Zinsspread bei Unternehmensanleihen

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Die Gefahr, dass ein privates Unternehmen insolvent wird, ist im Regelfall größer, als dass ein solide wirtschaftender Staat, wie z.B. Norwegen, seine Schulden nicht zurückzahlen kann.

Als Ausgleich für dieses Ausfallrisiko werden Unternehmensanleihen höher verzinst als Staatsanleihen von Ländern einwandfreier Bonität. Diese Renditedifferenz, quasi die Zitterprämie, zwischen einer Unternehmensanleihe und einer (sicheren) Staatsanleihe mit vergleichbarer Laufzeit wird als Zinsspread bezeichnet.

Ausschlaggebend für die Höhe dieses Zinsspreads sind

  • die Bonität des Schuldners und

  • die Laufzeit der Unternehmensanleihe.

Dabei gilt: Mit zunehmender Laufzeit wächst das Bonitätsrisiko für den Käufer der Anleihe und damit der Zinsspread gegenüber einer als sicher geltenden Staatsanleihe. Denn je länger die Laufzeit, desto größer ist das Risiko des Anleihekäufers, dass unerwartete Ereignisse die Rückzahlung der Anleihe gefährden.

Ebenso weiten sich mit sinkender Bonität der Emittenten die Zinsspreads aus. Außerdem ist es möglich, dass sich die Zinsspreads während der Laufzeit einer Anleihe verändern. Das kann z.B. während einer Rezession der Fall sein. Dann erleiden viele Unternehmen Umsatz- und Gewinneinbußen. Die Gläubiger der Unternehmen fürchten um ihre Kredite; vor allem Unternehmensanleihen minderer Bonität verzeichnen dann deutliche Kursverluste. Dies führt zu einer Erhöhung der Anleiherenditen.

Umgekehrt verringern sich die Zinsspreads zwischen bonitätsmäßig erstklassigen und weniger sicheren Anleihen beim wirtschaftlichen Aufschwung wieder; die Kurse der Unternehmensanleihen ziehen dann an. Angegeben wird der Zinsspread in Basispunkten; 1 Basispunkt entspricht 1/100 Prozentpunkt (= 0,01 %).

Beispiel:

Die Unternehmensanleihe der XY-AG mit einer Laufzeit von 5 Jahren weist eine Rendite von 4,95 % p.a. auf. Eine Bundesanleihe mit gleicher Restlaufzeit rentiert mit 2,6 % p.a. Der Spread zur Unternehmensanleihe der XY-AG beträgt damit 235 Basispunkte.

Entspricht die Höhe des Zinsspreads der Bonität des Emittenten, so ist die Anleihe fair bewertet. Das ist aber nicht immer der Fall. Beispielsweise kommt es vor, dass Konjunkturängste zu einer negativen Einschätzung von Unternehmensanleihen führen. Die Käufer bleiben aus, die Kurse fallen, die Zinsspreads weiten sich über das Normalmaß hinaus aus. Für risikofreudige Anleger kann das eine gute Kaufgelegenheit darstellen. Umgekehrt kann eine euphorische Stimmung am Anleihemarkt, wenn jedermann nur noch sinkende Zinsen erwartet, dazu führen, dass die Zinsspreads zusammenschmelzen und eine unsichere Unternehmensanleihe kaum besser rentiert als eine als sicher geltende Staatsanleihe. Dann sollten Kaufinteressenten Unternehmensanleihen eher kritisch betrachten.

Informationen über die Höhe des Zinsspreads zwischen (sicheren) Bundesanleihen und Anleihen in Euro mit unterschiedlichem Rating finden Sie täglich im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Der Übersichtlichkeit halber werden aus der Fülle der am Anleihemarkt vorhandenen Schuldner Werte für sog. synthetische Anleihen errechnet, die quasi als Durchschnittswert für die jeweilige Kategorie gelten.

Nutzen Sie die unterschiedliche Entwicklung bei den Zinsspreads für Ihre Anlagestrategie.

Sind die Zinsspreads unangemessen niedrig, sollten Sie Käufe von Unternehmensanleihen zurückstellen. Umgekehrt kann es sich lohnen, bei hohen Zinsspreads, z.B. in einem schwachen konjunkturellen Umfeld, Unternehmensanleihen zu erwerben. Wenn die Unternehmen später im Aufschwung wieder mehr Geld verdienen, wird deren Kreditwürdigkeit höher eingeschätzt, die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen nimmt ab. Dann verringern sich die Zinsspreads und die Kurse von Unternehmensanleihen legen zu.

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