Mit Penny-Stocks auf Opfersuche

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Besonders beliebt bei unseriösen Vermittlern sind Aktien von Unternehmen aus den USA oder Kanada, die keine Börsenzulassung besitzen. Diese werden daher außerhalb des offiziellen Börsenmarkts verkauft.

Der Vertrieb außerhalb der Börse führte auch zur Bezeichnung OTC-Aktien (von englisch over the counter = außerhalb des Bankschalters). Um eine Beteiligung attraktiv erscheinen zu lassen, sind die einzelnen Aktien meist schon für wenige Cents erhältlich. Deshalb werden diese Papiere auch als Penny-Stocks (deutsch: Pfennigaktien) bezeichnet.

Die optisch niedrigen Kurse von Penny-Stocks verleiten viele ahnungslose Investoren zu Investitionen in nahezu wertlose Unternehmen. Denn kostet ein Papier beispielsweise 0,50 US-Dollar, so reicht bereits ein Anstieg um einen halben US-Dollar für einen Gewinn von 100 % aus, so die Denkweise der Anleger. Bei einer Aktie, die 50,00 US-Dollar  kostet, macht dagegen der gleiche absolute Zuwachs gerade einmal ein Prozent aus.

Für einen risikofreudigen Anleger ist grundsätzlich nichts gegen den Erwerb von Penny-Stocks einzuwenden. Denn dem naturgemäß hohen Risiko dieser Anlageform stehen auch erhebliche Wachstumsaussichten gegenüber. Viele der heute renommierten Aktiengesellschaften haben ihr Wachstum über die Emission von Penny-Stocks finanziert. Unseriöse Anlagevermittler, die oft als Broker (Wertpapierhändler) auftreten, verwenden diese Papiere jedoch gerne, um zulasten schlecht informierter Anleger Kasse zu machen. Dabei verhalten sich die Vermittler insbesondere in folgenden Punkten unkorrekt bis betrügerisch:

  • Fehlende Aufklärung des Anlegers über das Wesen und das mit OTC-Aktien verbundene Risiko: So werden dem Anleger oftmals OTC-Papiere als ganz normale Aktien verkauft, obwohl das Risiko eines Totalverlustes beim Engagement in diesen Werten ungleich höher ist als beispielsweise mit börsennotierten Standardwerten.

  • Irreführende Informationen über die Situation des Unternehmens: Aktien mit nur geringem Substanz- und Ertragswert werden als erstklassige Wachstumspapiere mit hervorragenden Chancen verkauft. Die Schönfärberei bei den Angaben zum Unternehmen ist nur schwer von Ihnen zu erkennen, da Firmensitz und Vermögenspositionen regelmäßig in fremden Ländern liegen. Meist fehlt es auch an aussagekräftigen schriftlichen Informationen über die jeweiligen Firmen.

  • Vertrieb von wertlosen Aktien: Nicht selten werden Aktien verkauft, obwohl die entsprechende Gesellschaft bereits in Auflösung begriffen ist oder gar ihre Geschäftstätigkeit eingestellt hat. Häufig werden OTC-Gesellschaften bereits in betrügerischer Absicht, das heißt nur zum Zweck des Geldeinsammelns gegründet. Unternehmenssubstanz und ein echter Unternehmenszweck sind so von vornherein nicht vorhanden. Oder das Firmenvermögen besteht ausschließlich in bloßen Geschäftsideen, vorgetäuschten Schürf- und Bohrrechten, wertlosen Patenten oder verlassenen Minen.

  • Manipulation der Kurse: Viele Penny-Stocks, die im amerikanischen OTC-Markt notiert sind, besitzen eine relativ geringe Marktkapitalisierung. Der Börsenwert der Unternehmen beträgt oft nur einige Hunderttausend Dollar. Dies nutzen betrügerische Brokerfirmen aus, indem sie nach und nach einen Großteil der ausstehenden Aktien zum Kurs von wenigen Cent aufkaufen. Mit geschickt platzierten Gerüchten und spannenden Unternehmensschilderungen wird nun die Nachfrage nach diesen Penny-Stocks angekurbelt. Da kaum mehr frei handelbare Aktien auf dem Markt vorhanden sind, sorgt die wachsende Nachfrage der Anleger schnell für steigende Kurse. Die Betrüger steigen nun peu à peu zu deutlich höheren Kursen wieder aus. Die Opfer merken den Betrug meist erst beim späteren Verkauf ihrer Aktien. Denn dann finden sich für die nahezu wertlosen Papiere keine Käufer mehr.

  • Hohe Gebühren, Nebenkosten und Margen: Im Regelfall erfahren die Käufer von OTC-Werten erst nachträglich, welch hohe Nebenkosten bei Erwerb und Veräußerung dieser Papiere anfallen. Denn bei amerikanischen Aktien wird die Höhe der Provision meist nach der Stückzahl der erworbenen Papiere berechnet und nicht wie hierzulande üblich nach dem Transaktionsvolumen. Da Sie jedoch bei Penny-Stocks wegen der niedrigen Kurse, selbst bei kleineren Aufträgen, automatisch größere Stückzahlen erwerben, steigt der prozentuale Spesenanteil kräftig an. Abwicklungspesen von fünf Prozent der Anlagesumme und mehr sind deswegen beim Handel von Penny-Stocks keine Seltenheit. Diese müssen jedoch erst einmal verdient werden. Zusätzlich negativ wirkt sich der optisch billige Kurs auf die Geld-Brief-Spanne, dem Spread , aus. Zu diesen Preisen ist der Makler bereit, Papiere zurückzukaufen (Briefkurs) oder anzubieten (Geldkurs). Die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs beträgt bei Standardaktien normalerweise ein Achtel bis zu einem Viertel Dollar. Bezogen auf einen Kurs von beispielsweise 100,00 US-Dollar ist dies akzeptabel. Bei Penny-Stocks jedoch können die An- und Verkaufskurse an einem Tag durchaus um 20 % bis 30 % auseinanderliegen. Dies bedeutet, dass Ihre Penny-Stocks zunächst einmal um diese Prozentsätze zulegen müssen, damit Sie mit Ihren Papieren in die Gewinnzone gelangen. Kurzfristig ausgerichtete Engagements sowie ein Trading in OTC-Werten verbieten sich folglich von selbst.

Unseriöse Vermittler werben beim Verkauf von Penny-Stocks gern mit den besonders strengen US-amerikanischen Anlegerschutzbestimmungen. Für Staatsbürger anderer Nationen sind diese jedoch nur eingeschränkt gültig.

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