Folgen der Abgeltungssteuer mit dem Einsatz von CFDs mildern

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Mit CFDs können Sie - ein glückliches Händchen vorausgesetzt - schnell Geld verdienen oder Ihre Aktien absichern und dabei dem Fiskus ein Schnippchen schlagen.

Ab 1.1.2009 ticken die Steueruhren für Kapitalanleger in Deutschland anders. Denn dann werden auf sämtliche Kursgewinne 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer fällig. Und zwar ganz egal, ob die Gewinne nach einem Tag oder nach 15 Jahren erzielt wurden. Zwar unterliegen auch die sog. Contracts for Difference (CFDs) der Abgeltungssteuer. Doch mit dem richtigen Einsatz dieser Papiere lassen sich die Folgen der Abgeltungssteuer mildern.

Contracts for Difference gehören wie Futures, Optionen und Zertifikate zu den Derivaten, also "Abkömmlingen" von Wertpapieren. Sie bilden Aktien und Aktienindizes sowie die Preise von Rohstoffen oder Rentenmarkt-Indizes ab. Hinter den CFDs steckt dieselbe Idee wie bei den Optionsscheinen: mit geringem Kapitaleinsatz möglichst viel Geld zu verdienen.

Mit CFDs spekuliert der Anleger auf den Unterschied zwischen Eröffnungskurs und Schlusskurs eines Basiswerts. Von der Abwicklung her ähnelt der Handel mit CFDs dem mit herkömmlichen Wertpapieren. Auch ihr Preis entspricht annähernd 1:1 dem zugrunde liegenden Basiswert. Ausgezahlt bzw. verrechnet wird allerdings stets nur die Kursdifferenz, die sich während des Haltens einer Position ergibt. Mit CFDs können Sie sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen.

Beispiel: Entschließt sich ein Investor, 1.000 Bayer-Aktien zu kaufen, zahlt er dafür bei einem Kurs von 46 Euro genau 46.000 Euro. Wählt er stattdessen CFDs, muss er lediglich eine Sicherheitsleistung (Margin) in Höhe von drei Prozent hinterlegen, also 1.380 Euro. Angenommen, die Papiere des Chemieriesen notieren zehn Tage später bei 47 Euro. Dann erhält der Besitzer der CFDs beim Verkauf dieser Papiere einen Euro pro Aktie ausgezahlt. Insgesamt kassiert der Anleger dann 1.000 Euro. Bezogen auf die hinterlegte Margin und ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten hat er bei einem Kursanstieg von 2,2 Prozent bei der Bayer-Aktie eine Rendite von mehr als 72 Prozent auf das eingesetzte Kapital erzielt.

Sicherheitsleistung und Nachschusspflicht

Im Vergleich zum direkten Kauf von Aktien, Anleihen, Devisen oder Rohstoffen ist für die Differenzgeschäfte nur ein Bruchteil des Kapitals aufzuwenden. Je nach Volatilität und Liquidität des Basiswerts beträgt die zu hinterlegende Sicherheitsleistung meist zwischen ein und zehn Prozent des Gesamtwerts der Handelsposition. Der Anleger kann somit einen sehr hohen Hebel auf das eingesetzte Kapital erzielen und bereits mit kleinen Beträgen große Gewinne erwirtschaften - oder auch seinen Einsatz verlieren, wenn die Spekulation schiefgeht.

Im Beispiel mit den Bayer-Aktien ist die Sicherheitsleistung schon bei einem dreiprozentigen Kursrückgang der Bayer-Papiere aufgebraucht. In diesem Fall droht bei CFDs eine Nachschusspflicht. Der Anleger ist gezwungen, die Sicherheitsleistung wieder auf die ursprüngliche Höhe von drei Prozent aufzufüllen. Die Verluste sind also keineswegs auf das eingesetzte Kapital begrenzt. Kommt der Anleger rechtzeitig seiner Nachschusspflicht nach, bleibt er mit seinen CFDs auf die Bayer-Aktien weiterhin im Geschäft. Kommt er der Aufforderung zum Nachschuss nicht nach, wird die Position von der Bank zwangsliquidiert.

So sparen Sie mit dem Einsatz von CFDs Steuern

Wie Sie mit dem richtigen Einsatz von CFDs Steuern sparen können, zeigt folgendes vereinfachtes Beispiel: Inklusive Solidaritätszuschlag beträgt die ab dem 1.1.2009 zu zahlende Abgeltungssteuer 26,375 Prozent. Die Kirchensteuer wurde im Beispiel nicht berücksichtigt.

Anleger A hat bis Ende 2008 ein Aktiendepot im Gesamtwert von 70.000 Euro aufgebaut. Da die Aktien vor dem 1.1.2009 gekauft wurden, gilt für diese Papiere die alte Regelung, wonach der Gewinn eines aufgelösten Aktienengagements nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei ist. Anleger A ist langfristig orientiert und möchte die Position so lange halten, wie es geht.

Anleger A hat Glück und die Börse läuft gut. Bis Mitte 2010 steigt der Wert seines Depots auf 100.000 Euro. Dann aber trüben sich die Kapitalmärkte ein und sein Anlageberater rät zum Verkauf, um die Gewinne mitzunehmen und später erneut einzusteigen. In diesem Fall kann Anleger A wegen des Bestandsschutzes (die Papiere wurden vor dem 1.1.2009 gekauft) die 30.000 Euro Kursgewinne steuerfrei kassieren. Nach einigen Monaten, als sich die Turbulenzen an den Börsen gelegt haben, investiert er Ende 2010 seine 100.000 Euro wieder. Die neu erworbenen Aktien haben jetzt allerdings keinen Bestandsschutz mehr. Beim zukünftigen Verkauf mit Gewinn fällt deshalb Abgeltungssteuer an.

Bis zum Jahr 2015 klettert der Wert seines Depots um 50 Prozent auf 150.000 Euro. Da Anleger A sein Geld nun anderweitig benötigt, verkauft er sämtliche Aktienpositionen. Von den 50.000 Euro Kursgewinn gehen 13.187,50 Euro Abgeltungssteuer an den Finanzminister, egal wie er im Jahr 2015 heißen mag. In der Nachsteuerbetrachtung beläuft sich das Vermögen von Anleger A nun auf 136.812,50 Euro. Dies entspricht bei einem Ursprungsvermögen von 70.000 Euro einem Vermögenszuwachs von 95,45 Prozent.

Deutlich weniger Steuern muss ein Anleger dagegen zahlen, wenn er die Vorteile von CFDs nutzt. Bei gleicher Ausgangsituation behält Anleger B im Gegensatz zu Anleger A seine Mitte 2010 ebenfalls von 70.000 Euro auf 100.000 Euro gestiegenen Aktien, um seinen Bestandsschutz nicht zu gefährden. Natürlich weiß er Mitte 2010 nicht, ob es sich nur um eine kurzfristige Korrektur an den Börsen handelt oder ob eine Baisse wie in den Jahren 2000 bis 2003 droht.

Um seine Aktienpositionen abzusichern, beschließt er, ein CFD-Konto zu eröffnen. Anschließend verkauft er die gleiche Art und Anzahl an CFDs auf die Aktien, die er in seinem klassischen Depot hält. Mit dem Verkauf spekuliert er mit den CFD-Positionen auf sinkende Kurse. Dafür muss er eine Sicherheitsleistung hinterlegen, die wegen der Hebelwirkung nur einen Bruchteil des Depots ausmacht. In unserem Beispiel sind das 5.000 Euro. Mit dieser Transaktion nimmt Anleger B das gesamte Risiko aus seinem Depot, egal ob die Kurse steigen oder fallen. Denn jeder Euro Verlust im klassischen Aktiendepot wird durch einen Euro Gewinn in dem auf sinkende Kurse setzenden CFD-Depot kompensiert. Bei steigenden Kursen funktioniert das genau umgekehrt.

Nachdem sein klassisches Aktiendepot durch Kursrückgänge um zehn Prozent auf 90.000 Euro gefallen ist, schließt Anleger B Ende 2010 seine CFD-Position. Aus den ursprünglich investierten 5.000 Euro, mit denen auf sinkende Kurse spekuliert wurde, wurden inzwischen 15.000 Euro. Der Verlust in seinem klassischen Aktiendepot von 10.000 Euro konnte damit ausgeglichen werden. Für die 10.000 Euro Gewinn aus der CFD-Position fällt Abgeltungssteuer in Höhe von 2.637,50 Euro an. Mit den verbliebenen 7.362,50 Euro aus seinem Kursgewinn stockt Anleger B sein klassisches Aktiendepot im Wert von 90.000 Euro auf. Im Vergleich zu Anleger A liegt Anleger B Ende 2010 noch mit den an Abgeltungssteuer gezahlten 2.637,50 Euro im Rückstand. Dafür allerdings genießen alle Aktien bei Anleger B noch Bestandsschutz.

Nachdem die Kurse bis zum Jahr 2015 um 50 Prozent gestiegen sind, muss nun auch Anleger B seine Aktien verkaufen, da er das Geld anderweitig benötigt. Die Aktienpositionen mit Bestandsschutz sind inzwischen von 90.000 Euro Ende 2010 auf 135.000 Euro (50 Prozent aus 90.000 Euro = 45.000 Euro) angewachsen. Den Gewinn kann Anleger B steuerfrei einstreichen. Die Gewinne aus den Ende 2010 investierten 7.362,50 Euro unterliegen dagegen der Abgeltungssteuer. Bei der inzwischen auf 11.043,75 Euro angewachsenen Position ergibt sich ein Kursgewinn von 3.681,25 Euro. Die darauf zu entrichtende Abgeltungssteuer beträgt 970,93 Euro. Insgesamt bekommt Anleger B nach der Abwicklung seiner Verkäufe 145.072,82 Euro gutgeschrieben (135000 Euro + 11043,75 Euro ./. 970,93 Euro).

In der Endabrechnung hat Anleger A, der auf die Absicherung seines Depots mit CFDs verzichtete, 136.812,50 Euro zur Verfügung. Anleger B dagegen bekommt 145.072,82 Euro gutgeschrieben - ein Mehrerlös von 8.260,32 Euro dank der Absicherung durch CFDs. Falls Anleger B sein Depot indes gar nicht antastet, greifen die positiven Effekte des Bestandsschutzes natürlich weiter - sehr zum Ärger der zukünftigen Finanzminister.

Die Konditionen der Anbieter weichen stark voneinander ab

Die Bedingungen für die CFDs, wie z.B. die Höhe der Sicherheitsleistung, schwanken von Anbieter zu Anbieter. Anders als beim Handel mit Optionsscheinen ist ein Kauf oder Verkauf über die Börse nicht möglich. Stattdessen erfolgt die Abwicklung über einen Broker. Zu diesem Zweck muss dort ein Konto eingerichtet werden. Der Broker bestimmt die Abwicklungs- und Ausführungsmodalitäten sowie den Serviceumfang und die Höhe der anfallenden Gebühren.

Geldtipp
Wer sich für CFDs interessiert, sollte auch die Bonität des Anbieters sowie die Frage nach der Sicherheit der Anlagen berücksichtigen. Geht der Broker pleite, ist im schlimmsten Fall das gesamte Geld verloren.

Grundsätzlich lässt sich mit CFDs auf steigende oder fallende Kurse spekulieren. Werden CFDs über Nacht gehalten, sind dafür Zinsen an den Broker zu zahlen. Wenn Sie dagegen mit einem Leerverkauf auf fallende Kurse spekulieren, erhalten Sie eine Zinsgutschrift. Auch die Höhe dieser Zinssätze ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Fallen bei den zugrunde liegenden Aktien Dividendenzahlungen an, werden diese dem Besitzer des CFDs gutgeschrieben.

Gegenüber Optionsscheinen liegt der Vorteil der CFDs unter anderem darin, dass die eingegangenen Positionen theoretisch unbegrenzt offengehalten werden können. Denn CFDs haben im Gegensatz zu Optionsscheinen keinen fixen Fälligkeitstermin. Typische Optionsscheinprobleme wie Zeitwertverlust und Änderungen der Schwankungsbreite (Volatilität) haben deshalb keinen direkten Einfluss auf die Preisgestaltung der CFDs.

Geldtipp
Inzwischen bietet hierzulande eine ganze Reihe von Brokern den Handel mit CFDs an. Beispiele sind CMC Markets (www.cmcmarkets.de), trading-house (www.tradinghouse.net), Finexo (www.finexo.de), GCI Financial (www.gcitrading.com) und die Saxo Bank (www.saxobank.de). Um Enttäuschungen oder böse Überraschungen zu vermeiden, sollten vor einer Anmeldung die Abwicklungsbedingungen - und hier insbesondere die Vorgehensweise nach dem Aufbrauchen der Sicherheitsleistung - miteinander verglichen werden.

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