu riestern?

Selbstverständlich. Wobei im Einzelnen zu unterscheiden ist: Die Riester-Bank-Sparpläne sind von der jetzigen Krise überhaupt nicht betroffen, solange das Institut solvent ist. Dafür steht die Einlagensicherung. Die Riester-Fonds-Sparpläne haben den großen Vorteil des garantierten Kapitalerhalts. Auch wenn die Kurse in den Keller stürzen, erhält der Sparer mindestens sein eingezahltes Kapital plus Zulagen. Bei der "normalen" Riester-Renten-Versicherung, die überwiegend in Anleihen anlegt, gilt das Gleiche wie bei privaten Rentenversicherungen. Bei fondsgebundenen Riester-Renten sind wie bei Investment-Sparplänen die Gewinne verloren, das eingezahlte Kapital plus Zulagen bleibt jedoch erhalten. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die aktienbezogenen Riester-Varianten auch wieder einmal bessere Zeiten sehen und von dann steigenden Kursen profitieren - viele Verträge laufen ja über mehrere Jahrzehnte

Geldtipp
Was wir erleben, ist eine Zwangsliquidierung von Kapital: Viele Finanzinstitute müssen aus Mangel an Liquidität ihre Aktienbestände verkaufen. Kleinanleger sollten diesem Beispiel nur im äußersten Notfall folgen und warten, bis der Finanzmarkt wieder flüssig funktioniert. Das kann freilich noch viele Monate dauern, selbst wenn die Regierungen der Welt derzeit unter Alarmbereitschaft stehen, als wäre der Dritte Weltkrieg ausgebrochen, und großzügige Hilfsprogramme für Banken auflegen. Gegen die drohende Weltwirtschaftskrise sind sogar diese machtlos.

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