Unternehmensanleihen: Börsenhandel, Gebühren und Steuern

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Früher war der Handel mit Unternehmensanleihen für private Investoren relativ unübersichtlich.

Denn der Handel fand überwiegend außerbörslich per Telefon unter den Banken statt. Doch inzwischen ist es für den Anleger kein Problem mehr, einzelne Unternehmensanleihen über die Börse zu erwerben.

Besondere Aufmerksamkeit sollten Investoren auf die Handelbarkeit (Liquidität) einer Anleihe richten. Je liquider nämlich eine Anleihe ist, desto geringer ist die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis (Spread) und desto einfacher ist es, Bestände zu kaufen oder zu verkaufen.

Geben Sie beim Kauf und Verkauf einer Unternehmensanleihe an der Börse ein Kurslimit an. Damit vermeiden Sie, dass Sie wegen geringer Liquidität Ihre Unternehmensanleihe zu teuer kaufen oder zu billig verkaufen. Wenn Sie von vornherein beabsichtigen, eine Anleihe vor Endfälligkeit zu verkaufen, sollten Sie möglichst Titel mit einem breiten Markt, das heißt regelmäßigen Umsätzen wählen, um Verkäufe wie geplant vornehmen zu können. Schlechte Unternehmensnachrichten können innerhalb weniger Tage zu massiven Kursverlusten führen. Auch deshalb ist das Setzen von Kurslimiten sehr ratsam. Im Übrigen bieten solche Situationen für mutige Anleger, die auf eine Besserung der Unternehmenslage hoffen, Einstiegsgelegenheiten. Bei wieder besseren Unternehmensnachrichten besteht nämlich umgekehrt die Chance auf Kursgewinne.

Der tatsächliche Kaufbetrag einer Unternehmensanleihe liegt immer über dem errechneten Betrag aus Nominal- bzw. Prozentwert. Das liegt daran, dass der Käufer der Anleihe zum in der Regel jährlichen Zinstermin die volle Zinszahlung für 12 Monate erhält. Wer eine Anleihe zwischen den Zinsterminen erwirbt, muss daher dem Verkäufer die Zinsen erstatten, die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufen sind. Das sind die sog. Stückzinsen.

Wenn der Verkäufer der Unternehmensanleihe seinen Sparerpauschbetrag (801,00 €) ausgeschöpft hat, dann zieht der Fiskus 25 % Abgeltungsteuer (plus Soli und eventuell Kirchensteuer) von seinen Zinserträgen ab. Die dem Verkäufer über die Börse gezahlten Stückzinsen dürfen Anleger steuerlich mit ihren Zinseinnahmen verrechnen (negative Stückzinsen).

Neben den Stückzinsen fallen noch Kosten für den Anleihekauf (Makler-Courtage, Börsengebühr, fremde Spesen) an. Die Rückzahlung einer Anleihe bei Fälligkeit ist dagegen regelmäßig kostenlos. Bei Direktbanken (z.B. flatex.de), die Depots meist gratis führen, liegen die Kosten für einen Anleihekauf in der Höhe von 1.000,00 € meist zwischen 10,00 € und 15,00 € (inklusive Courtage für den Börsenmakler). Bei Filialbanken fallen dagegen höhere Ordergebühren an. Hier müssen Käufer mit niedrigen Orders (unter 5.000,00 €) besonders auf mögliche Mindestgebühren achten.

Leider finden Sie im Kursteil der meisten Zeitungen kaum Informationen über aktuelle Neuemissionen von Unternehmensanleihen. Auch Angaben über die Rendite von bereits ausgegebenen Unternehmensanleihen und deren Laufzeit suchen Sie oft vergebens.

Im Handelsblatt finden Sie täglich eine Übersicht zu allen neu ausgegebenen Staats- und Unternehmensanleihen sowie Angaben zum Zinssatz, der Laufzeit, Ausgabekurs und der Wertpapierkennnummer. Außerdem enthalten das Handelsblatt auf der Seite Anleihen ebenso wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) auf der Seite Euro-Anleihemärkte eine Zusammenstellung der in Frankfurt gehandelten Unternehmensanleihen mit Angabe von Kursen und Renditen. Umfassende Informationen rund um Unternehmensanleihen und eine Liquiditätsbewertung erhalten Anleger im Internet unter bondboard.de. Eine gute Übersicht über Unternehmensanleihen liefert auch die Stuttgarter Börse (euwax.de).

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