Mit Zertifikatefonds Abgeltungsteuer sparen

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Strukturierte Fonds sind aus steuerlicher Sicht derzeit das Instrument der Wahl. Im Fonds-Mantel bieten sie das Auszahlungsprofil eines Zertifikats.

Nach dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 erlebten Zertifikate eine Boom-Phase. Per Ende Juni 2008 erreichten sie in Deutschland ein Volumen von beachtlichen 125,2 Mrd. Euro, Ende 2004 waren es erst 30 Mrd. Euro. Besonders gut verkaufen sich Produkte mit vollem oder teilweisem Kapitalschutz, wie z.B. Garantie-, Bonus- und Teilschutz- sowie Express-Zertifikate. Der Anteil dieser Produkte am Gesamt-Zertifikatevolumen beträgt 72%. Der Grund: Nur zu gerne glaubt der Anleger, dass er nach oben dabei und nach unten abgesichert ist. Wegen der Kosten stellen viele Anleger aber am Ende der Laufzeit fest, dass sie unterm Strich recht wenig verdient haben.

Die Margen der Produktanbieter sind bei Zertifikaten nämlich mit rund 1-2% pro Jahr Laufzeit sehr hoch; hinzu kommt das Agio. Bei einem vier bis fünf Jahre laufenden Zertifikat sind also 8% Marge enthalten, plus Agio. Mit ihren Kosten liegen Zertifikate zwar meist unterhalb von Fonds, nur sind sie in einem Zertifikat viel schwerer zu erkennen, da es sich um derivate Strukturen handelt.

Geldtipp
Wenn Ihr Berater von einem besonders interessanten Zertifikat schwärmt, bedenken Sie, dass auch die hohe Provision ein Grund für die Begeisterung sein kann.

Steuervorteile für Zertifikate sind passé

Trotz der Kosten boten sich bis Anfang 2007 Zertifikate an, um steuerpflichtige Zins- und Dividendenerträge in steuerfreie Kursgewinne umzuwandeln. Inzwischen dürfte es mit dem Interesse an Zertifikaten erst einmal vorbei sein, denn die Altbestands-Regelung für Zertifikate ist bereits seit 15.3.2007 abgelaufen. Allerdings genießen noch solche Zertifikate Bestandsschutz, die man bis zum 30.6.2009 verkauft bzw. die bis zu diesem Termin fällig werden. Da aber Privatanleger ihre Wertpapiere mindestens 12 Monate und einen Tag halten müssen, ist seit Ende Juni 2008 der letzte Zeitpunkt verstrichen, steuergünstig in Zertifikate zu investieren.

Offenbar konzentrieren sich Anlageberater jetzt auf Fonds, da diese noch den Bestandsschutz genießen. Ab 1.1.2009 beginnt ein neues Spiel: Nach diesem Zeitpunkt gekaufte Papiere unterliegen alle der neu eingeführten Abgeltungsteuer - egal ob es sich um einen Fonds oder ein Zertifikat handelt.

Geldtipp
Nutzen Sie die Altbestandsregelung bei Fonds bis zum 31.12.2008. Aber verschieben Sie die Entscheidung nicht auf den letzten Tag. Durch die Feiertage, das Wochenende und mindestens drei Valutatage bei Fonds sind die Papiere sonst womöglich nicht vor dem 1.1.2009 in Ihrem Depot.

Vor- und Nachteile bei Zertifikatefonds

Zertifikatefonds bieten den Vorteil, dass sie durch die breite Streuung über unterschiedliche Zertifikatestrukturen die Risiken im Vergleich zum Einzelzertifikat reduzieren. Außerdem sollten das professionelle Management und die Kostenvorteile des Fonds als Großeinkäufer positiv zu Buche schlagen. Aber die Medaille hat auch eine Kehrseite: Während der Vorteil eines Zertifikats das trennscharfe Auszahlungsprofil ist, geht dieser Effekt bei einem Zertifikatefonds durch die Bündelung verschiedener Laufzeiten und Strukturen unter und verschwimmt.

Trotzdem sind Zertifikatefonds beliebt und es gibt bereits über 30 davon (siehe unten stehende Tabelle). Die Ergebnisse im September 2008 zeigen aber, dass auch diese Fondskategorie nicht vor der aktuellen Krise an den Finanzmärkten verschont blieb. Offenbar wurden viele Barrieren bei Bonus-Zertifikaten gerissen. Zertifikatefonds fielen im Wert zwar weniger als international ausgerichtete Aktienfonds, aber dennoch liegen die Ergebnisse in den ersten acht Monaten 2008 teilweise bei enttäuschenden minus 20%.

Steuerliches Damoklesschwert über Zertifikatefonds

Über Zertifikatefonds schwebt ein Damoklesschwert: Im Rahmen der Arbeiten am Jahressteuergesetz 2009 wird verhandelt, ob Fonds-Gewinne aus dem Verkauf von Zertifikaten, die der Fonds nach dem 1.1.2009 kauft, den Zinsen steuerlich gleichgestellt werden. Dadurch würden Zertifikatefonds steuerlich uninteressant. Wenn dies so verabschiedet wird, würden die Fondshäuser wohl verstärkt selbst die Zertifikatestrukturen innerhalb des Fonds nachbauen, was sie zum Teil auch jetzt schon tun.

Zertifikateähnliche oder strukturierte Fonds?

Einige Fondsgesellschaften sind bereits einen Schritt weiter gegangen und legen gleich Fonds auf, die ein ähnliches Auszahlungsprofil wie ein Zertifikat haben. Im Prinzip handelt es sich um ein Zertifikat, nur in der Rechtsform des Fonds. Diese strukturierten Fonds haben viele Vorteile:
  • Sie bieten ein genaues Auszahlungsprofil an, mit Barriere, Bonus-Niveau etc. - wie ein Zertifikat -, also formelgetrieben.
  • Während Zertifikatefonds zwei Gebührenebenen haben, gibt es bei diesen strukturierten Fonds nur eine Gebührenebene. Beispielsweise entfallen die Spreads, die sonst beim An- und Verkauf der Zertifikate anfallen.
  • Da es sich um ein Sondervermögen handelt, entfällt das Emittenten-Risiko.
  • Keine Transaktionskosten im Fonds (da passives Produkt).
  • Steuerlicher Bestandsschutz, wenn sie vor dem 1.1.2009 erworben werden.
Der Bestandsschutz ist besonders interessant, da solche zertifikateähnlichen Fonds über Termingeschäfte zu 100% steuerfreie Gewinne produzieren. Wichtig ist lediglich, dass der Anleger die Anteile vor dem 1.1.2009 erwirbt. Folgende Gesellschaften bieten zertifikateähnliche Fonds an:
  • Deutsche Bank x-markets,
  • HypoVereinsbank,
  • Oppenheim,
  • UBS.
Außerdem unterliegt ein strukturierter Fonds denselben Transparenzanforderungen wie andere Investmentfonds. Andererseits sind die Managementgebühren für ein passives Produkt - und nichts anderes sind strukturierte Fonds - oft nicht gerade günstig.

Zins-Zertifikate: Profitieren von attraktiven Zinsen am Euro-Geldmarkt

Die andauernde US-Kreditkrise, kombiniert mit Konjunktursorgen und Inflationsängsten sorgt bei deutschen Anlegern weiter für Verunsicherung. Vor diesem Hintergrund legen immer mehr Anleger ihre Gelder auf Tagesgeldkonten an. Schließlich können sie hier sorgenfrei ihr Geld parken, Zinsen kassieren und doch jeden Tag über ihr Geld verfügen, sollte sich die Lage an den Finanzmärkten wieder entspannen.

Leider sind die wirklich attraktiven Angebote der Anbieter von Tagesgeldkonten oft auf bestimmte Maximalbeträge beschränkt, gelten nur für Neukunden oder für eng begrenzte Zeiträume. Um tatsächlich das Optimum herauszuholen, müssten Anleger - mit höheren Anlagevolumen - somit ständig die Bank wechseln.

Funktionsweise von Zins-Zertifikaten

Hier bieten börsengehandelte Zins-Zertifikate eine Alternative. Anleger haben bei der richtigen Auswahl von Papieren die Chance auf attraktive Zinsen, ohne den Umweg von ständigen Kontoeröffnungen bei einer anderen Bank gehen zu müssen. Zins-Zertifikate zahlen die anfallenden Zinsen jedoch im Gegensatz zu herkömmlichen Anleihen oder Tagesgeldkonten nicht aus, sondern reinvestieren alle Zinsausschüttungen. Anleger partizipieren somit über die Wertsteigerung der Zertifikate an den Zinserträgen.

Beispiel:
Ein Anleger kauft zum Emissionspreis von 100 Euro ein Zins-Zertifikat. Der Zinsertrag wird dem Papier täglich gutgeschrieben. Notiert nach einiger Zeit der dem Papier zugrunde liegende Index bei 105,50 Euro, dann notiert auch das Zertifikat bei 105,50 Euro. Verkauft der Anleger nun sein Zertifikat, erhält er die anfänglich bezahlten 100 Euro plus einem Zinsertrag in Höhe von 5,50 Euro ausgezahlt. Bei einem Zinssatz von 4% würde ein Anleger beispielsweise, der 10.000 Euro in Zins-Zertifikate investiert, bei unverändertem Zins jährlich 400 Euro an Zinsen erwirtschaften. Pro Tag würde der Wert seiner Zertifikate an der Börse somit um knapp 1,10 Euro zulegen (400 Euro: 365 Tage).

Das Tagesgeld-XXL-Zertifikat der ABN Amro Bank

Für Anleger, die angesichts der Börsenturbulenzen auf Nummer sicher gehen wollen, bietet ABN Amro jetzt das Tagesgeld-XXL-Zertifikat (WKN: AA01PQ) an. Die Verzinsung des Zertifikats mit einer Laufzeit von fünf Jahren orientiert sich am dreimonatigen europäischen Interbankenzins EURIBOR. Die Euro Interbank Offered Rate oder abgekürzt EURIBOR ist der Zinssatz für Termingelder im Interbankengeschäft. Der Europäischen Zentralbank (EZB) werden täglich die Angebotssätze für Ein- bis Zwölfmonatsgehälter von 57 Kreditinstituten aus ganz Europa gemeldet. Die EZB berechnet daraus den Zinssatz für 3-Monats-Einlagen der europäischen Banken.

Mit dem Tagesgeld-XXL-Zertifikat können nun auch Privatinvestoren in den Genuss der 3-Monats-Zinssätze der Europäischen Banken kommen. Dazu wird der Basiswert des Tagesgeld-XXL-Zertifikats, der 3-Monats-EURIBOR, alle drei Monate fixiert und auf einer täglichen Basis dem Zins-Zertifikat gutgeschrieben. Aktuell liegt der 3-Monats-EURIBOR bei knapp 5%. Im direkten Vergleich ist das Angebot von ABN Amro tatsächlich attraktiver als die Zinskonditionen der meisten Anbieter von Tagesgeldkonten.
Geldtipp
Den aktuellen Wert für die verschiedenen Laufzeiten des EURIBORS finden Sie im Internet unter http://de.euribor-rates.eu/.

Auf der Kostenseite fallen für den Anleger, außer dem Unterschied zwischen Geld- und Briefkurs (Spread) von 0,25%, keine weiteren Gebühren an. Die angefallenen Zinsen werden zu 100% an die Kunden weitergegeben. Ähnlich wie bei einem Sparbuch, nur mit einem deutlich höheren Zinssatz. Das Tagesgeld-XXL-Zertifikat ist an der Frankfurter und Stuttgarter Börse notiert und kann dort börsentäglich erworben und wieder verkauft werden. Zurzeit kostet ein Zertifikat 101,20 Euro.

Ein Manko gegenüber einem Tagesgeldkonto bleibt jedoch: Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers hat ein spezifisches Risiko von Zertifikaten als Anlageklasse deutlich gemacht: Sie sind im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Emittenten nicht geschützt. Der Totalverlust des Kapitals ist möglich. Dem Anleger muss beim Kauf von Zertifikaten klar sein, dass es für Zertifikate einen deutlich geringeren Schutz gibt als bei den meisten anderen Finanzprodukten. So sind Fonds als Sondervermögen im Insolvenzfall ebenso vor fremdem Zugriff geschützt wie Aktiendepots. Sparbücher, Festgelder und Tagesgeldkonten sind zumindest in Teilen durch Einlagensicherungssysteme geschützt.

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