Ratings erleichtern die Auswahl von Unternehmensanleihen

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Das Ausfallrisiko von guten Unternehmensanleihen ist, historisch betrachtet, äußerst gering.

Bisher gibt es eine überschaubare Anzahl von Anleihen, die von einer guten Bonitätseinschätzung (mindestens BBB−) ohne Umweg über schlechtere Bonitätsklassen (unter BBB−) direkt ausgefallen sind. Oft stehen diese Fälle im Zusammenhang mit Bilanzfälschungen, die auch Rating-Agenturen nicht erkennen konnten.

Der Weg zum Unternehmensausfall führt daher meist über fortlaufende Ratingverschlechterungen, die mitunter drastische Kursverluste der Anleihe nach sich ziehen. Das gilt besonders für Herabstufungen in die High-Yield-Ratingklassen.

Dort steigt das Ausfallrisiko stark an. Viele institutionelle Investoren sind dann aufgrund von Regularien gezwungen, die herabgestuften Anleihen zu verkaufen. Das weitaus größte mittelbare Risiko einer Unternehmensanleihe im Bereich Investment Grade (= Rating mindestens BBB, dazu gleich mehr) liegt daher in einer Bonitätsverschlechterung.

Bedeutung von Rating-Symbolen

Zur besseren Orientierung für den Anleger lassen viele Firmen ihre Bonität von sog. Rating-Agenturen bewerten. Zu diesen Agenturen zählen die beiden Marktführer Moody's und Standard&Poor's sowie Fitch und Feri EuroRatings.

Die Einstufung (Rating) eines Unternehmens in eine bestimmte Risikoklasse durch die Agenturen ist ein Urteil über die wirtschaftliche Fähigkeit dieses Anleiheschuldners, in Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, letztlich also die Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz. Spitzenratings wie das dreifache A (AAA, englisch gesprochen: Triple A) erhalten nur Schuldner mit einwandfreier Bonität. Dazu zählen z.B. die Staatsanleihen Norwegens. Bei den Schuldnern von Unternehmensanleihen erhalten jedoch nur einige wenige Unternehmen für ihre Anleihen das begehrte AAA-Rating.

Wie aus der folgenden Übersicht über die Rating-Symbole und ihre Bedeutung unschwer zu erkennen ist, sinkt die wirtschaftliche Fähigkeit des Anleiheschuldners, in Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, mit zunehmendem Fortschritt im Alphabet. Ab einem Rating von Ba1 bzw. BB plus nimmt die Anlage in Unternehmensanleihen den Charakter einer spekulativen Anlage, sogenannter Junk Bonds (High-Yield-Bonds), an.

Ratings für die Bonität von Anleiheschuldnern

Bonitätseinstufung

Moody's

Standard
& Poor's

Fitch

Feri
EuroRatings

Anlagebereich (investive Anlage)

sehr gut: beste Qualität, geringstes Ausfallrisiko

Aaa

AAA

AAA

AAA

sehr gut bis gut: hohe Zahlungswahrscheinlichkeit, aber etwas größeres Risiko als die Spitzengruppe

Aa1

Aa2

Aa3

AA+

AA

AA−

AA+

AA

AA−

AA+

AA

AA−

gut bis befriedigend: angemessene Deckung von Zins und Tilgung, aber auch Elemente, die sich bei veränderter Wirtschaftsentwicklung negativ auswirken können

A1

A2

A3

A+

A

A−

A+

A

A−

A+

A

A−

befriedigend: mittlere Qualität, aber mangelnder Schutz gegen wirtschaftliche Veränderungen

Baa1

Baa2

Baa3

BBB+

BBB

BBB−

BBB+

BBB

BBB−

BBB+

BBB

BBB−

Spekulationsbereich (spekulative Anlage)

ausreichend: sehr mäßige Deckung von Zins und Tilgung, auch in gutem wirtschaftlichen Umfeld

Ba1

Ba2

Ba3

BB+

BB

BB−

BB+

BB

BB−

BB+

BB

BB−

mangelhaft: geringe Sicherung von Zins und Tilgung

B1

B2

B3

B+

B

B−

B+

B

B−

B+

B

B−

ungenügend: niedrigste Qualität,
geringster Anlegerschutz, in akuter Gefahr eines Zahlungsverzuges

Caa

Ca

CCC

CC

CCC

CC

C

CCC

CC

C

zahlungsunfähig: in Zahlungsverzug, bei Fitch IBCA mit unterschiedlichen Erwartungen für Rückzahlungsquoten

C

SD/D

DDD

DD

D

D

Wie die Übersicht zeigt, weisen Anleihen bis zu einem Rating von BBB− bzw. Baa3 Investment-Qualität (auch als Investment Grade bezeichnet) auf. Wer ein möglichst geringes Ausfallrisiko bei einer Unternehmensanleihe eingehen möchte, sollte seine Auswahl noch weiter einschränken und nur Anleihen mit einem Rating von mindestens A3 bzw. A− kaufen.

90 % aller ausgegebenen Unternehmensanleihen erhalten ein Rating. Für die restlichen 10 % verzichten die Unternehmen auf die Einstufung, und zwar zumeist aus Kostengründen. Diese Unternehmen verlassen sich ganz auf ihren bekannten Firmennamen, um ihre Anleihen am Markt unterzubringen.

Interessieren Sie sich für eine Unternehmensanleihe ohne Rating, so erkundigen Sie sich am besten beim Anlageberater Ihrer Bank nach dem Emissionsinstitut dieser Anleihe. Dort können Sie über den Anleiheschuldner einen ausführlichen Research-Bericht anfordern. Wenn Sie eine Unternehmensanleihe ohne Rating erwerben wollen, bleibt Ihnen zur Risikoabschätzung nur der Vergleich mit Unternehmensanleihen vergleichbarer Laufzeit, die über ein Rating verfügen. Liegt z.B. die Rendite Ihrer Unternehmensanleihe über der vergleichbarer Anleihen, so weist Ihr Papier ein deutlich höheres Risiko auf. Im Zweifel sollten Sie Schuldner ohne Rating meiden.

Veränderungen beim Rating während der Laufzeit

Einmal erteilte Ratings gelten nicht für alle Ewigkeit. Wirtschaftliche oder politische Entwicklungen können eine Überprüfung des Ratings auslösen. Deshalb stellen die Rating-Agenturen in regelmäßigen Abständen ihre früheren Einschätzungen auf den Prüfstand. Dabei kann es zu einer Verbesserung (up-grading) oder zu einer Abstufung (down-grading) des Ratings kommen. Sofern ein Unternehmen von einer Rating-Agentur auf Änderungen in der Bonität untersucht wird, taucht dessen Name auf einer eigens für diesen Zweck eingeführten Liste auf. Bei Moody's wird diese Liste als Watch List, bei Standard&Poor's als Credit Watch bezeichnet.

Im Internet können Sie die Credit Watch von Standard&Poor's unter standardandpoors.com und die Watch List von Moody's unter moodys.com nachlesen.

Neben wirtschaftlichen oder politischen Entwicklungen kommt es auch anlässlich von Firmenübernahmen oder Fusionen bei den beteiligten Unternehmen zu Veränderungen des Ratings. Besitzt z.B. die übernehmende Gesellschaft eine bessere Bonität als das übernommene Unternehmen, so droht dem Übernehmenden eine Herabstufung seines Ratings durch die Rating-Agenturen. Folge: Das übernehmende Unternehmen kann neues Kapital nur zu ungünstigeren Konditionen (zu höheren Zinsen) aufnehmen; die Rating-Abstufung bedingt einen Renditeaufschlag (Zinsspread) gegenüber Unternehmensanleihen mit besserer Bonität bei vergleichbarer Laufzeit. Und bereits ausgegebene Unternehmensanleihen sinken an der Börse im Kurs.

Umgekehrt gilt: Wird ein Unternehmen mit schwächerem Rating (z.B. BBB) von einem Konzern mit besserem Rating (z.B. AA) aufgekauft, so steigen die Unternehmensanleihen des übernommenen Unternehmens im Kurs an.

Wer gezielt in Anleihen von Übernahmekandidaten investiert, kann daraus Profit schlagen – immer vorausgesetzt, es kommt wirklich zur Übernahme durch ein finanziell stärkeres Unternehmen. Ein Anhaltspunkt bei der Anleiheauswahl ist, dass die Anleihen von Unternehmen aus zukunftsträchtigen Branchen mit wachsenden Umsätzen stammen. Denn dort sind die Chancen für Übernahmen am größten.

Aussagekraft von Ratings

So sinnvoll das Rating als Bestandteil einer Anlageentscheidung auch ist, die Aussagekraft eines Ratings hat Grenzen. Kritiker bemängeln, dass die Zahlen, auf denen das Rating beruht, bei der Veröffentlichung bereits veraltet sind. Zusätzlich kämpfen die Agenturen angesichts des Booms bei Unternehmensanleihen mit Kapazitätsproblemen, da mittlerweile Tausende von Emittenten analysiert werden müssen. Hinzu kommt: Die Rating-Analysten sind keine Wirtschaftsprüfer. Deshalb ist ein Rating kein Gütesiegel für die Richtigkeit der Bilanzen. Gegen gezielte Täuschungsmanöver und kriminelle Bilanztricks sind auch Rating-Agenturen nicht gefeit.

Der Kurs einer Unternehmensanleihe ist oft als Frühindikator für die Bonität eines Unternehmens aussagekräftiger als das Rating selbst. Achten Sie deshalb vor dem Kauf einer Unternehmensanleihe auf deren Kurs. Liegt der Kurs trotz positiven Ratings weit unter dem Rückzahlungswert von 100 %, ist Vorsicht angebracht. Meist nimmt der Markt mit dem niedrigen Kurs der Anleihe schon eine Verschlechterung der Rating-Einschätzung vorweg (dies ist übrigens auch der Grund, warum eine später dann tatsächlich erfolgte Herabstufung nicht unbedingt mit Kursverlusten einhergeht). Etwas anderes gilt allerdings, wenn der Anleihekurs nur deshalb weit unter pari notiert, weil der Anleihezins erheblich unter dem Kapitalmarktzins liegt. Sind vom Emittenten der Unternehmensanleihe Aktien an einer Börse notiert, so ist ein Blick auf deren Kursentwicklung in den letzten Monaten ratsam. Bei der spektakulären Milliarden-Pleite des US-Energiekonzerns Enron beispielsweise spiegelten sich die kommenden Schwierigkeiten bei den Anleihen des Unternehmens schon in drastischen Kursrückgängen bei der Aktie wider, während bei den Anleihekursen die Talfahrt noch nicht begonnen hatte.

Aber auch nach dem Kauf einer Unternehmensanleihe sollten Sie den Kurs der Anleihe wie auch den Aktienkurs des Unternehmens im Auge behalten. So können Sie bei nachteiligen Entwicklungen rechtzeitig – beispielsweise durch Anleiheverkauf – reagieren. Die Kunst des Investments in Unternehmensanleihen besteht vor allem im geschickten Ausgleich von Chancen und Risiken der Papiere. Ein bloßer Blick auf das Rating der Anleihen reicht dazu nicht aus.

Neben dem Rating spielt bei der Auswahl von Unternehmensanleihen auch die Branchenzugehörigkeit des Emittenten eine wichtige Rolle. Beispielsweise können die Anleihe eines Telekommunikations- oder eines Chemie-Unternehmens selbst bei identischem Rating zu gleichen Zeitpunkten sehr unterschiedliche Risiken beinhalten.

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