Jetzt in den DAX investieren?

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(tm) Der Deutsche Aktienindex (DAX) hat sich von seiner Korrektur (minus 3.692 Punkte) erholt und könnte in den kommenden Jahren sein Allzeithoch (12.391 Punkte) übertreffen. Welche DAX-Titel bieten jetzt die größten Gewinnchancen? Eine fundamentale Analyse.

Vor einem Jahr, am 10.4.2015, stand der Aktienkurs für die 30 größten Industrieunternehmen Deutschlands bei 12.390,80 Punkten. Danach ging er zehn Monate lang kontinuierlich zurück, und zwar um 3.691,51 Punkte (minus 29,8 %) auf 8.699,29 Punkte am 11.2.2016.

Heute Vormittag stieg der DAX-Kurs kurzzeitig auf rund 9.700 Punkte und stand somit 1.000 Punkte über dem vorläufigen Jahrestief. Möglicherweise geht er noch einmal abwärts bis auf etwa 9.300 Punkte, um dann längerfristig über 10.000 Punkte zu steigen und Ende 2016 eventuell auf über 11.000 Punkte zu klettern.

Der negative Börsenstart in das Jahr 2016, wohlbemerkt der schlechteste in der gesamten DAX-Historie, schürte zwar große Ängste, aber nachdem das Wirtschaftsbarometer in den letzten Wochen deutlich konsolidierte und das bisherige Jahresminus in einem erträglichen Rahmen hielt, geraten die Sorgen nun erst einmal wieder in den Hintergrund. Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank verleitet zu der Hoffnung, dass das billige Geld den Wirtschaftsmotor wieder anspringen lässt.

Doch das kann niemand wissen. Gleichwohl: Für Aktien-Investoren mit einem Anlagehorizont von mehreren Jahren oder gar Jahrzehnten könnten die derzeitigen DAX-Stände als durchaus günstige Kaufkurse mit erheblichem Steigerungspotenzial erscheinen.

KGV: Wichtiger Parameter der fundamentalen Aktienanalyse

Stellt sich die Frage, welche Einzelaktien für eine Investition am vielversprechendsten sein könnten. Um herauszufinden, welche Aktiengesellschaften derzeit unterbewertet sind, schauen wir uns das Kurs-Gewinn-Verhältnis der 30 DAX-Titel an. Je niedriger diese Kennzahl ist, desto günstiger ist die Aktie bzw. desto vielversprechender ist der potenzielle Gewinnzuwachs.

DAX-Kurs-Gewinn-Verhältnisse am 7.4.2016

Deutsche Lufthansa

5,03

Deutsche Bank

5,67

Volkswagen

6,28

Daimler

7,10

Commerzbank

7,25

BMW

7,90

Allianz

9,17

Münchener Rück

10,29

RWE

11,32

E.ON

11,47

Thyssenkrupp

11,76

Siemens

12,43

DAX

12,47

Continental

12,64

Merck

12,71

Deutsche Post

12,77

Bayer

13,38

BASF

13,60

Infineon

14,78

HeidelbergCement

14,79

Deutsche Börse

15,47

Linde

16,21

SAP

16,44

ProSiebenSat.1

17,60

Deutsche Telekom

18,29

Henkel

18,79

Vergleich: DAX-30-Jahres-Durchschnitt

19

Fresenius Medical Care

20,82

Vonovia

20,85

Fresenius SE

21,80

Beiersdorf

25,42

adidas

26,13

Wenn Sie nicht in den kompletten Index, beispielsweise durch einen ETF, sondern in einzelne DAX-Titel investieren möchten, spielt die relative Marktbewertung des jeweiligen Unternehmens eine wichtige Rolle. Diese Bewertung drückt sich in der Relation zwischen dem aktuellen Aktienkurs und dem letztjährigen Unternehmensgewinn aus.

Pharma- und Immobilienindustrie boomen

Anhand der Tabelle ist die Verfassung der verschiedenen Branchen gut zu erkennen. Am besten schneidet die Pharmaindustrie mit Beiersdorf als Vorreiter ab. Die Aktie ist wegen des Wachstums der Branche hoch bewertet. Das stellt zwar das solide Arbeiten des Konzerns unter Beweis, ein Einstieg könnte allerdings risikobehaftet sind, da sich das weitere Wachstumspotenzial der Branche nicht abschätzen lässt. Sowohl der Kauf eines Beiersdorf- als auch eines Fresenius-Titels lohnen sich daher eher nicht, da auch die Dividentenrendite nicht zufrieden stellt. Ähnlich sind auch die anderen Unternehmen jenseits des DAX-30-Jahres-Durchschnitts zu bewerten.

Solider Dienstleistungssektor

Im Mittelfeld finden sich vor allem Dienstleister wie die Deutsche Post und Deutsche Telekomwieder. Auch die Elektronik-Branche um SAP ist hier vertreten. Diese Titel verfügen über ein durchschnittleches KGV, es ist also durchaus von einer langfristigen Kurssteigerung auszugehen. Siemens ist deshalb mit einer Rendite von 3,5 Prozent ein interessanter Wert, zumal der Konzern viel Kapital in erneuerbare Energien investiert und sich damit langfristig aufstellt.

Wer von positiven Folgen einer Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange ausgeht, kann sein Depot mit diesem Titel erweitern. Selbstverständlich stellen auch die Chemiekonzerne BASFund Bayer mit einer Dividende zwischen zwei und drei Prozent interessante Anlagewerte dar. Zusammenfassen lässt sich sagen, dass deutsche Unternehmen von 12,5 % bis 19 Prozent grundsätzlich gewinnträchtige Investitionen sein können. Freilich ist aufgrund des geringen Risikos auch keine überdurchschnittliche Rendite zu erwarten.

Energie- und Bankensektor in der Krise

Die größten Gewinnchancen bergen die unterbewerteten Aktien mit niedrigem KGV. Allerdings ist ein solches stets mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden. RWE und E.ON haben sowohl image- als auch auch finanztechnisch die Konsequenzen aus dem Atomausstieg zu tragen. Im Falle eines erfolgreichen Umstiegs auf erneurbare Energien sind überdurschnittliche Renditen zu erwarten, allerdings stellen die Unternehmen keine sichere Geldanlage dar, zumal im Falle E.ONs einige Probleme mit dem Tochterunternehmen Uniper auftreten könnten. Wegen der Konzernaufspaltung geriet das DAX-Unternehmen aufgrund der Ausgliederung unprofitabler Geschäftszweige in die Kritik, da der Steuerzahler so für die Entsorgung der Altlasten aufkommen muss.

Auch der Bankensektor birgt Risiken. Der Umsatz aus der Investmentbanking-Sparte der Deutschen Bank brach im letzten Quartal um 44 Prozent ein. Experten fürchten eine Krise. Doch langfristig werden Banken trotz immer strengerer Regulierungen einen Weg finden, sich wieder profitabel in den Kapitalmärkten zu positionieren. Das größte deutsche Geldhaus sowie die Commerzbank sind daher Anlagewerte, die ein hohes Renditepotenzial aufweisen, allerdings auch ein hohes Risiko. Das lässt sich durch eine solide Diversifikation mindern, indem Sie entweder in viele Konzerne mit niedrigem KGV investieren oder aber diese Sparte mit Titeln aus dem Dienstleistungssektor ausgleichen.

Automobilbranche: Das aktuelle Sorgenkind

Insbesondere die deutsche Automobilindustrie durchläuft eine Krise, da nach dem Abgasskandal von Volkswagen gleiches auch bei anderen Konzernen befürchtet wird. Doch nach dem enormen Kursrutsch ist die VW-Aktie wieder günstig bewertet. Von einer langfristigen Erholung des Konzerns ist durchaus auszugehen. Daher stellt eine Investition in die unterbsewertete Aktie eine Möglichkeit dar, einen Wert mit enorm hohem Renditepotenzial ins Depot aufzunehmen.

Sicherer ist dagen ein Einstieg bei Daimler. Hier könnte vielleicht sogar der sicherste Wert vorliegen. Erst vor kurzem wurde der Geschäftsbericht aus dem Jahr 2015 veröffentlicht. Mit über 8,7 Milliarden Euro erzielte der Autohersteller ein Rekordergebnis. Eine Dividende von 3,25 € pro Aktie erfreute die Aktionäre ebenfalls. Gegen ein Investment spricht lediglich die aufkommende Kritik, auch Daimler manipuliere die Abgaswerte. Das Potenzial, das einer der größten Autohersteller der Welt mit einem derartigen KGV bietet, ist groß. Einen solchen Titel zu erwerben, kann sich schon in wenigen Jahren positiv auszahlen.

Um von eventuell weiter fallenden Aktienkursen im DAX profitieren zu können, empfiehlt es sich, das vorgesehene Kapital nicht auf einmal zu investieren, sondern in zwei oder noch mehr Tranchen – je nach der eigenen Finanzlage und Risikoneigung. Weitere Informationen zum Thema Aktien:
Altersvorsorge: Trotz Niedrigzins keine Illusion ,
Aktien: Eine Pflicht für jeden Arbeitnehmer ,
Anleger nicht länger alleingelassen: Wenn eine Analyseform die Nachrichten schlägt .

Autor: Timo Munz

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