Viel Rechnerei mit rollierender Aktienanleihe

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Klassische Aktienanleihen sind beim Anleger beliebt. Denn deren Funktionsweise ist simpel, die Verzinsung meist attraktiv. Die rollierende Aktienanleihe der Schweizer Großbank UBS versucht von der Beliebtheit dieser Papiere zu profitieren. Die Funktionsweise: Die UBS-Rolling-Aktienanleihe (WKN: UB2RAA) auf den EuroStoxx50 Total Return-Index ist ein Open End-Papier (ohne Laufzeitende). Das Produkt spiegelt eine fortlaufende Investition in Aktienanleihen auf den europäischen Standardindex wider – mit einmonatiger Laufzeit. Ist die Anleihe fällig, wird das Kapital in die nächste investiert. Der Zins wird monatlich ausgeschüttet.

Der Zinskupon ist in zwei Komponenten unterteilt:

  • den Leitzins der EZB, der aktuell 0,75 % p.a. beträgt, und

  • einen zusätzlichen Zinskupon in Höhe von 3 % p.a.

Die Basispreise der kurz laufenden Anleihen werden nun immer so gewählt, dass sie sich innerhalb einer Bandbreite von 85 % bis 95 % des jeweils aktuellen Indexstandes befinden. Auf diese Weise entsteht ein monatlicher Sicherheitspuffer zwischen 5 % und 15 %. Wie hoch der Puffer jeweils genau ausfällt, ergibt sich zu Beginn jeder Periode durch die Höhe der Optionsprämie. Würden sich aufgrund der Optionsprämie Werte außerhalb dieser Range ergeben, wird dies durch eine Anpassung des Nominalwertes ausgeglichen. Folglich ergeben sich jeweils drei unterschiedliche Fälle:

  • Der EuroStoxx50 Total Return Index notiert am Ende einer monatlichen Periode oberhalb des für diesen Monat festgelegten Basispreises. In diesem Fall erfolgt die Ausschüttung des Kupons in Höhe von EZB-Leitzins plus 3 % p.a.

  • Der Index fällt, bleibt jedoch über der festgelegten Schwelle. Auch in diesem Fall erhält der Anleger die volle Ausschüttung.

  • Fällt der Index stärker und überschreitet den Sicherheitspuffer, entsteht ein Nominalwertverlust, der sich in einem Kursrückgang der Rolling-Aktienanleihe niederschlägt. In diesem Fall wird zwar zunächst noch einmal der volle Kupon ausbezahlt. Für die Folgeperioden wird die Kuponzahlung jedoch auf den EZB-Leitzins reduziert. Der Anleger muss dann so lange mit einem verminderten Kupon vorliebnehmen, bis der Nominalwertverlust durch die einbehaltenen Zinsen wieder aufgeholt wurde. Sinkt der Wert der Anleihe unter 80 %, wird der Kupon gänzlich einbehalten. Diese Nullzins-Strategie wird so lange fortgeführt, bis der Nominalwertverlust wieder teilweise ausgeglichen ist und der Kurs über 80 % notiert.

Beispiel:

Der EuroStoxx50 Total Return Index notiert zu Beginn der Periode bei 4000 Punkten, der Basispreis wird bei 3800 Punkten (95 Prozent des Startwerts) festgelegt. Ein Monat später wird abgerechnet. Notiert der Index bei 3900 Punkten, ist alles o.k. Der Anleger erhält den fixierten Kupon, es entsteht kein Nominalwertverlust. Der Zins für die neue Periode wird auf EZB-Zins plus 3,0 % p.a. festgelegt. Schließt der Index hingegen bei 3500 Punkten (−12,5 %) – also deutlich unter dem Basispreis –, sinkt der Nominalwert. Durch den Risikopuffer (5 %) verliert die Anleihe aber deutlich weniger als der Index (−7,5 %). In der nächsten Runde wird dann allerdings nur der EZB-Zins ausbezahlt. Der Rest wird einbehalten, um das Minus auszugleichen.

Das Papier wird an der Börse in Stuttgart gehandelt und kostet aktuell rund 96,00 €. Die jährliche Managementgebühr beträgt 0,6 %.

Sonderstellung erschwert Vergleich

Ob die von der UBS angebotenen Konditionen für die rollierende Aktienanleihe fair sind, ist schwieriger einzuschätzen als bei konkurrierenden Anlageformen, wie z.B. einem Discount-Zertifikat. Denn beim Discount-Zertifikat wird dem Anleger der Sicherheitspuffer durch den im Vergleich zum Basiswert niedrigeren Preis des Zertifikats deutlich sichtbar gemacht. Bei der Aktienanleihe muss der Nominalzins in der Regel zunächst in Bezug zum Kaufniveau relativiert werden.

Denn wird eine Aktienanleihe nicht zum Starttermin erworben, liegt der Kurs nur selten bei exakt 100 %. Bewegt sich der Basiswert unterhalb der Schwelle, muss daher der Zins gedanklich in einen Puffer umgerechnet werden, um die tatsächliche Rendite zu ermitteln. Dies trifft auf die UBS-Aktienanleihe besonders zu, da der Zins – im Falle einer Unterschreitung der Schwelle im Basiswert – bereits aufgrund der Konstruktion so lange einbehalten wird, bis der Nominalwert wieder erreicht wird.

Die – zweifellos dem Rolling-Mechanismus geschuldete – Komplexität und in Teilen auch intransparente Konstruktion ist die größte Schwachstelle des Papiers. Dies wiegt umso schwerer, weil sich – im Gegensatz zu den Discount-Zertifikaten, bei denen sich alleine schon aufgrund der großen Konkurrenz faire Konditionen ergeben – bei der vorliegenden Aktienanleihe kaum Vergleichsmöglichkeiten anbieten.

Wenn Ihnen die Funktionsweise der rollierenden Aktienanleihe zu kompliziert ist, dann greifen Sie der besseren Vergleichbarkeit wegen zu klassischen Aktienanleihen. Wenn es das zu investierende Kapital zulässt, können Sie hier mit dem Kauf von Aktienanleihen auf Basiswerte aus verschiedenen Branchen und unterschiedlicher Fälligkeitstermine selbst eine vernünftige Risikostreuung aufbauen. Eine gute Übersicht über geeignete Aktienanleihen finden Sie auf den Seiten von finanztreff.de unter der Rubrik Zertifikate und dort unter Beste Aktienanleihen.

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