Kapitalanlage in Xetra-Gold: Auf der Suche nach Sicherheit in unruhigen Zeiten

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Blasenbildung an den Aktienmärkten, deutlich ansteigende Immobilienpreise, ein erster Absturz der Anleihekurse, die drohende Zinswende in den USA, der Konflikt in der Ukraine, ein Wiederaufflammen des Kalten Krieges mit Russland und nicht zuletzt das Dauerthema Griechenland mit den damit verbundenen Gefahren für den Fortbestand der Gemeinschaftswährung Euro: In solchen Situationen gilt die Anlage in das Edelmetall Gold seit jeher als sicherer Hafen und als Versicherung für den Fall politischer Krisen, Finanzverwerfungen an den Kapitalmärkten und Geldentwertung (Inflation).

Das gelbe Edelmetall ist beständig, nicht vermehrbar und wird weltweit als Zahlungsmittel akzeptiert. Gold ist der Inbegriff des ewig Wertvollen – schon seit Jahrtausenden.

Doch der Goldpreis dümpelt vor sich hin. Trotz weltweiter Krisen steigt die Nachfrage nicht. Deutsche Sparer kaufen sogar weniger Gold – obwohl sie laut Umfragen das Edelmetall lukrativer finden als alle anderen Geldanlagen. Wer in Euro rechnet, hat im vergangenen Jahr nicht schlecht mit dem Edelmetall abgeschnitten. Aber wer, wie es an den internationalen Märkten geschieht, den Goldpreis in Dollar verfolgt, sieht den Preis seit mehr als drei Jahren in der Tendenz fallen. Seit einiger Zeit jedoch sind Versuche einer Stabilisierung um die Marke von 1200 Dollar je Feinunze (31 Gramm) zu beobachten.

Xetra-Gold: Bequeme Alternative zum physischen Goldbesitz

Eine bequeme Alternative zum Kauf von physischem Gold ist der Erwerb von Xetra-Gold-Anteilen (WKN: A0S9GB) über die Börse. Xetra-Gold ist eine von der Deutsche Börse Commodities GmbH emittierte, auf Goldbestände lautende nennwertlose Anleihe. Bei der Anleihe handelt es sich um ein börsengehandeltes Wertpapier in Form einer Inhaberschuldverschreibung, das einen Anspruch auf die Lieferung von Gold verbrieft. Jede einzelne Xetra-Gold-Teilschuldverschreibung räumt Investoren das Recht ein, von dem Emittent die Lieferung von einem Gramm Gold zu verlangen.

Dazu unterhält der Emittent eine entsprechende Menge Gold in physischer Form und in begrenztem Umfang in Form von Buchgoldansprüchen. Der weitaus größte Teil (95 %) des Goldes wird in physischer Form in den Tresoren der Clearstream – dem deutschen Zentralverwahrer für Wertpapiere – eingelagert. Zur Vereinfachung der Goldlieferungen dürfen die restlichen 5 % der Schuldverschreibungen durch Buchgoldansprüche gedeckt sein.

Achtung: Investoren erwerben weder ein Eigentums- noch ein Sicherungsrecht an dem zur Deckung hinterlegten physischen Goldbestand. Sie erwerben nur die in der Schuldverschreibung verbrieften Ansprüche auf die Lieferung von Gold an ihre Hausbank. Es besteht also ein Verlustrisiko, und zwar dann, wenn der Emittent in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Wird der Emittent insolvent, könnte es mit der Lieferung von Gold an die Hausbank oder wahlweise von Barmitteln an den Anleger hapern.

Allerdings scheint eine solche Situation eher unwahrscheinlich. Das Unternehmen beschränkt sich darauf, die notwendigen Mengen Gold zu erwerben, zu verwahren und zu verwalten. Xetra-Gold ist die einzige Geschäftsaktivität. Auch verliehen wird das Gold nicht. Zusätzlich stehen hinter der Emittentin sieben namhafte Gesellschafter. Das sind zu gleichen Teilen die Deutsche Börse AG, die Commerzbank, die Deutsche Bank, das Bankhaus Metzler, die DZ Bank und die Schweizer Bank Vontobel. Mit einem geringeren Kapitalanteil ist darüber hinaus der Hanauer Goldverarbeiter Umicore mit im Boot, der auch die notwendigen Goldbarren liefert.

Xetra-Gold ist ähnlich wie eine Aktie handelbar und genauso leicht zu übertragen. Gehandelt wird Xetra-Gold auf der vollelektronischen Handelsplattform Xetra der Deutschen Börse AG. Die Preisfindung orientiert sich am aktuellen Goldpreis in US-Dollar und dem Wechselkurs zwischen US-Dollar und Euro. Pro Jahr werden Verwahrungskosten in Höhe von 0,3 % verrechnet.

Der Preis eines Anteils bezieht sich auf ein Gramm Gold. Die Lieferung an die Hausbank ist allerdings nur bei größeren Mengen sinnvoll. Als Lieferstelle kommt wegen der Bestimmungen des Geldwäschegesetzes nur die Filiale einer Bank infrage. Goldlieferungen an die Adresse des Investors sind nicht möglich!

Xetra-Gold weist ein Währungsrisiko auf. Denn der maßgebliche Goldhandel am Weltmarkt erfolgt in US-Dollar pro Feinunze. Nach diesem Wert richtet sich der mit dem EUR/USD-Wechselkurs umgerechnete Preis einer Xetra-Gold-Teilschuldverschreibung in Euro pro Gramm. Trotz eines steigenden Goldpreises in US-Dollar pro Feinunze könnte ein gegenüber dem Euro schwächelnder US-Dollar die Kursentwicklung von Xetra-Gold belasten.

Bei Xetra-Gold werden die jährlichen Verwaltungsgebühren von 0,3 % der jeweiligen Depotbank des privaten Anlegers in Rechnung gestellt. Die Jahresabrechnung für ein kostenpflichtiges Wertpapierdepot fällt so ein wenig höher aus als sonst. Hat der Anleger ein kostenloses Depot, schaut die Bank in die Röhre oder muss die Kosten auf andere Weise hereinholen. Die Direktbank ING-Diba bietet Xetra-Gold deshalb gar nicht mehr an.

Verkauf von Xetra-Gold steuerfrei?

Trotz des Lieferanspruchs auf Gold ist nach Auffassung der Finanzverwaltung die Veräußerung oder Einlösung der Xetra-Gold-Anleihen der Deutschen Börse Commodities kein privates Veräußerungsgeschäft über Gold nach § 23 EStG mit Steuerfreiheit des Gewinns nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist, sondern ein gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG abgeltungsteuerpflichtiger Vorgang (BMF-Schreiben vom 9.10.2012, BStBl. 2012 I S. 953Rz. 57). Das gilt auch, wenn anstelle der physischen Goldlieferung der Gegenwert ausgezahlt wird.

Der abgeltungsteuerpflichtige Gewinn oder der steuerlich relevante Verlust ermittelt sich als Differenz zwischen dem erhaltenen Gegenwert (Goldpreis oder Bargeld) und dem Kaufpreis der Xetra-Gold-Anleihe. Wird das gelieferte Gold später innerhalb eines Jahres nach Erwerb der Anleihe (nicht der Auslieferung des Goldes) mit Gewinn wieder verkauft, ist dieser als privater Veräußerungsgewinn nach § 23 EStG ebenfalls steuerpflichtig.

Doch in drei Urteilen haben Finanzgerichte der Besteuerung von an der Börse verkauften Anleihen, die einen Anspruch auf die Lieferung von Gold verbriefen, nach Ablauf eines Jahres widersprochen (FG Baden-Württemberg vom 23.6.2014, 9 K 4022/12 ; Sächsisches FG vom 27.3.2014, 1 K 1406/13 ; FG Münster vom 14.3.2014, 12 K 3284/13 E ). Nun hat der BFH das letzte Wort, da die Finanzverwaltung Revision eingelegt hat (Az. VIII R 35/14, VIII R 19/14).

Betroffene Anleger sollten daher ihren Einlösungsgewinn in der Anlage SO (Rückseite) bei den privaten Veräußerungsgeschäften eintragen sowie die ggf. von der Bank auf den Gewinn einbehaltene Kapitalertragsteuer in der Anlage KAP (Rückseite) angeben. Erstattet das Finanzamt die Steuer nicht, weil es den Einlösungsgewinn als abgeltungsteuerpflichtiges Wertpapierveräußerungsgeschäft einstuft, ist unter Hinweis auf die Revisionen Einspruch einzulegen. Bei einem Einlösungsverlust ist dagegen die Auffassung der Finanzverwaltung vorteilhafter, weil dieser bei Einstufung als negativer Kapitalertrag auch noch nach Ablauf eines Jahres nach dem Erwerb der Anleihe steuerlich berücksichtigt werden kann.

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