Börse hat System: Euro am Scheideweg

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(tm) Es ist, so scheint es, ein unregelmäßiges Auf und Ab an den Börsen – völlig losgelöst von rationalen Prozessen, eine Geldverbrennungsmaschine ohne System. Die Wirtschaft wird auf den Kopf gestellt, Verrückte unter sich. So jedenfalls könnte man glauben, blickt man von außen auf die Finanzmärkte. Dieser Artikel wird einmal aufräumen mit Irrtümern über den Euro.

Turbulent geht es dieser Tage zu auf dem Parkett der Frankfurter Börse oder der Wall Street in New York. Und doch haben sich die Gesichtszüge der Börsianer wieder etwas entspannt im Vergleich zum Beginn des Jahres, als die Kurse ohne Fallschirm vom Himmel herabfielen. Besonders eines macht dieser Tage Schlagzeilen: die Zinsentscheidungen der europäischen und der amerikanischen Notenbank, EZB und Fed. Diese nämlich haben enormen Einfluss auf die Wirtschaft. Und den Euro. Eine Bestandsaufnahme.

Euroabwertung

Um einer Konjunkturzyklus aufrecht zu erhalten, sind steigende Preise von enormer Bedeutung, da damit Gewinne gesteigert und Investitionen erleichtert werden sowie Staaten Schulden abbauen können. Daher ist eine leichte Inflation stets im Interesse der Notenbanken. In diesem Sinne hat die Europäische Zentralbank die Inflationsrate in der EU auf zwei Prozent pro Jahr festgelegt. Doch die Eurozone schwankt derzeit um einen gleichbleibenden Geldwert, weshalb zahlreiche Ökonomen ein Abdriften in die Deflation befürchten. Dies würde bedeuten, dass Geld an Wert gewinnt und sowohl Unternehmen als auch Privathaushalte beginnen, das Geld zu horten, da es sich nicht mehr auszugeben lohnt. Unternehmen verlieren Kunden, investieren nicht mehr, entlassen Mitarbeiter, und schon steckt eine Volkswirtschaft tief drin in der Rezession.

Deshalb ergriff der Chef der EZB, Mario Draghi, seit Mitte 2014 zahlreiche Maßnahmen: Er senkte die Zinsen, damit Sparer mit dem Sparen aufhören und es stattessen ausgeben und Unternehmen schneller Kredite aufnehmen. Er erweiterte das Anleihenkaufprogramm, um billiges Geld in den Markt zu pumpen und erhöhte den Strafzins für Banken, die bei der EZB ihr Geld horten und es nicht für Kredite bereitstellen wollen.

Die Folge: Der Euro verliert gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert. Sehen Sie sich dazu folgende Grafik an, in der geldtipps.de die Abwertung dargestellt hat. Binnen zwölf Monaten kostete ein Euro anstatt 1,4 Dollar nur noch 1,06- ein großer Abschwung. Nun die Frage, ob das schlecht für die Wirtschaft ist. Nein. Vergleicht man diese Phase der Abwertung nämlich mit der gleichen Zeitspanne des Deutschen Aktienindexes (kleine Bild auf der Grafik), so fällt auf, dass das wichtigste Wirtschaftsbarometer Deutschlands hier auf Rekordniveau stieg. Die Euphorie war also unermesslich, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und die Konsumbereitschaft der Bürger stiegen durch die Decke.

Unsicherheit am Markt

Warum aber konnte man dieses Niveau im neuen Jahr nicht halten? Das hängt freilich auch mit anderen Faktoren zusammen, z.B. der Konjunkturabkühlung in China. Doch auch die folgende Entwicklung des Euro/US-Dollar-Paares trug zum Trendwechsel bei: Irgendwann nämlich geriet die Abwärtsspirale ins Stocken. Das hat mehrere Gründe: zum einen den psychologischen Faktor, denn nach Jahren eines teuren Euros können sich viele Marktteilnehmer schlicht nicht vorstellen, plötzlich die beiden Währungen gleichauf zu sehen. Eine Barrikade bzw. Unterstützung stellte sich ein. Zum anderen wurden die Maßnahmen der EZB eingepreist, wie es der Börsianer im Fachjargon zu sagen pflegt. Die Folge auf der Grafik ist eine sogenannte Range, eine Seitwärtsphase, gekennzeichnet durch die roten Balken an der Ober- und Unterseite.

Markt muss entscheiden

Sehen Sie sich diese Phase hier in der Nahaufnahme an . Seit einem Jahr ist das Währungspaar nun ohne klaren Trend, da das Marktumfeld keine eindeutige Richtung vorgibt und die Marktteilnehmer die Situation daher nicht bewerten können. Das Ziel der EZB, die Parität der Währungen zu erreichen, wird nämlich durch den Preisverfall des Öls gestört, da zu Inflation und Geldabwertung steigende Preise gehören. Außerdem hat die EZB aus Sicht des Marktes ihr Pulver verschossen; nach Abschaffungen der Zinsen können erst einmal keine weiteren Schritte eingeleitet werden, der Strafzins wurde für die Banken zuletzt erneut erhöht und das Anleihenkaufprogramm massiv ausgeweitet.

Warum das aber nicht wirkt, ist schnell erklärt: Bei den Entscheidungen der Börsianer spielt stets auch die Zukunft eine Rolle, und da Draghi selbst sagte, es werden zunächst keine weiteren Maßnahmen folgen, haben die Kapitalmärkte den Nullzins schnell eingepreist. Positiv war zumindest, dass sich das Wirtschaftsklima in den USA positiv entwickelte, die Fed daher keinen Niedrigzins mehr für elementar hielt und dementsprechend regelmäßige Erhöhungen einleiten wollten. Nun erwies sich die Situation aber doch als instabiler und so sorgt eben kein erstarkender Dollar für eine Abschwächung des Euros, sondern eben für eine Seitwärtsphase.

Fazit

Das alles hat zur Folge, dass der Kurs sich derzeit in einem Auf und Ab befindet, doch sehr wohl mit System, denn Börsianer sagen: Kein Trend, ohne einen Grund. Bedeutungslos aber sind die Schwankungen dennoch nicht, denn je nachdem, auf welcher Seite die Kurse die Begrenzungslinien der Seitwärtsphase knacken werden, werden Sie ausbrechen und einen Trend größeren Ausmaßes ausbauen. Daher blicken Sie erneut auf letztere Grafik: Der Euro ist im Verhältnis derzeit stark, ein Durchbrechen vermuten wir allerdings noch nicht. Eher wird der Kurs sich in den nächsten Tagen noch einmal bei 1.08 einpendeln. Der Börsianer könnte diesen Mini-Trend mit einer Short-Investition für sich nutzen. Wichtig wird auch sein, wie bei den Notenbanken künftig weiter verfahren wird, damit sich die Ungewissheit auf dem Parkett schnell in Überzeugung wandeln kann – Zeit dafür wird es auf jeden Fall. Der Händler würde nun sagen: Die Bullen und Bären stehen in den Startlöchern und warten nur darauf, dass eines der markanten Niveaus endlich durchbrochen wird.

Seien Sie sich also sicher: Börse ist keine Geldverbrennungsmaschine, sondern das Spiegelbild der Wirtschaft. Mit System ist jeder in der Lage, hiervon zu profitieren und selbst ein erfolgreicher Teilnehmer in der großen Finanzwelt zu werden. Erfahren Sie in unserem Ratgeber Der sichere Weg zu mehr Rendite , wie das möglich ist. Damit das Auf und Ab ein Auf für Ihr Konto wird, Inflation hin oder her.

Autor: Timo Munz

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