Waren- und Finanzterminkontrakte: In der Beliebtheitsskala der Betrüger ganz oben angesiedelt

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Mit dem Verweis auf hohe Gewinnchancen werden immer wieder Anleger per Telefon dazu gedrängt, ihr Geld an Terminbörsen zu investieren. Natürlich sind mit dem Kauf oder Verkauf von Kontrakten am Warenterminmarkt oder Finanzterminmarkt, die an Terminbörsen gehandelt werden, Traumrenditen möglich. Doch diese Geschäfte sind in der Praxis nur für Profis geeignet – und selbst diese verlieren dabei oft viel Geld.

Mit einem Warenterminkontrakt beispielsweise wetten Sie auf die Wertentwicklung bestimmter Verbrauchsgüter, wie z.B. Sojabohnen, Kakao, Zucker oder Öl. Mit einem Finanzterminkontrakt dagegen spekulieren Sie auf Schwankungen bei Aktienkursen, Währungen und Zinssätzen.

Mit dem Kauf oder Verkauf eines Terminkontrakts verpflichten Sie sich,

  • zu einem bestimmten Zeitpunkt

  • eine vereinbarte Menge des betreffenden Gutes

  • zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.

Unterscheidet sich der aktuelle Preis des betreffenden Gutes dann von dem vorher vereinbarten Betrag, erzielen Sie entweder einen Gewinn oder Verlust.

Allzu oft vertrauen die Angerufenen dem anonymen Anlageprofi am Telefon, der angeblich genau sagen kann, wie viel Erdöl, Sojabohnen, Gold, oder Aktien zu einem bestimmten Termin in der Zukunft wert sind. Doch das ist pure Spekulation. Denn selbst, wenn der Tippgeber den Markt für z.B. Sojabohnen einigermaßen richtig einschätzt, kann der Preis für diese Ware zum festgelegten Termin kurzfristig einbrechen. Vielleicht gab es gerade in den USA eine Sojabohnen-Rekordernte und der Preis fällt deutlich. Dann müssen Sie beim Kauf eines Sojabohnen-Kontrakts trotzdem zum vereinbarten Termin und Preis Sojabohnen kaufen und können nicht warten, bis sich der Markt wieder erholt hat. Das ist die Gefahr bei der Spekulation mit Termingeschäften. Die Zeit läuft gegen Sie und die Verlustgefahr ist immens.

Natürlich können Sie auch Glück haben. Vielleicht kommt es in wichtigen Anbauländern gerade zu einem Kälteeinbruch, der die Sojabohnenernte schädigt und der Preis für Sojabohnen steigt genau zum richtigen Fälligkeitstermin Ihres Kontrakts. Dann können Sie mit Ihrem Termingeschäft auf Sojabohnen Riesengewinne erzielen.

Von der Habgier gepackt überweisen die Opfer oft Ihr gesamtes Anlagekapital. In vielen Fällen wird das Kapital jedoch erst gar nicht an den Terminbörsen angelegt. Denn die windigen Geschäftemacher kassieren die Einlage gleich selbst. Zur Beruhigung erhalten die Anleger fingierte Kontoauszüge zugeschickt. Bis die Geschädigten Verdacht schöpfen, ist die Anlagefirma längst geschlossen und ihre Mitarbeiter werben unter anderem Namen mit der alten Masche neue gutgläubige Kunden.

Bei Interesse an einer Spekulation am Terminmarkt sind Sie nicht auf die Hilfe dubioser Vermittlerfirmen angewiesen. Denn diese Geschäfte können Sie auch über Ihre Hausbank oder seriöse Direktbroker im Internet abwickeln.

Manche Anlagebetrüger gehen inzwischen, im Hinblick auf ein mögliches späteres Strafverfahren, besonders geschickt vor: Die zugeflossenen Anlegergelder werden anstelle der früher allgemein üblichen Luftgeschäfte, bei denen Transaktionen nur auf dem Papier stattfanden, tatsächlich investiert. Um trotzdem an das Geld ihrer Kunden zu gelangen, benutzen die Betrüger folgende vier Tricks:

  • Hohe Kontoeröffnungsgebühren: Von den Kundeneinzahlungen kassiert die Firma sog. Kontoeröffnungsgebühren oder Bearbeitungsgebühren, die zwischen 5 % und 20 % des Anlagebetrags ausmachen.

  • Hohe Provisionen: Für jeden ausgeführten Auftrag kassieren die Vermittler hohe Provisionen. So werden selbst einmal erzielte Gewinne durch die hohen Spesen wieder aufgezehrt. Die hohen Gebühren vergrößern noch zusätzlich den Anreiz für die Betrüger die Kundendepots ständig umzuschichten. Gebührenschneiderei – in der Fachsprache Churning – wird diese Methode windiger Firmen genannt, die mit dem Geld ihrer Kunden ohne Rücksicht auf Verluste gleich mehrmals täglich handeln. Deren Ziel: möglichst viele Gebühren zu kassieren.

    Ein deutlicher Hinweis auf Gebührenschneiderei ist der häufige Ein- und Ausstieg in einem Markt: Gerade gekaufte Werte werden innerhalb kürzester Zeit wieder verkauft, obwohl in der Zwischenzeit keine neuen Informationen über das Papier bekannt wurden. Deutlich auf Churning weisen auch Geschäfte hin, die lediglich für Broker und Vermittler Vorteile bringen, für den Anleger aber wirtschaftlich sinnlos sind. Ein Indiz dafür ist, wenn eine Vermittlungsfirma ein Wertpapier für einen Kunden verkauft und das gleiche Papier gleichzeitig für einen anderen Kunden mit vergleichbaren Anlagezielen kauft.

  • Hohe Rückvergütungen befreundeter Brokerhäuser: Nicht nur die Vermittlungsfirma, deren Verkäufer den Kunden anrufen, kassiert kräftig ab. Auch die Broker, die im Auftrag der Vermittlungsfirmen kaufen und verkaufen, profitieren davon. Auf jeden Fall muss die Firma ihren Kunden aufklären, wenn sie mit dem von ihr beauftragten Broker stillschweigend eine Kick-back-Vereinbarung getroffen hat. Bei dieser Vereinbarung stellt der Broker dem Kunden überhöhte Gebühren in Rechnung und zahlt einen Teil der Gebühren an die Vermittlungsfirma zurück.

    Eine solche Annahme von Vorteilen verstößt jedoch gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Vermittlungsfirmen, die Kick-back-Vereinbarungen verschweigen, verletzen ihre Aufklärungspflichten gegenüber dem Kunden.

  • Hohe Gewinnbeteiligungen: Fast immer berechnen die unseriösen Anbieter eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 10 % bis 30 % der Nettogewinne. Zwar erzählt der Verkäufer am Telefon meist etwas von einer Gewinnbeteiligung. Doch wer denkt schon daran, dass die Gewinnbeteiligung für den Vermittler auch dann anfällt, wenn das Anlegerkonto sich stetig leert, weil die Spesen höher sind als die Gewinne. In den Anlageprospekten der Vermittlerfirmen wird oft auf die Gefahr des Totalverlusts wegen hoher Spesen hingewiesen. Doch meist werden diese Risikohinweise von den Kunden nicht ernst genommen oder einfach überlesen.

    Wenn Sie mit Termingeschäften geschädigt wurden, sollten Sie sich an einen auf Anlagebetrug spezialisierten Anwalt wenden. Diese können häufig einen Teil des verlorenen Geldes zurückholen, wenn Sie nicht ordnungsgemäß über die Risiken der Anlage aufgeklärt wurden oder Gebührenschneiderei nachweisen können. Die Adresse eines auf Anlagebetrug spezialisierten Anwalts erfahren Sie über Ihre regionale Verbraucher-Zentrale oder im Internet unter www.anwalt-suchservice.de.

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