Sell in may?

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Die Saisonalität an der Börse legt nahe, jetzt das Aktiendepot gegen Kursverluste abzusichern.

Sell in may and go away, but remember to be back in september ist eine altbekannte Börsenweisheit. Diese deutet auf einen Börsen-Winter im Sommer hin und besagt: Am besten im Mai die Schäfchen ins Trockene bringen und an der Börse erst wieder einsteigen, wenn das Herbstlaub zu fallen beginnt. Der Blick auf die vergangenen 30 Börsenjahre zeigt, dass an der Börsenweisheit etwas Wahres dran sein könnte.

Die Wintermonate schneiden tendenziell besser ab als die Sommermonate. Der Dezember brachte in 24 von 30 Fällen einen Kurszuwachs von durchschnittlich 1,95 %. Das macht ihn zum besten Börsenmonat. In der Regel sind die Sommermonate von einer eher durchwachsenen Tendenz geprägt. Besonders kritisch ist die Börsenlage in den Monaten August und September, in denen man am besten Urlaub macht und der Börse fernbleibt. Erst ab Oktober beginnt dann mit den letzten drei Monaten des Jahres eine sehr gute Phase, in welcher jeder Monat stärker als der vorausgegangene ist.

Wer bisher den Börsenzug verpasst hat, kann also durchaus in den nächsten Monaten noch einmal auf günstigere Einstiegskurse hoffen. Da die Flutung des Marktes mit billigem Geld durch die Europäische Zentralbank weiter anhält, dürften Kursrückschläge nur von kürzerer Dauer sein.

Anleger, die für die kommenden Monate fallende Kurse erwarten und in der Urlaubszeit ruhig schlafen wollen, sollten ihr Depot aber nicht komplett leer räumen. Denn durch den Kauf und späteren Wiedereinstieg fallen Gebühren an. Wer seine Börsengeschäfte noch traditionell bei der Hausbank um die Ecke abwickelt, zahlt so für Aktienorders rund 2 % an Gebühren. Und ob man dabei den idealen Aus- und Einstiegszeitpunkt erwischt, ist eher fraglich. Möglicherweise laufen einem im Spätsommer bei der Rückkehr aus dem Urlaub die Kurse davon.

Ein breit aufgestelltes Wertpapierdepot mit unterschiedlichen Anlageformen ist der wichtigste Schritt zu einer erfolgreichen Depot-Absicherung. Desto weniger die enthaltenen Positionen miteinander in Korrelation stehen, desto wirksamer ist die Absicherung. In einem Depot, in dem nur Aktien enthalten sind, ist die Korrelation der Werte zueinander leider deutlich höher als in einem Depot, das sich beispielsweise aus Aktien, Staatsanleihen, Immobilien, Edelmetallen und Rohstoffen sowie Fremdwährungsgeschäften zusammensetzt.

Die Absicherung des Wertpapierdepots mit Stop-Kursen

Durch das Verfolgen einer Stop-Loss-Strategie können Anleger Verlustbegrenzung betreiben bzw. bereits erzielte Gewinne absichern. Den richtigen Wert für den Stop-Loss zu finden, ist allerdings eine Kunst, die Übung und ein gutes taktisches Verständnis erfordert. Für Anleger ist es hierbei besonders wichtig zu wissen, dass bei einem Stop-Loss-Auftrag das betreffende Wertpapier nicht zum angegebenen Stop-Kurs verkauft wird. Vielmehr wird es bei Erreichen des vorgegebenen Limits bestens, also zum nächstbesten Kurs verkauft. Der Kurs, zu dem die Order dann ausgeführt wird, kann deshalb bei kräftigen Kursbewegungen auch erheblich unter der Stop-Loss-Marke liegen!

Neben einem ausreichenden Abstand zum aktuellen Kurs sollte bei einem Stop-Loss auch immer die Volatilität (= die Schwankungsbreite) des betreffenden Wertpapiers berücksichtigt werden. Je stärker der Kurs eines Wertpapiers schwankt, umso tiefer muss der Stop-Kurs unter den aktuellen Kurs gesetzt werden, um nicht voreilig ausgestoppt zu werden. Für sehr marktenge Werte empfiehlt sich aufgrund deren hoher Volatilität das Setzen eines Stop-Kurses nicht. Hier fahren Sie mit einem mentalen Stop-Loss besser, d.h., Sie beobachten laufend den Markt und setzen sich gedanklich eine Kursmarke, bei deren Erreichen Sie Ihre Wertpapierposition verkaufen. Große DAX-Werte hingegen lassen sich per Stop-Loss-Order sehr gut absichern.

Eine abgewandelte Variante des Stop-Loss-Kurses ist der sog. Trailing-Stop. Hierbei wandert das gesetzte Verkaufslimit kontinuierlich nach oben, wenn der Kurs des betreffenden Wertpapiers steigt. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Verluste begrenzen, sondern auch Gewinne absichern.

Die Depotabsicherung mit Reverse-Bonus-Zertifikaten

Auch mit dem Einsatz von Reverse-Bonus-Zertifikaten kann ein Depot gegen Kursverluste abgesichert werden. Wie der englische Name Reverse (übersetzt: zurückbewegen) schon andeutet, reagieren Reverse-Bonus-Zertifikate auf Kursbewegungen der zugrunde liegenden Basiswerte genau in die entgegengesetzte Richtung. Anleger setzen mit diesem Papier also nicht auf steigende, sondern auf fallende Kurse. Bei Reverse-Bonus-Zertifikaten liegt die entscheidende Sicherheitsschwelle nicht unter, sondern über dem aktuellen Kursniveau des Basiswertes. Die Bonusschwelle liegt dagegen bei diesen Papieren unter dem aktuellen Kursniveau des Basiswertes.

Wird diese Sicherheitsschwelle während der Laufzeit niemals berührt oder überschritten, so erhalten Anleger am Laufzeitende den Nennwert des Zertifikates inklusive einer Bonuszahlung zurückbezahlt. Je tiefer der zugrunde liegende Basiswert bei klassischen Reverse-Bonus-Zertifikaten unter die Bonusschwelle fällt, umso höher fällt am Laufzeitende der Rückzahlungsbetrag aus. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Bonus-Zertifikaten besitzen Reverse-Bonus-Zertifikate jedoch keine unbegrenzten Gewinnchancen. Denn unter den Wert null kann der zugrunde liegende Basiswert nicht fallen.

Eine große Auswahl an Reverse-Bonus-Zertifikaten finden Sie z.B. auf den Seiten von finanztreff.de. Unter der Rubrik Zertifikate können Sie dort mithilfe der Best Tools nach zur Absicherung für Ihr Depot geeigneten Reverse-Bonus-Zertifikaten suchen. Dank zahlreicher Filtereinstellungsmöglichkeiten können Sie so passgenau die zu Ihrem Depot passenden Papiere finden.

Die Depotabsicherung mit dem Einsatz von Put-Optionsscheinen

Die Absicherung eines Depots über Put-Optionsscheine erlaubt den vollständigen Schutz vor Kursverlusten. Allerdings sind dazu fortgeschrittene Kenntnisse beim Anleger über Funktionsweisen und Risiken von Optionsscheinen erforderlich. In Deutschland müssen Sie Ihre Termingeschäftsfähigkeit nachweisen und mittels Unterschrift versichern, dass Sie über die Risiken von Optionsscheinen informiert sind, bevor Sie diese zur Absicherung Ihres Depots einsetzen können.

Put-Optionsscheine funktionieren wie eine Wette auf den fallenden Kurs eines zugrunde liegenden Basiswertes. Kombiniert man einen Basiswert im richtigen Verhältnis mit einem entsprechenden Put-Optionsschein, so kann bei fallendem Kurs des Basiswertes der gesamte Kursverlust durch den gleichzeitigen Wertanstieg des Optionsscheines ausgeglichen werden. Diese Möglichkeit bezahlen Anleger mit den Risiken des Zeitwertverlustes sowie der Möglichkeit eines Knock-outs bei Optionsscheinen mit Knock-out-Schwelle.

Da sich der Kurs eines Optionsscheines überproportional zur Kursbewegung des Basiswertes ändert, genügt zur Absicherung einer Position eine wesentlich niedrigere Summe, als für das Basisinvestment erforderlich war. Die Kaufsumme des Optionsscheines ist daher auch der maximale Verlust, den Sie erleiden, wenn der Basiswert so weit steigt, dass der zur Absicherung dienende Optionsschein wertlos verfällt.

Die Depotabsicherung mit Short Exchange Traded Funds

Wer normale Exchange Traded Funds (ETFs) kauft, setzt damit auf steigende Kurse. Die börsentäglich gehandelten Papiere bilden einen bestimmten Börsenindex möglichst exakt nach, also im Verhältnis 1:1 – in der Fachsprache auch Tracking genannt. Folgerichtig verläuft die Kursentwicklung eines ETF nahezu parallel zum jeweiligen Börsenindex. Durch eine einzige Transaktion an der Börse erwerben Sie so einen Korb von Wertpapieren, dessen Wertentwicklung weitestgehend der des zugrunde liegenden Index entspricht.

In den vergangenen Jahren sind immer mehr sog. Short-ETFs von den Emittenten auf den Markt gebracht worden. Im Gegensatz zu den klassischen ETFs setzen Sie mit dem Kauf von Short-ETFs ganz gezielt auf fallende Märkte. Short-ETFs bilden die Wertentwicklung der zugrunde liegenden Indizes auf täglicher Basis spiegelbildlich ab. Fällt also der DAX etwa an einem Tag um 3 %, dann gewinnt zeitgleich ein Short-ETF auf den DAX diese 3 % an Wert hinzu.

Nachfolgend ein Überblick über die drei für deutsche Anleger wichtigsten Börsenindizes mit den entsprechenden Short-ETFs:

  • Short-ETF auf den DAX: Der Short-ETF db x-trackers ShortDAX Daily (WKN: DBX1DS) verlangt jährliche Managementgebühren von 0,4 %. Der Short-ETF stammt aus dem Hause db x-trackers, der ETF-Tochter der Deutschen Bank.

  • Short-ETF auf den EuroStoxx50: Wer skeptisch hinsichtlich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung im Euroland ist, greift zum db-x trackers DJ Euro STOXX 50 Short Daily (WKN: DBX1SS). Auch hier betragen die jährlichen Managementgebühren 0,4 %.

  • Short-ETF auf den S&P 500: Um auf fallende Notierungen an den Börsen in den USA zu setzen, eignet sich der Short-ETF db x-trackers S&P 500 Inverse Daily (WKN: DBX1AC). An jährlichen Managementgebühren fallen hier 0,5 % an.

Wer den Einsatz von Short-ETFs zur Absicherung für sein Depot erwägt, sollte auch die Tücken der Short-ETFs kennen. Die exakt gegenläufige Entwicklung von Index und Short-Index funktioniert nur vom Schlusskurs eines Tages zum nächsten.

Über einen längeren Zeitraum von Wochen und Monaten kann die Entwicklung durchaus auseinanderdriften! Für die Unterschiede bei der Wertentwicklung sorgt eine mathematische Besonderheit: Der Short-Index spiegelt die tägliche umgekehrte prozentuale Entwicklung des Index wider. Vereinfacht dargestellt heißt das: Steigt der Index an einem Tag um 10 % und fällt am nächsten Tag wieder auf sein Ausgangsniveau um 9,1 % zurück, hat sich im Index kein Gewinn oder Verlust ergeben. Die Short-Position jedoch liegt im Minus, da der Verlust mit 10 % und der Gewinn nur mit 9,1 % zu Buche schlägt. Über einen längeren Zeitraum können so massive Abweichungen entstehen, besonders wenn kein eindeutiger Abwärtstrend vorliegt. Im Extremfall können Short-ETFs über einen längeren Zeitraum sogar Verluste einfahren, obwohl der Ausgangsindex ebenfalls im Minus liegt. In den zwölf Monaten nach der Lehman-Pleite 2008 büßte der DAX z.B. 9,8 % an Wert ein. Der Short-DAX dagegen gewann nicht etwa 9,8 %, sondern verlor sogar 3,7 %.

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