Gold als Beimischung zum Depot gefragt

 - 

Gold hat für einige Kapitalanleger erneut an Glanz gewonnen. Auf der Suche nach soliden Geldanlagen greifen sie derzeit zu Goldmünzen und Goldbarren sowie zu Aktienfonds auf das gelbe Edelmetall.

Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.2.2015 berichten einige Händler von sprunghaft gestiegenen Verkaufszahlen bei physischem Gold. Die F.A.Z. zitiert zudem aus einer Studie des Finanzinstituts Feri, die diesen Trend bestätigt: Angesichts der vielen Unsicherheiten denken Privatanleger wieder verstärkt über Goldinvestments zur Absicherung systemischer Risiken nach. Die Krisen- und Inflationsbefürchtungen vieler Anleger hätten durch die Aufkäufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank, den starken Fall des Euro gegenüber dem Schweizer Franken und das Wiederaufflammen der Griechenland-Krise in jüngster Zeit erneut zugenommen.

Betrachten Sie Gold genauso rational wie andere Anlageformen und lassen Sie sich nicht von Angst oder Gier leiten. Gold ist ein Anlagemedium wie jedes andere auch. Als eine Art Versicherung gegen Geldentwertung und fallende Vermögenspreise ist es jedoch besonders attraktiv. Das bedeutet aber nicht, dass der Goldpreis nicht zeitweise fallen kann. Auch bei Gold mischen Spekulanten mit, gibt es Überhitzungen und heftige Korrekturen. Neben Wertpapieren und Immobilien sollte in normalen Zeiten ein diversifiziertes Vermögen unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung 5 % bis maximal 10 % Goldanteil enthalten. In turbulenten Zeiten wie diesen ist ein erhöhter Goldanteil von 10 % bis 20 % durchaus vertretbar.

Goldbarren sind in Relation zum Goldwert preiswerter als Goldmünzen (das liegt vor allem an den Prägekosten), jedoch schwerer verwertbar. Auch bei Goldbarren wächst mit zunehmend kleinerer Stückelung das Aufgeld. Bei der kleinsten Stückelung erhalten Sie am wenigsten Gold für Ihr Geld. Bei den Goldbarren variieren die Größen vom 12,5-kg-Goldbarren bis hinunter zum 1-Gramm-Goldbarren. Der Kauf und Verkauf von Goldbarren ist in Deutschland mehrwertsteuerfrei.

Wegen des hohen Aufgeldes macht der Kauf von Gold unter 100 Gramm wenig Sinn. Wenn Ihre finanziellen Verhältnisse es zulassen, dann sollten Sie beim Kauf von Goldbarren unter Anlagegesichtspunkten den 500-Gramm- oder sogar den 1-Kilo-Goldbarren bevorzugen.

Investitionen in Goldschmuck sind zur Kapitalanlage ungeeignet. Denn nur im eingeschmolzenen Zustand lässt sich bei Goldschmuck der tatsächliche Metallwert erzielen. Der Kaufpreis von Schmuck liegt jedoch immer weit über dem tatsächlichen Goldwert, weil der Käufer auch die Kosten für das Design und die Handarbeit des Goldschmieds bezahlen muss. Selbst in den Ländern, die für Ihre günstige Goldschmuckherstellung bekannt sind, wie z. B. Indonesien und einzelne arabische Staaten, liegt die Spanne zwischen Einkauf und Verkauf – bedingt durch Herstellungskosten, Aufschläge und Margen – bei mindestens 20 %.

Xetra-Gold: Bequeme Alternative zum physischen Goldbesitz

Der ETC mit der Bezeichnung Xetra-Gold (WKN: A0S9GB) ist eine von der Deutsche Börse Commodities GmbH emittierte, auf Goldbestände lautende nennwertlose Anleihe. Bei der Anleihe handelt es sich um ein börsengehandeltes Wertpapier in Form einer Inhaberschuldverschreibung, das einen Anspruch auf die Lieferung von Gold verbrieft. Jede einzelne Xetra-Gold-Teilschuldverschreibung räumt Investoren das Recht ein, von dem Emittent die Lieferung von einem Gramm Gold zu verlangen.

Dazu unterhält der Emittent eine entsprechende Menge Gold in physischer Form und in begrenztem Umfang in Form von Buchgoldansprüchen. Das heißt: Xetra-Gold ist jederzeit zu 100 % durch Gold gedeckt. Der weitaus größte Teil (95 %) des Goldes wird in physischer Form in den Tresoren der Clearstream – dem deutschen Zentralverwahrer für Wertpapiere – eingelagert. Zur Vereinfachung der Goldlieferungen dürfen die restlichen 5 % der Schuldverschreibungen durch Buchgoldansprüche gedeckt sein.

Achtung: Investoren erwerben weder ein Eigentums- noch ein Sicherungsrecht an dem zur Deckung hinterlegten physischen Goldbestand; sie erwerben nur die in der Schuldverschreibung verbrieften Ansprüche auf die Lieferung von Gold an ihre Hausbank. Es besteht also ein Verlustrisiko, und zwar dann, wenn der Emittent in Schwierigkeiten gerät. Wird der Emittent insolvent, könnte es mit der Lieferung von Gold an die Hausbank oder wahlweise von Barmitteln an den Anleger hapern.

Allerdings scheint eine solche Situation eher unwahrscheinlich. Das Unternehmen beschränkt sich darauf, die notwendigen Mengen Gold zu erwerben, zu verwahren und zu verwalten. Xetra-Gold ist die einzige Geschäftsaktivität. Auch verliehen wird das Gold nicht. Zusätzlich stehen hinter der Emittentin sieben namhafte Gesellschafter. Das sind zu gleichen Teilen die Deutsche Börse AG, die Commerzbank, die Deutsche Bank, das Bankhaus Metzler, die DZ Bank und die Schweizer Bank Vontobel. Mit einem geringeren Kapitalanteil ist darüber hinaus der Hanauer Goldverarbeiter Umicore mit im Boot, der auch die notwendigen Goldbarren liefert.

Wer jedoch das geringe Restrisiko einer Insolvenz bei Xetra-Gold ausschließen will, muss sich wohl Goldbarren oder Goldmünzen in den Tresor legen. Bei deren Kauf fallen jedoch Aufschläge auf den tatsächlichen Goldpreis an. Zudem ist zu klären, wie sicher und zu welchen Kosten das Gold selbst verwahrt werden kann.

Xetra-Gold ist ähnlich wie eine Aktie handelbar und genauso leicht zu übertragen. Gehandelt wird Xetra-Gold auf der vollelektronischen Handelsplattform Xetra der Deutschen Börse AG. Die Preisfindung orientiert sich am aktuellen Goldpreis in US-Dollar und dem Wechselkurs zwischen US-Dollar und Euro. Pro Jahr werden Verwahrungskosten in Höhe von 0,3 % verrechnet. Der Spread ist vor allem im Vergleich mit dem Kauf und Verkauf von physischem Gold mit etwa 0,2 % recht günstig.

Der Preis eines Anteils bezieht sich auf ein Gramm Gold. Die Lieferung an die Hausbank ist allerdings nur bei größeren Mengen sinnvoll. Als Lieferstelle kommt wegen der Bestimmungen des Geldwäschegesetzes nur die Filiale einer Bank infrage. Goldlieferungen an die Adresse des Investors sind nicht möglich!

Xetra-Gold weist ein Währungsrisiko auf. Denn der maßgebliche Goldhandel am Weltmarkt erfolgt in US-Dollar pro Feinunze. Nach diesem Wert richtet sich der mit dem EUR / USD-Wechselkurs umgerechnete Preis einer Xetra-Gold-Teilschuldverschreibung in Euro pro Gramm. Trotz eines steigenden Goldpreises in US-Dollar pro Feinunze könnte ein gegenüber dem Euro schwächelnder US-Dollar die Kursentwicklung von Xetra-Gold belasten.

Bei Xetra-Gold werden die jährlichen Verwaltungsgebühren von 0,3 % der jeweiligen Depotbank des privaten Anlegers in Rechnung gestellt. Die Jahresabrechnung für ein kostenpflichtiges Wertpapierdepot fällt so ein wenig höher aus als sonst. Hat der Anleger ein kostenloses Depot, schaut die Bank in die Röhre oder muss die Kosten auf andere Weise hereinholen. Die Direktbank ING-Diba bietet Xetra-Gold deshalb gar nicht mehr an.

Goldminenaktien: Am besten auf die Papiere etablierter Goldförderer setzen

Im Vergleich zum Besitz von physischem Gold bieten normalerweise Anlagen in Goldminenaktien deutlich höhere Gewinnchancen. Denn Preisänderungen beim Gold wirken sich überproportional auf die Gewinne der Firmen aus. Zudem kann der Käufer von Goldminenaktien mit Dividendenzahlungen rechnen, während die direkte Goldanlage keinerlei Zinsen bringt.

Der Preis für Gold steigt jedoch seit Längerem an und trotzdem lässt in der Praxis die Performance vieler Goldminenaktien zu wünschen übrig. Zu den wichtigsten Ursachen zählen höhere Preise für Stahl, Diesel und Chemikalien sowie erhebliche Steigerungen bei Löhnen, staatlichen Abgaben und Kosten für Umweltschutzauflagen. Außerdem sank der Ausstoß in einigen Bergwerken wegen Streiks, niedriger Goldgehalte im Erz und vor allem in Südafrika durch häufige Stromausfälle.

Wesentliche Einflüsse auf die Kurse der Goldminenaktien besitzen die drei folgenden Faktoren:

  • Der Goldpreis
    Die Kurse der Goldaktien schwanken stärker als der Goldpreis selbst. Teilweise besitzen Goldminenaktien sogar einen gewissen Hebel: Wenn z. B. der Goldpreis um 5 % steigt, verbucht so mancher Titel zweistellige Kurszuwächse. Bei Preisrückgängen wirkt der Mechanismus jedoch in die andere Kursrichtung. Deshalb ist die Geldanlage in Goldminenaktien nur für spekulative Anleger geeignet.

  • Die Förderkosten
    Bei steigendem Goldpreis legt der Betriebsgewinn von Unternehmen, die Gold teuer abbauen, prozentual stärker zu als der von Konkurrenten, die zu vergleichsweise niedrigen Kosten das begehrte Edelmetall aus der Erde fördern. Die Höhe der Förderkosten ist somit mitverantwortlich für den Hebel der Goldminenaktien bei steigenden oder sinkenden Goldpreisen.

  • Das Hedging
    Unter diesem Begriff werden die Absicherungsgeschäfte der Goldproduzenten zusammengefasst, d. h., in welchem Umfang das jeweilige Unternehmen seine zukünftige Fördermenge an Gold bereits am Terminmarkt verkauft hat. Bei derartigen Transaktionen verkaufen Minen einen Teil ihres noch im Boden befindlichen Goldes im Voraus, um sich Kapital zu beschaffen. Bei einem steigenden Goldpreis können die Minen jedoch unter Druck geraten. Denn sie müssen entweder den Kontrakt am Terminmarkt zu höheren Kosten zurückkaufen oder ihrer Verpflichtung zur Lieferung physischen Goldes nachkommen. Firmen, die ganz auf Absicherungsgeschäfte verzichten, erzielen bei steigenden Goldpreisen überproportionale Gewinne.

Am sichersten fahren Anleger mit Aktien etablierter Förderer, die rasch ihre Produktion ausweiten können, über große Reserven verfügen, die Kosten im Griff haben und ihr Risiko über mehrere Länder streuen. Dazu gehören z. B. der weltgrößte Goldproduzent Barrick Gold (WKN: 870450) und Newmont Mining (WKN: 853823).

Weitere News zum Thema

  • Börse hat System: Euro am Scheideweg

    [] (tm) Es ist, so scheint es, ein unregelmäßiges Auf und Ab an den Börsen – völlig losgelöst von rationalen Prozessen, eine Geldverbrennungsmaschine ohne System. Die Wirtschaft wird auf den Kopf gestellt, Verrückte unter sich. So jedenfalls könnte man glauben, blickt man von außen auf die Finanzmärkte. Dieser Artikel wird einmal aufräumen mit Irrtümern über den Euro. mehr

  • Goldpreis steigt

    [] Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um mehr als 7 % gestiegen. Viele Anleger fragen sich, ob es weiter nach oben gehen wird. mehr

  • Xetra-Gold gilt steuerlich wie physischer Goldbesitz

    [] Das jahrelange Tauziehen um die Besteuerung von Xetra-Gold ist beendet. Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied in oberster Instanz, dass Gewinne aus der Veräußerung oder Einlösung von Xetra-Gold nach einer Mindesthaltedauer von einem Jahr nicht unter die Abgeltungssteuer fallen. mehr

  • BFH: Xetra-Gold steuerfrei

    [] Gewinne aus der Veräußerung oder Einlösung von Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen sind ein Jahr nach der Anschaffung steuerfrei. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.