Mit dem steigenden Ölpreis auf Renditejagd

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Der große Schreck kommt beim Besuch der Tankstelle: Ganz gleich ob Diesel oder Benzin, die Spritpreise ziehen wieder deutlich an. Der Grund: Der Ölpreis liegt erstmals seit der Lehman-Pleite wieder über 100 US-Dollar.

Auslöser dieser Preisspitze sind die Massenproteste in Ägypten, ein wichtiges Transitland für Öl nach Europa aus dem arabischen Raum. Niemand weiß, wie sich ein Machtwechsel auf die Region auswirkt. Erst Tunesien, dann Ägypten, nun Libyen, welcher Alleinherrscher aus den ölreichen Staaten Nordafrikas und dem nahen Osten wird als nächster aus dem Amt gejagt?

Doch den Ölpreis treiben derzeit nicht nur politische Unwägbarkeiten, auch das Gesetz von Angebot und Nachfrage spricht für eine Fortsetzung des Anstiegs. Denn der Bedarf an dem schwarzen Gold steigt schneller als erwartet. Vor allem China dürstet es nach Energie für die boomende Wirtschaft. Selbst in den USA steigt der Ölbedarf überraschend an. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) lag der weltweite Ölverbrauch pro Tag im vergangenen Dezember 2,4 Mio. Fass höher als im Vorjahr. Noch Anfang des Jahres ging die IEA von einem Anstieg von nur 1,4 Mio. Fass aus. Es ist davon auszugehen, dass sich die Nachfrage im Jahr 2011 mindestens auf das Niveau vor der Finanzkrise erhöht.

Ein Großteil des geförderten Öls wird für die Herstellung von Benzin verwendet. Allein in den USA macht die Verarbeitung zu Benzin mehr als die Hälfte der Rohölnutzung aus. Und mit einem Anteil von 40 Prozent ist Rohöl zugleich der wichtigste Energielieferant weltweit. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach dem schwarzen Gold, allen voran aus China. Wenn erst die Wachstumsregionen vollständig entwickelt sind, dann wird der Pro-Kopf-Verbrauch an Öl noch sehr viel höher liegen als heute. Eine deutliche Abschwächung auf der Nachfrageseite ist daher nicht absehbar. Um den Ölpreis im Zaum zu halten oder gar sinken zu lassen, müsste sich somit die Angebotsseite deutlich ausweiten. Aber die Vorräte an einem fossilen Brennstoff wie Öl sind nun einmal begrenzt.

Kein Ausweg also aus der Preisspirale? Was den Autofahrer, Hausbesitzer oder Mieter als Verbraucher ärgert, kann für ihn als Anleger ein Segen sein. Wer sich gegen steigende Energiepreise absichern oder einfach an der Wertentwicklung dieser Rohstoffe teilhaben will, kann über entsprechende Zertifikate mit überschaubarem Risiko in diesem Markt investieren. Die Anleger sollten jedoch nicht blind zugreifen. Denn viele Zertifikate beziehen sich auf Terminmarktpreise und haben neben der reinen Preisentwicklung des Rohöls noch weitere Einflussfaktoren.

Ölpreis ist nicht gleich Ölpreis

Wovon ist eigentlich die Rede, wenn verallgemeinert vom Ölpreis gesprochen wird? Öl ist nicht gleich Öl. Rohöl ist ein fossiler Brennstoff, ein vergleichsweise kompliziertes chemisches Gemisch, das in Dutzenden Millionen Jahren in bestimmten Erdregionen aus organischer Materie entstanden ist. Dieses Gemisch hat in jedem Fördergebiet eine andere Qualität und einen anderen Preis. Die beiden teuren Ölsorten West Texas Intermediate (WTI) und Brent z.B. sind leichte, süßliche Rohöle. WTI wird in den USA, Brent in der Nordsee zwischen den Shetlandinseln und Norwegen gefördert.

Dagegen haben die Golfstaaten und andere exotische Ölexporteure vor allem schweres und weniger süßes Erdöl anzubieten. Dieses Öl ist schwieriger zu verarbeiten und ist darum stets einige Prozent billiger als das Nordseeöl. Die beiden Leichtöle werden wegen ihrer geringen Dichte und des geringen Schwefelgehalts gegenüber schweren Ölsorten bevorzugt, da sie sich besser zur Produktion von Benzin, Heizöl oder Kerosin eignen.

Die Preise für WTI- und Brent-Öl weichen normalerweise nur wenig voneinander ab und gelten beide als Kursbarometer für den Wert des schwarzen Goldes weltweit. Wenn hierzulande in den Nachrichten vom Ölpreis die Rede ist, dann ist i.d.R. der Preis für ein Barrel (ein Fass mit 158,9872 Litern) Brent Crude Oil gemeint, der in Europa wichtigsten Ölsorte. Gehandelt wird es in London an der Warenterminbörse Intercontinental Exchange (ICE) von professionellen Ölhändlern, Bankern und Brokern. Die Ölpreise werden in US-Dollar notiert.

Bei Öl-Engagements auf Terminmarkt-Besonderheiten beachten

Eigentlich sollte Anlegern, die in den letzten Monaten ein Zertifikat auf den Ölpreis gekauft haben, der Blick ins Depot derzeit viel Spaß bereiten. Schließlich ist der Preis des schwarzen Goldes zuletzt kräftig gestiegen. Doch viele Öl-Zertifikate traten häufig auf der Stelle. Ursache dafür ist, dass die Emittenten über Terminkontrakte in den Rohstoff investieren. Diese Futures sind eine Wette auf den Ölpreis. Da Börsianer momentan davon ausgehen, dass das schwarze Gold künftig teurer wird, kosten später fällige Futures mehr als kurzfristig auslaufende.

Diese Situation wird Contango genannt. Da eine physische Lieferung nicht gewünscht ist, müssen die Terminkontrakte kurz vor der Fälligkeit in einen Future mit längerer Laufzeit "gerollt" werden.

Das kann jedoch teuer werden: Beim notwendigen Tausch der Futures entstehen für Anleger immer wieder Rollverluste. Nicht selten verursachen sie jährlich 15 Prozent oder mehr an Kosten, was die oftmals dürftig ausfallenden Renditen bei klassischen Öl-Zertifikaten erklärt. Es gibt auch die umgekehrte Situation – Backwardation genannt. Rechnet der Markt mit niedrigeren Preisen, sind länger laufende Kontrakte billiger als bald fällige. Die Anleger verdienen dann daran. Doch diese vorteilhafte Situation trat beim Ölpreis in den vergangenen Jahren kaum auf. Einige Emittenten versuchten daher, die Rollkosten durch eine Auswahl von Futures mit unterschiedlicher Laufzeit zu minimieren. Das gelang nur zum Teil. Durch die Glättung reduzierten sie sich zwar, blieben aber immer noch zu hoch.

Das Vontobel Oil-Strategy-Zertifikat

Das Schweizer Bankhaus Vontobel versucht, die Terminmarktproblematik mit einer anderen Vorgehensweise zu umgehen. Das von der Bank emittierte Vontobel Oil-Strategy-Zertifikat (WKN: VFP33M) wechselt zu diesem Zweck zwischen den Anlagen in Öl-Aktien und dem direkten Rohstoffinvestment hin und her.

Das sieht in der Praxis so aus: Einmal im Monat wird von den Schweizern ermittelt, ob eine Contango- oder eine Backwardation-Situation am Ölmarkt herrscht. Im ersten Fall wird in einen Aktienkorb investiert, der die zehn größten amerikanischen und kanadischen Ölgesellschaften enthält. Deren Aktien weisen über längere Laufzeiten eine enge Korrelation zum Ölpreis auf und dienen daher als guter Ersatz anstelle einer Investition in Öl-Futures.

Sind hingegen Rollgewinne zu erwarten, investiert das Zertifikat in Öl-Futures. Grundlage hierfür sind ausschließlich Kontrakte auf Öl der Sorte WTI mit der drittnächsten Fälligkeit. Bislang blieb das Öl-Zertifikat stur in Aktien investiert. Zeiten ohne Rollverluste hat der Ölmarkt nämlich schon lange nicht mehr gesehen. Die Anlageidee scheint zu funktionieren: Seit Auflage Mitte Mai 2009 liegt das Papier faktisch gleichauf mit der tatsächlichen Ölpreisentwicklung.

Bei der Investition in Aktien werden so namhafte Ölfirmen wie Chevron, Imperial Oil oder Exxon Mobil berücksichtigt. Die Dividendenzahlungen der Ölgesellschaften kommen dem Anleger voll zugute und erhöhen den Wert des Zertifikats. Eine Währungsabsicherung gegen Kursverluste des US-Dollars oder Kanada-Dollars gegenüber dem Euro besteht nicht. Die Laufzeit des Zertifikats ist unbegrenzt. An Managementgebühren fallen 1,2 Prozent p.a. an. Das an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart gehandelte Papier kostet derzeit rund 140 Euro.

Wem solche Zertifikate zu kompliziert aufgebaut sind oder wer Bedenken hat wegen des Emittentenrisikos bei Zertifikaten, kann direkt auf einen Exchange Traded Fund (ETF) setzen, der in europäische Ölaktien investiert.

Tipp
Das richtige Investment für ein Investment in europäische Ölaktien ist der ETF Lyxor DJ STOXX 600 Oil & Gas (WKN: LYX0A9). Wie der Name schon verrät, bildet dieser ETF die Entwicklung des DJ STOXX 600 Oil & Gas ab. Zu diesem Index gehören die größten Öl- und Gaskonzerne Europas, wie z.B. BP, Total, Repsol und Royal Dutch Shell. Die jährlichen Verwaltungsgebühren betragen nur 0,30 Prozent. Die anfallenden Dividendenzahlungen werden an die Anteilseigner ausgeschüttet. Das Papier kann an sämtlichen deutschen Börsenplätzen erworben werden.

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