Offene Immobilienfonds: Das Leiden der Anleger geht weiter

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Die schlechten Nachrichten über offene Immobilienfonds reißen leider nicht ab. Der Fondsanbieter Aberdeen muss seinen offenen Immobilienfonds Degi International zwangsweise auflösen. Der Fonds mit einem Vermögen von rund 1,5 Mrd. Euro soll bis zum 15.10.2014 vollständig abgewickelt werden. Mit dem Degi International wird nun bereits der siebte eingefrorene offene Immobilienfonds endgültig dichtgemacht. Erst wenige Tage zuvor hatte die Versicherungstochter Axa Investment Management die Auflösung des 2,5 Mrd. Euro großen Axa Immoselect bekannt gegeben.

Damit erging es den beiden Fonds ähnlich wie zuvor schon anderen: In der Finanzkrise war es zu einem Ansturm von Anlegern gekommen, die Gelder aus Immobilienfonds abziehen wollten. Mehrere Fonds konnten die Mittel nicht schnell genug frei machen und mussten die Rücknahme der Anteilsscheine aussetzen. Bei einigen reichte dann die vorgegebene Frist von zwei Jahren Schließung nicht aus, die Liquiditätssituation – vor allem durch Immobilienverkäufe – entscheidend zu verbessern.

Mehrere offene Immobilienfonds werden komplett abgewickelt

So sind inzwischen etwa ein halbes Dutzend offener Immobilienfonds mit einem Volumen von insgesamt mehr als 6,5 Mrd. Euro in Liquidation. Dazu gehören z.B. der Morgan Stanley P2 Value und der TMW Immobilien Weltfonds. Weitere knapp 18 Mrd. Euro der insgesamt rund 85 Mrd. Euro Anlegergelder in dieser Assetklasse stecken nach wie vor fest, weil die fraglichen Fonds noch immer wegen Liquiditätsproblemen keine Gelder auszahlen. Für die Wiedereröffnung müssen sich die Fonds durch Immobilienverkäufe aus dem Fondsvermögen ausreichend Liquidität verschaffen, um die Anleger bei Bedarf wieder täglich auszahlen zu können.

Da die Anbieter die Fonds maximal zwei Jahre am Stück einfrieren dürfen, müssen viele von Ihnen in den kommenden Monaten entscheiden, wie es mit den noch geschlossenen Fonds weitergehen soll. Zu den betroffenen Fonds gehören unter anderem so bekannte Namen wie z.B. der Euroreal der Credit Suisse sowie der Kanam Grundinvest und der SEB Immoinvest, für die die Frist im Mai 2012 abläuft. Für den CS Euroreal wollen die Anbieter bereits zum Jahresende 2011 eine Entscheidung fällen.

Offene Immobilienfonds mit starkem Vertrieb sind im Vorteil

Ob die Fonds ihre Liquiditätsprobleme in den Griff bekommen, hängt indes nicht nur von der rechtzeitigen Kapitalbeschaffung durch den Verkauf der im Fondsportfolio befindlichen Immobilien ab. Auch die Mittelzuflüsse müssen stimmen. Dazu muss sich jedoch der betroffene Fonds auf einen starken Vertrieb verlassen können. So ist es kein Zufall, dass es sich bei den beiden größten offenen Immobilienfonds um den Deka ImmobilienEuropa handelt, der über das weitverzweigte Filialnetz der Sparkassen verkauft wird, sowie den Hausinvest aus dem Hause Commerzbank (DE0008032004), die ebenfalls über zahlreiche Niederlassungen verfügt. Beide Fonds haben die Rücknahme der Anteilsscheine nicht ausgesetzt und sammeln weiter fleißig frisches Geld ein. Vielen der derzeit geschlossenen Fonds fehlt jedoch ein starker Vertrieb im Rücken, der beständig neue Gelder für den Fonds akquirieren kann.

Offene Immobilienfonds sind aufgrund der negativen Entwicklung in den letzten Jahren kein notwendiger Baustein mehr für das eigene Portfolio. Wer trotzdem in seinem Depot auf diese Produktklasse setzen möchte, greift zu dem Grundbesitz Europa (WKN: 980700) von der DWS, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, dem Deka Immobilien Europa (WKN: 980956) oder dem Hausinvest (WKN: 980701). Diese offenen Immobilienfonds gehören zu den wenigen Vertretern dieser Branche mit akzeptablen Zukunftsperspektiven.

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