Halten Sie Ihr Pulver trocken

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"Verluste begrenzen" lautet die wichtigste Börsenstrategie. Das hört sich einfacher an als es ist. Dauerhafte Verlustbegrenzung gelingt nur mit einem disziplinierten Money-Management. Wer sein Geld vorsichtig einsetzt und Geduld mit Gewinnen aufbringt, kann auch in diesem Jahr von der Entwicklung der Aktienmärkte profitieren.

Heute vor zwei Jahren, am Abend des 5.1.2009, beging der 75-jährige Investor Adolf Merckle aufgrund von Finanzproblemen Selbstmord. Durch Fehlspekulationen mit Volkswagen-Aktien hatte Merckle Ende Oktober 2008 rund eine Milliarde Euro verloren. Merckles Fehlspekulationen waren das Resultat von Kursmanipulationen mit VW-Aktien durch den Porsche-Vorstand. Merckles Spekulationsverluste beeinträchtigten nicht bloß sein Privatvermögen, sondern es drohte obendrein die Illiquidität seiner Unternehmensgruppe, die mit 16 Milliarden Euro Schulden belastet war.

Der Suizid Merckles war ein Tod aus Angst vor dem sozialen Tod, denn finanziell blieb dem mehrfachen Milliardär immer noch genügend Spielraum, um seine wirtschaftliche Krise zu meistern. Doch dazu benötigte er staatliche Finanzhilfen, da ihn seine Hausbanken fallen ließen. Den damit einhergehenden öffentlichen Gesichtsverlust konnte der erfolgsgewohnte Alleinherrscher über ein weitverzweigtes Firmenimperium nicht ertragen.

Wer nach den Sternen greift, ist akut absturzgefährdet

Ähnlich abgrundtiefe Abstürze erlebten in der jüngsten Vergangenheit der heute 72-jährige Fondsverwalter Bernard Madoff, der 65 Milliarden Dollar veruntreute und dafür zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde, und der heute 33-jährige Bankangestellte Jerome Kerviel, dem der Verlust von 4,9 Milliarden Euro zur Last gelegt wurde. Kerviel muss wegen Veruntreuung drei Jahre im Gefängnis sitzen, zwei Jahre lang Bewährungsauflagen einhalten und 4,9 Milliarden Euro an seinen früheren Arbeitgeber zurückzahlen.

So weit hätte es bei allen drei Finanz-Jongleuren nicht kommen müssen, wenn sie die Grundregel jeder erfolgreichen Investmentstrategie beherzigt hätten, Verluste zu begrenzen.

Auch der private Anleger braucht ein sinnvolles Money-Management

Voraussetzung für erfolgreiches Investieren ist die Beachtung von Money-Management-Regeln. Die Devise lautet: "Vermögen erhalten" geht vor "Vermögen verdienen" bzw. "aufs Spiel setzen".

Wenig zu handeln und wenn, dann nur in aussichtsreichen Situationen und mit einem zuvor festgelegten Einsatz, schont die Nerven und das Vermögen. Diese Handelsstrategie beinhaltet auch, dass man vor dem Einstieg bereits das Kursziel bzw. den Notausstieg festlegt (Stoploss).

Solche Money-Management-Strategien wendet ein erfahrener Investor routinemäßig an. Mit Wertsicherungsmaßnahmen steuert er das Risiko seines Wertpapier-Portfolios. Um das Verlustrisiko der einzelnen Positionen zu begrenzen, beschränkt er ihre Größe auf z.B. je ein Zwanzigstel des vorhandenen Anlagekapitals. Er verteilt sein Kapital auf verschiedene Anlageklassen.

Zur Money-Management-Strategie gehört auch das Vorhalten einer bestimmten Liquiditätsreserve (z.B. Tagesgeld). Die Vermögensanlage sollte günstig und durchschaubar sein. Dafür eignen sich am besten Investitionen in Aktien, Exchange Traded Funds (ETFs) und Zertifikate sowie verzinsliche Bankanlagen (Festgeld, Banksparplan).

Tipp
Empfehlenswert ist es, eine Grundbildung in Finanzthemen und Anlagestrategien zu erwerben, um von der Meinung von Bankberatern unabhängig zu sein.

Entwickeln Sie Ihre Gewinnstrategie:

  • Kaufen Sie nur dann, wenn die Situation vielversprechend ist (den Chart analysieren).
  • Kaufen Sie nie im Abwärtstrend.
  • Kaufen Sie nur Anlagen, die Sie verstehen.
  • Schätzen Sie beim Eröffnen einer Position deren Gewinn- und Risikopotenzial ein.
  • Überlegen Sie, was passiert, wenn sich kein Gewinn einstellt. Wählen Sie eine Positionsgröße, die Sie dennoch ruhig schlafen lässt.
  • Investieren Sie insgesamt nie mehr als die Hälfte Ihres verfügbaren Geldvermögens in Aktien, deren Derivate oder in Aktienfonds. Bleiben Sie immer "flüssig".
  • Legen Sie vor dem Kauf zwei Ausstiegspunkte fest: einen bei Gewinn, einen bei Verlust (Stoploss) bzw. im weiteren Verlauf bei abnehmendem Gewinn (Stoploss nachziehen).
  • Die festgelegte Verlustgrenze ist unbedingt einzuhalten, muss aber nicht schon beim Kauf als Stoploss-Marke in Auftrag gegeben werden, weil das an der Börse wie ein Verkaufsgebot behandelt wird und ein punktuelles Abrutschen des Kurses auf dieses Ziel auslösen kann.
  • Versuchen Sie niemals, eine ins Minus gelaufene Position durch Nachkaufen zu verbilligen (cost averaging). Trennen Sie sich lieber von ihr oder gehen Sie wenigstens in die Gegenposition (hedging).
  • Werfen Sie hoffnungslose Nieten aus Ihrem Depot und trauern Sie dem verlorenen Geld nicht nach. Blicken Sie in die Zukunft und investieren Sie das frei gewordene Kapital.
  • Bauen Sie bestehende Gewinnpositionen maßvoll aus und lassen Sie den Markt entscheiden, wie weit der Trend trägt (oft weiter als man denkt). Dazu müssen Sie sich von der gern praktizierten Orientierung an Ihrem Einstiegskurs frei machen.
  • Bleiben Sie immer skeptisch – auch gegenüber der eigenen Euphorie. Wenn von allen Marktteilnehmern und Medien gute Stimmung verbreitet wird, kommt die Zeit, Gewinne mitzunehmen.

Tipp
Geben Sie sich selbst klare Leitlinien für Ihr Handeln. An die müssen Sie sich dann aber auch in jedem Fall halten. Nur allzu gern glaubt man, in einer bestimmten Situationen könne man mal eine Ausnahme machen, z.B. weil man sich einredet, die Kurse könnten nach einem tiefen Absturz doch gar nicht mehr weiter fallen.

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