Verluste beim Umtausch griechischer Staatsanleihen steuerlich absetzbar

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Viele (Klein-)Anleger kauften in der Vergangenheit wegen der hohen Rendite griechische Staatsanleihen und hofften auf eine 100 %ige Rückzahlung. Da die Kurse in den letzten 12 Monaten vor der planmäßigen Rückzahlung beträchtlich unter die Räder geraten waren und je nach Einstiegszeitpunkt nur zu 80 %, 50 % oder gar 30 % des Nennwerts erworben werden konnten, winkten bei einer Rückzahlung zum vollen Nennwert (= 100 %) üppige, um nicht zu sagen astronomische Renditen.

Anleger verlieren rund 50 % ihrer Forderungen

Doch es kam anders: Der griechische Finanzminister Venizelos nahm in Abstimmung mit den internationalen Großgläubigern einen Schuldenschnitt vor mit der Folge, dass die Anleihebesitzer mehr als 100 Mrd. Euro und damit gut die Hälfte ihrer Forderungen abschreiben mussten. Anleger in Hellas-Bonds bekamen im März 2012 für jeweils 1.000,00 € Nennwert ihrer alten Anleihen insgesamt 24 (!) neue Anleihen im Wert von nur 465,00 € per Zwangsumtausch ins Depot eingebucht. Der erzwungene Forderungsverzicht beläuft sich damit auf 535,00 € oder 53,5 % des Nennwertes.

Rein buchmäßig haben die Anleger damit nur rund die Hälfte ihres Geldes verloren. Tatsächlich sind die Verluste jedoch je nach Einstiegszeitpunkt noch erheblich größer: Wer seine Anleihen verkaufte, realisierte einen Veräußerungsverlust von – bezogen auf den Nennwert – bis zu 80 %, denn der Zins der getauschten Bonds ist niedriger und die Laufzeit länger als bei den alten Emissionen. Das sorgt beim Verkauf zusätzlich für Kursabschläge. Nur in den Fällen, in denen Anleger das Ganze als reizvolle Spekulation betrachteten und die Altanleihen zu Kursen weit unterhalb des Nennwerts gekauft hatten, ist der Veräußerungsverlust geringer.

Bei den 24 Anleihen handelt es sich überwiegend um neue Hellas-Bonds mit Laufzeiten von 11 bis 30 Jahren mit niedriger Verzinsung. Daneben gibt es einen Besserungsschein, dessen Verzinsung von der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung Griechenlands abhängt (gemessen an der Entwicklung des Bruttosozialprodukts), und Anleihen des Rettungsschirms EFSF.

Bis auf den Besserungsschein sind die zwangsweise erworbenen Papiere auch schon jetzt verkäuflich. Durch den Umtausch in 24 neue Anleihen verfügen viele Anleger aber nur noch über geringe Nominalwerte bei den einzelnen Emissionen. Hier ist deshalb in vielen Fällen mit der Berechnung von Mindestgebühren durch die verkaufende Bank zu rechnen, die den Veräußerungserlös teilweise oder sogar ganz aufzehren. Betroffene Anleger sollten deshalb vor dem Verkauf mit ihrer Hausbank sprechen und um einen Erlass der Gebühren nachfragen, sofern die Bank nicht schon von sich aus, wie z.B. die DAB-Bank, aus Kulanz darauf verzichtet.

Kleiner Trost: Die Verluste sind steuerlich absetzbar

Die geschröpften (Klein-)Anleger hoffen nun, wenigstens ihre Verluste bei der Einkommensteuererklärung für 2012 geltend machen zu können. Das Bundesfinanzministerium hat schnell reagiert und dazu in einem Schreiben Stellung bezogen (BMF-Schreiben vom 9.3.2012, Az. IV C 1-S 2252/0 :016):

Der Umtausch gilt steuerlich als Veräußerungsgeschäft, sodass die Umtauschverluste in der Steuererklärung 2012 grundsätzlich absetzbar sind. Allerdings gilt das nur, wenn die Altanleihen nach 2008 gekauft wurden. In diesem Fall sind die Umtauschverluste mit Zinsen, Dividenden und Gewinnen aus dem Verkauf anderer Wertpapiere verrechenbar. Ist dies für 2012 nicht möglich, trägt das Finanzamt den nicht verrechneten Umtauschverlust in die Folgejahre vor.

Wurden die Altanleihen vor 2009 erworben, ist die früher geltende einjährige Spekulationsfrist längst abgelaufen. Die Umtauschverluste können dann steuerlich nicht geltend gemacht werden. Die Spekulationsfrist spielt nur dann keine Rolle, wenn es sich bei den bis Ende 2008 gekauften Altanleihen um sog. Finanzinnovationen gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4a–4d EStG 2008 handelte. Auskunft darüber geben die Kaufunterlagen der Bank.

Damit der Verlust steuerlich wirksam wird, muss mit der Steuererklärung die Anlage KAP abgegeben werden.

Wie sich der Umtauschverlust berechnet

Der steuerlich verrechenbare Umtauschverlust ergibt sich als Differenz zwischen Veräußerungserlös und Anschaffungskosten der Altanleihen.

Da tatsächlich keine Veräußerung stattgefunden hat, ist laut BMF-Schreiben als Veräußerungserlös der eingetauschten Altanleihen die Summe der Börsenkurse aller neuen Griechenland- und EFSF-Anleihen am Tag der Depoteinbuchung anzusetzen bzw. – bei fehlender Börsennotierung – deren niedrigster Kurs am ersten Handelstag.

Als Anschaffungskosten der neuen Anleihen ist der Börsenkurs der hingegebenen Altanleihen im Zeitpunkt der Depotausbuchung anzusetzen. Aus Vereinfachungsgründen kann auch der Börsenkurs der neuen Anleihen am Tag der Depoteinbuchung angesetzt werden. Sofern zu diesem Zeitpunkt noch kein Börsenkurs bestand, ist der niedrigste Kurs am ersten Handelstag anzusetzen.

Ausgenommen davon sind der Besserungsschein sowie die nur sechs Monate laufende Nullkuponanleihe des EFSF zur Entschädigung für die ausgefallenen Stückzinsen. Diesen Anleihen misst das Bundesfinanzministerium offensichtlich keinen Wert bei und hat daher den Kaufpreis mit 0,00 € angesetzt. Die steuerliche Folge ist, dass bei Verkauf dieser Anleihen vom Verkaufspreis keine Anschaffungskosten abgezogen werden können. Damit wird Abgeltungsteuer auf den ungekürzten Veräußerungserlös fällig.

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