Sicherheitsnetz gerissen: Tausende von Bonus-Zertifikaten verloren ihren Bonus

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Der Kursrutsch an den europäischen Börsen wurde für viele Besitzer von Zertifikaten richtig teuer. Dabei mussten nicht nur die vergleichsweise riskanten Hebelprodukte kräftig Federn lassen. Auch die als sichere Alternative beworbenen Bonus-Zertifikate büßten spürbar an Wert ein.

Von den rund 57.000 an der Börse in Stuttgart gelisteten Bonus-Zertifikaten verletzten im Januar innerhalb weniger Tage mehr als 6.000 ihre Sicherheitsschwellen, die Mehrzahl davon als Basiswerte auf Einzelaktien (5.500). Deutlich besser schlugen sich Bonus-Zertifikate auf Indizes.

Klassische Bonus-Zertifikate beteiligen den Investor an einer Kursrallye des dem Bonus-Zertifikat zugrunde liegenden Basiswerts. Gleichzeitig bieten sie auch attraktive Renditen bei seitwärts tendierenden Märkten und - dank eines Sicherheitspuffers - auch bei fallenden Kursen. Dazu dürfen die Kursverluste des Basiswerts während der Laufzeit allerdings nicht zu hoch sein. Damit der Bonus gewährt wird, muss der Kurs des Basiswerts während der Laufzeit des Zertifikats stets oberhalb einer Sicherheitsschwelle notieren, deren Wert der Emittent zum Start des Produkts festlegt. Dabei gilt die Faustregel: Je größer der Bonus, desto kleiner fällt der Sicherheitspuffer aus.

Wird bei Bonus-Zertifikaten die Sicherheitsschwelle verletzt, geht der Anspruch auf eine Bonuszahlung verloren. Für die betroffenen Anleger bedeutet dies, dass sie theoretisch 1:1 an den Verlusten beteiligt sind. Rein praktisch dagegen erleiden sie höhere Verluste als beim Direktinvestment. Denn die Absicherung nach unten kostet Geld und das wird durch die Dividenden aufgebracht, an denen der Zertifikate-Käufer nicht beteiligt ist.

Lehren aus dem turbulenten Jahresbeginn für Käufer von Bonus-Zertifikaten

Käufer von Bonus-Zertifikaten sollten sich nicht blenden lassen von Investments mit angeblichen Bonus-Traumrenditen und sicheren Bonuspuffern. Produkte dieser Art bieten einen gewissen Teilschutz vor moderat fallenden Märkten. Eine volle Sicherung vor Kurscrashs wie im Januar 2008 bieten sie aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn Anleger auf zu geringe Sicherheitspuffer setzen, um als Ausgleich dafür eine höhere Bonuszahlung zu kassieren. Gleiches gilt übrigens auch für viele andere Produkte mit entsprechenden Risikopuffern wie z.B. Discount-Zertifikate oder Aktienanleihen. Der Mindestpuffer sollte bei 40 Prozent und höher liegen. Anleger, die in der Vergangenheit auf diese Papiere setzten, konnten so auch kräftigere Kursrückschläge in aller Ruhe aussitzen und am Ende doch noch die Bonuszahlung kassieren.

Geldtipp
Entscheidend vor dem Kauf von Zertifikaten ist die richtige Auswahl des Basiswerts. Grundsätzliche Fragen wie Branchenzugehörigkeit und deren Wertschwankungsanfälligkeit, Chancen der betroffenen Sparte, vor allem aber auch wichtige Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder Dividendenrendite, sollten Berücksichtigung finden. Indizes, besonders branchenübergreifende, bieten eine höhere Sicherheit als Einzeltitel. Deshalb empfehlen wir Zertifikate auf bekannte Börsenindizes. Stellen Sie sich vor dem Kauf auch die Frage, ob der Basiswert zur vorgegebenen Zertifikate-Struktur passt, ob der Sicherheitspuffer tatsächlich ausreichend ist, ob Chancen nach oben hin begrenzt werden, wie viel Dividenden zugunsten des Puffers verloren gehen, wie hoch die Gebühren sind, ob es andere Zertifikate-Strukturen gibt, vielleicht auch von Konkurrenzanbietern, die den Gegebenheiten besser angepasst sind.

Unberührt von den Kursstürzen der vergangenen Wochen waren so z.B. Bonus-Pro-Zertifikate, bei denen zwischenzeitliche Börsencrashs keinerlei Auswirkung haben. Entscheidend ist hier je nach Ausstattung der letzte Monat bzw. das letzte Vierteljahr, in dem die Schwelle nicht verletzt werden darf. Wer das Pech hatte, gerade in die jetzige Abschwungphase zu geraten, hatte natürlich auch hier das Nachsehen.

Geldtipp
Als Alternative bieten sich derzeit neu emittierte Best-Entry- bzw. Best-Start-Zertifikate an, die den besten Einstiegskurs meist innerhalb der ersten drei Monate festlegen, ebenso wie Höchststandsicherungsprodukte, die den einmal erreichten Kurshöchststand sichern. Erfolgsvoraussetzung bei beiden ist allerdings, dass die Kurse in der vorgegebenen Laufzeit wieder auf neue Hochs klettern.

Recovery-Mechanismus: Zweite Chance für Anleger nach einem Kursrutsch

Als Reaktion auf die turbulenten Januar-Wochen führte die US-Investmentbank JP Morgan eine neue Variante von Bonus-Zertifikaten am Markt ein. Das Capped-Recovery-Bonus-Zertifikat (WKN JPM0NA) hat eine Laufzeit von fünf Jahren (25.1.2013) und hat als Basiswert den EuroStoxx50. Bei diesem Papier ist der Bonus nach einem Bruch der Sicherheitsschwelle nicht automatisch verloren. Solange der EuroStoxx50 während der gesamten Laufzeit des Zertifikats oberhalb von 1.890 Punkten notiert (aktueller Indexstand: 3.700), erhält der Anleger am Ende der Laufzeit eine Rückzahlung von 150 Euro pro Zertifikat. Bei einem aktuellen Kurs von 99 Euro entspricht das einer Rendite von über neun Prozent pro Jahr. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bonus-Zertifikaten profitiert der Anleger jedoch nicht von weitergehenden Kurssteigerungen über den Bonuslevel hinaus.

Wird die Sicherheitsschwelle bei 1.890 Punkten verletzt, wird auch hier wie bei herkömmlichen Bonus-Zertifikaten der Bonusmechanismus zunächst außer Kraft gesetzt. Neu ist jedoch die Recovery-Funktion des Zertifikats. Dank dieser Eigenschaft kann der Anleger in der beschriebenen Situation weiter hoffen. Wenn sich der EuroStoxx50 wieder erholen sollte und auf den bei der Emission festgelegten Wert von 2.832 Punkten ansteigt, wird der Bonusmechanismus wieder aktiviert. Der einzige Nachteil an dem Zertifikat ist die mit knapp fünf Jahren doch noch recht lange Restlaufzeit.

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