Gold-Anleger nutzten die Gunst der niedrigen Preise

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Eine derart massive Preiskorrektur wie im April 2013 beim Gold mussten die Anleger zuletzt vor mehr als 30 Jahren erleiden. Innerhalb von nur zwei Tagen verlor das gelbe Edelmetall über 14 % an Wert und rutschte unter 1.350,00 Dollar ab, den niedrigsten Stand seit Februar 2011. Auch der Silberpreis kam unter die Räder. Die Verluste fielen sogar noch deutlich höher als beim Gold aus.

Die Bestände sämtlicher börsengehandelter Goldfonds fielen auf den niedrigsten Stand seit 15 Monaten. Allein bei den Exchange Traded Funds (ETF) flossen seit Jahresbeginn 200 Tonnen Gold ab. Viele Marktbeobachter tun sich schwer damit, die Talfahrt der Edelmetalle zu erklären: Einig sind sie sich lediglich darin, dass es keinen bestimmenden Auslöser für den plötzlichen Kursrutsch gab. Lauter werden jetzt vor allem jene Stimmen, die weiter sinkende Goldpreise prognostizieren. Damit werden die Befürchtungen der Investoren immer wahrscheinlicher, dass das Gold im aktuellen Jahr erstmals seit 12 Jahren mit einer negativen Performance abschließen könnte. 2001 notierte der Goldpreis um 260,00 $. In den Folgejahren stieg er sukzessive bis auf den Rekordstand von 1.920,00 $ im September 2011. Seither tendiert Gold unter teils sehr heftigen Kurssprüngen abwärts.

Dass der Spuk nach dem drastischen Kursverfall jetzt vorbei ist und sich der Goldpreis gleich wieder auf den Weg zu alten Höchstständen macht, ist unwahrscheinlich. Für den finalen Abgesang auf Gold ist es aber auch noch zu früh. Denn die Bedingungen für die Anlage in Gold könnten besser nicht sein. Die Euro-Schuldenkrise ist mit der instabilen politischen Lage in Italien und mit Frankreich, das immer stärker in die Rezession abdriftet, alles andere als überwunden. Und im Falle Zyperns wurde aufgezeigt, was Sparern droht, wenn Banken in Schieflage geraten – nämlich eine Zwangsenteignung. Weiter sprechen die offenen Geldschleusen der Notenbanken für das gelbe Edelmetall. Neben den USA, die monatlich 85 Milliarden Dollar in die Märkte pumpen, hat Japan angekündigt, die Notenpressen so lange laufen zu lassen, bis eine Inflationsrate von zwei Prozent erreicht ist (Mai 2013: 0,8 %).

Hinzu kommt, dass die Notenbanken derzeit eher Gold kaufen als verkaufen, auch wenn es, wie etwa bei Zypern (400t), durchaus auch einmal zu Verkäufen kommen kann. Vor allem die Zentralbanken der Schwellenländer nutzen Gold für ihre Währungsreserven. Der Nachholbedarf ist groß. Denn der Goldanteil ihrer rasant gestiegenen Devisenreserven beträgt im Vergleich zu den Zentralbanken der Industrieländer nur einen Bruchteil. China und Indien halten lediglich 2 % bzw. 10 % ihrer Währungsreserven in Gold – in Deutschland und den USA sind es rund drei Viertel.

Da Gold im Gegensatz zu Währungen nicht unlimitiert aufgebläht werden kann, sollte das Edelmetall bald wieder höher notieren. Wenn Zentralbanken, wie im Falle Zyperns, aus politischen und/oder finanziellen Gründen gezwungen sind, ihr Gold zu verkaufen, ist dies ein Alarmsignal für das gesamte Papiergeldsystem und zugleich ein Kaufargument für Gold.

Nachfrage nach physischem Gold weiter hoch

Grundsätzlich bleibt die Anlage in Gold im Sinne einer vernünftigen Diversifikation ein sinnvoller Baustein jedes breit gestreuten Anlegerportfolios. Investoren sollten jedoch daran denken, dass physisches Gold wie z.B. Münzen oder Barren grundsätzlich nicht zur Spekulation gedacht sind. Vielmehr stellt der physische Goldbesitz eher eine Versicherungspolice mit Einmalzahlung und unbefristeter Laufzeit dar. Tritt kein persönlicher oder gesamtwirtschaftlicher Notfall ein, kann das physische Gold ohne weitere Kosten an nachkommende Generationen weitergegeben werden.

Viele Anleger nutzten beim Crash im April die Gunst der Stunde und deckten sich mit Goldbarren und Goldmünzen ein. Die Goldhändler meldeten gegenüber Jahresbeginn ein bis zu zehnmal höheres Orderaufkommen. Das Verhältnis von Käufern zu Verkäufern pendelte sich bei pro aurum, einem der führenden Goldhändler in Deutschland, in den vergangenen Wochen bei rund 9:1 ein. Aufgrund der starken Nachfrage wurden erste Lieferengpässe gemeldet. Insgesamt reiche die Kundennachfrage allerdings noch nicht an die Umsatzrekorde der Jahre 2008 und 2010 heran, stellten Händler fest.

Dämpfer für Papiergoldbesitzer

Stärker verunsichert durch die Preisrückgänge wurden die Besitzer von Papiergold, die über Zertifikate oder sog. ETCs in das gelbe Edelmetall investieren. Besonders stark getroffen von den Kurskapriolen der letzten Wochen beim Gold wurden die Besitzer von Bonus-Zertifikaten auf Gold. Die Barrieren bei Bonus-Zertifikaten mit Bonusleveln bei 1.400,00 $ oder 1.500,00 $ je Feinunze wurden mit einem Schlag durchbrochen. Der Bonus ist somit verloren. Wer daran glaubt, dass der Goldpreis wieder Richtung 2.000,00 $ je Unze geht, sollte sein Bonuszertifikat behalten und die Rendite aus den Kurssteigerungen mitnehmen. Wer mit weiteren Kursrückschlägen bei Gold rechnet, sollte das ausgeknockte Bonuszertifikat verkaufen.

Gold-ETC mit Währungsabsicherung

Risikobereite Anleger, die auf ein Comeback des Goldpreises setzen, haben die Qual der Wahl. Denn die Liste der möglichen Goldinvestments ist groß. Die Auswahl reicht von Anleihekonstruktionen auf den Goldpreis, wie beispielsweise das Xetra-Gold der Deutschen Börse (WKN: A0S9GB), über ETF-Lösungen, wie der ETF Securities Gold (WKN: A0N6XK), oder Gold-Zertifikaten, wie das Commerzbank Gold Zertifikat (WKN:160902), bis hin zu Gold-Fonds, wie der DWS Gold Plus (WKN: 973 246) oder der HANSAgold (WKN: A0NEKK). Für jeden Geschmack und Anlegertypus finden sich so Investments, die wahlweise mit oder ohne physischen Auslieferungsanspruch versehen sind.

Der db-Physical-Gold-Euro-Hedged-ETC (WKN: A1EK0G) bildet die Kursentwicklung des Gold-Kassapreises nach. Eine wichtige Komponente ist dabei der Währungssicherungsmechanismus, der das EUR/USD-Wechselkursrisiko minimiert. Wertet der US-Dollar gegenüber dem Euro ab, erhöht sich der Anspruch auf die Edelmetallmenge je Wertpapier, täglich auf rollierender Basis. Die Kosten für die Währungsabsicherung liegen bei 0,30 % jährlich. Das ist sehr günstig; bei vergleichbaren währungsgesicherten Gold-Quanto-Zertifikaten, wie z.B. von der Commerzbank, liegen diese Kosten meist deutlich höher.

Ein minimales Währungsrisiko bleibt dennoch. Die Deutsche Bank schließt die Sicherungsgeschäfte jeden Tag um 12 Uhr ab. Danach ist der Kurs (im Vergleich zum abgesicherten Währungsverhältnis) bis zum nächsten Tag nicht mehr vor etwaigen Währungsverlusten geschützt.

Der Wert der db-Physical-PM-ETC, die es auch auf andere Edelmetalle wie z.B. Silber gibt, errechnet sich während der Laufzeit anhand des jeweils aktuellen Goldpreises und dem Metallanspruch je ETC-Wertpapier. Die jährlichen Verwaltungskosten in Höhe von moderaten 0,29 % werden auf täglicher Basis vom Kurswert abgezogen. Das an den wichtigsten deutschen Börsenplätzen gehandelte Papier kostet derzeit rund 116,00 €.

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