Neue Ordervarianten an der Stuttgarter Börse erhöhen die Flexibilität für den privaten Anleger

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Wer Wertpapiere an der Börse handeln möchte, sollte sich künftig an drei neue Abkürzungen gewöhnen. An der Stuttgarter Börse kann der Anleger seit kurzem "SLO", "TSO" und "OCO" nutzen. Hinter diesen Kürzeln verbergen sich drei neue Ordervarianten, mit denen Investoren ihre Kauf- und Verkaufaufträge noch genauer an die jeweilige Marktbedingungen und ihre persönlichen Erwartungen anpassen können.

Was an der Stuttgarter Börse neu eingeführt wurde, ist jedoch nicht komplett neu. Teils werden die modernen Ordertypen an Börsen wie Xetra und Tradegate Exchange sowie im außerbörslichen Handel bereits angeboten. Mit der Einführung an der Stuttgarter Börse wächst jedoch der Druck auf Banken und Brokerhäuser, ihren Kunden die neuen Ordervarianten ebenfalls anzubieten. Für die Anleger ist das vorteilhaft, denn viele Privatanleger haben oft nicht die Möglichkeit, fortlaufend die Entwicklung der Märkte zu beobachten. Mit den neuen Ordervarianten fällt es künftig leichter, Anlagerisiken zu begrenzen.

Für Kauf- und Verkaufsaufträge gibt es an den Börsen verschiedene Möglichkeiten und unterschiedliche Ordervarianten. Wenn ein Anleger z.B. eine Kauforder erteilt und dabei keine Einschränkungen macht, wird diese vom Händler stets unlimitiert ausgeführt. Das Papier wird dann "billigst" gekauft. Das heißt, das Wertpapier wird beim nächsten Angebot gekauft, egal zu welchem Preis. Analog hierzu wird bei einem unlimitierten Verkaufsauftrag das Papier "bestens" verkauft.

Bei unlimitierten Aufträgen besteht das Risiko, dass der Handel zu einem Preis zu Stande kommt, der möglicherweise weit oberhalb oder unterhalb der eigentlichen Vorstellung des Käufers oder Verkäufers liegt. Deshalb kann der Anleger bei der Orderaufgabe Kurslimits setzen, bis zu denen der Auftrag ausgeführt werden soll. Wer ein solches Limit setzt, muss im Gegenzug allerdings damit rechnen, dass seine Order nicht zum Zuge kommt.

Als Notbremse gegen Kursverluste diente bisher die "Stop-Loss-Order". Dabei handelt es sich um eine Verkaufsorder, die dann aktiviert wird, wenn der Kurs auf ein vom Anleger festgelegtes Niveau oder darunter fällt. Der Stop-Kurs ist die Marke, die erreicht sein muss, damit die Order ausgeführt wird. Der Auftrag wird dann wiederum zum nächstmöglichen Kurs, also bestens, ausgeführt. Die entsprechende Kauforder heißt "Stop-Buy-Order". Der Kurs, zu dem der Handel bei Stop-Loss und Stop-Buy zustande kommt, kann – wie bei unlimitierten Aufträgen – jeweils deutlich vom Stop-Kurs abweichen.

Genau an diesem Punkt setzt eine der neuen Ordervarianten an: Die sogenannte "Stop-Limit-Order (SLO)". Bei dieser Variante wird nach dem Erreichen des Stop-Kurses nicht sofort ein unlimitierter Verkauf eingeleitet. Das Wertpapier wird erst dann verkauft, wenn das Kursniveau zusätzlich ein bei der Orderaufgabe vorher festgelegtes Kurslimit nicht unterschreitet. Limit-Order und Stop-Loss Order werden also miteinander kombiniert. Dadurch lässt sich bei einem plötzlichen Kurssturz vermeiden, dass das Wertpapier unlimitiert zu einem sehr ungünstigen Kurs verkauft wird. Offen bleibt jedoch die Frage, ob der gewünschte Limitkurs überhaupt erreicht wird. Der Anleger behält das Papier möglicherweise erst einmal weiterhin im Depot.

Tipp
Wer sich für diese Variante entscheidet, sollte bedenken, dass die Order nach Aktivierung durch die Stop-Loss-Marke im Auftragsbuch verbleibt, bis das gesetzte Limit erreicht ist.

Wer bisher Stop-Loss-Orders einsetzte, musste darauf achten, bei einer Kursrallye des Papiers die Stop-Marke nach oben anzupassen, um die Kursgewinne zu sichern. In Zukunft übernimmt die "Trailing-Stop-Order (TSO)" diese Aufgabe: Der Stop-Kurs wird immer um einen zuvor definierten Abstand nachgezogen. Steigt z.B. eine Aktie von acht auf zehn Euro und der Anleger hat eine Trailing-Stop-Order mit einem Abstand von 0,50 Euro erteilt, steigt der Stop-Kurs automatisch ebenfalls auf 9,50 Euro. Wird der Kurs ereicht, wandert die Aktie ohne Limit in den Markt und wird zum nächsten Kurs ausgeführt.

Tipp
Insbesondere in der Urlaubszeit lohnt es, Aufträge mit einem Trailing-Stop zu versehen, um an steigenden Kursen zu partizipieren und bei Rückschlägen rechtzeitig auszusteigen.

Bei der "One-Cancels-Other-Order (COC)" schließlich handelt es sich um die Möglichkeit, zwei oder mehrere Orders miteinander zu verknüpfen, wobei die eine Order sofort nach der Ausführung der anderen Order erlischt. So lässt sich z.B. ein Verkaufslimit mit einem Stop-Loss kombinieren. Der Anleger legt z.B. mit dem Verkaufslimit einen Kurs oberhalb des aktuellen Kursniveaus fest, ab dem er verkaufen und Gewinne kassieren möchte. Gleichzeitig gibt er ein Stop-Loss an, das ihn vor unerwünschten Kursrückschlägen schützen kann. Es veranlasst den Verkauf, sobald ein bestimmter Kurs unterschritten.

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