Erneute Benachteiligung von Zertifikaten bei der Abgeltungssteuer

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Die künftige Abgeltungssteuer ist für innovative Finanzprodukte in der Regel günstiger als die jetzige Besteuerung. Doch bei manchen Zertifikaten gibt es Ausnahmen.

Zertifikate unterliegen beim Verkauf ab 1.7.2009 nicht automatisch der Abgeltungssteuer. Das ergibt sich aus einem internen Anwendungsschreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF).

Bislang gingen Anleger und Emittenten davon aus, dass Gewinne aus Zertifikaten, die nach dem 14.3.2007 erworben wurden, generell ab dem 1.7.2009 mit dem Pauschalsatz versteuert werden und ggf. Verluste aus anderen Kapitaleinkünften ausgleichen.

Sofern Verkauf oder Fälligkeit jedoch innerhalb der einjährigen Haltedauer erfolgt, unterliegt das Plus laut dem aktuellen BMF-Erlass noch der alten Spekulationsbesteuerung mit der individuellen Progression.

Das betrifft z.B. ein am 1.12.2008 geordertes Index-Zertifikat, das am 30.11.2009 verkauft oder fällig wird. Diese Ausnahmeregelung wird sich für viele Anleger eher negativ auswirken. Denn die aus dem Beispiel mit dem Index-Zertifikat erzielten Spekulationsgewinne unterliegen dann dem meist höheren individuellen Steuersatz des Anlegers und nicht dem Pauschalsatz von 25 Prozent. Für Anleger mit einem höheren individuellen Steuersatz als 25 Prozent ist es daher sinnvoll, die Einjahresfrist auszusitzen.

Besitzern einiger gerade erst aufgelegter Zertifikate droht zudem eine weitere böse Überraschung. Das betrifft insbesondere Express-Zertifikate, die mit Blick auf den Systemwechsel zur Abgeltungssteuer hin von den Emittenten mit einer besonders cleveren Konstruktion ausgestattet wurden. Im Gewinnfall werden diese Papiere bereits im Juni 2009 vor dem Ende der Übergangsfrist bei Zertifikaten fällig. Bei Verlusten laufen diese Papiere mindestens noch einen Monat weiter, um die dann aufgetretenen Verluste im Rahmen der Abgeltungssteuer geltend zu machen.

Dies wird jedoch vom Fiskus als Missbrauchsgestaltung eingestuft. Das erst im Juli 2009 oder später realisierte Minus wird steuerlich nicht anerkannt. Eine wichtige Komponente dieses Zertifikatetyps wird daher wirkungslos. Immerhin bleibt der zuvor kassierte Gewinn steuerfrei, wenn die einjährige Spekulationsfrist abgelaufen ist.

Gestaltungsmissbrauch liegt nach dem Verwaltungserlass ebenfalls vor, wenn Zertifikate mit Zahlungen wie einem vorgezogenen Bonus während der Laufzeit ausgestattet sind. Diese Ausschüttungen unterliegen ab 1.1.2009 sofort der Abgeltungssteuer, unabhängig vom vorherigen Kaufzeitpunkt. Damit wird das von den Emittenten geplante steuerfreie Zeitfenster bis zur Fälligkeit der Papiere geschlossen.

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