E.ON: Nach dem Kursrutsch jetzt kaufen?

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(tm) Die Energiebranche befindet sich in der Krise. Auch die E.ON-Aktie ist weit gefallen. Kommt jetzt die Gelegenheit, günstig einzusteigen?

Aufgrund des anstehenden Atomausstiegs und den Kosten für die Endlagerung befindet sich die gesamte Energiebranche in einer Krise. E.ON als der größte börsennotierte Energieversorger in Deutschland wird deshalb durch das schwierige Marktumfeld stark beeinflusst. Zudem überzeugen auch die aktuellen Quartalszahlen nicht allzu sehr, weshalb die Aktie zuletzt erneut gefallen ist. Da eine Börsenregel besagt: »Kaufe vor allen anderen, nämlich dann, wenn keiner mit positiven Nachrichten rechnet«, stellt sich nun die Frage: Ist das Unternehmen jetzt so günstig, dass sich ein Einstieg lohnt?

Fundamentalanalyse der E.ON-Aktie

Vor einer Anlageentscheidung ist eine Analyse des allgemeinen Konzernumfelds und des Unternehmens selbst nötig, um die Risiken und Chancen richtig einschätzen zu können. Der größte börsennotierte Elektrizitäts- und Gasproduzent Deutschlands leidet derzeit unter den Kosten für den Atomausstieg und die Endlagerung, die sich insgesamt auf etwa 23 Mrd. Euro belaufen. Analysten schätzen, dass knapp die Hälfte der Summe, nämlich 10 Mrd., von E.ON selbst gestemmt werden müssen. Da deshalb eine Reduzierung zukünftiger Investitionen befürchtet werden muss, drückt diese Information auf den Aktienkurs. Des Weiteren belastet die Aktie eine Aussage von Finanzvorstand Michael Sen, wonach das Unternehmen eine Kapitalerhöhung in Erwägung zieht, um die Altlasten bezahlen zu können. Insbesondere E.ON ist noch auf die konventionellen Kernkraftwerke angewiesen. Diese Grafik veranschaulicht die langfristige Entwicklung des Aktienkurses gemäß der fundamentalen Daten. Die schwarze Linie symbolisiert den Abwärtstrend der letzten Jahre.

Die kürzlich veröffentlichten Quartalszahlen ließen allerdings zunächst vorsichtigen Optimismus aufkommen: E.ON übertraf im ersten Quartal mit einem Gewinn von 3,1 Mrd. Euro das Vorjahr um 0,3 Mrd. Da Analysten den Gewinn niedriger schätzten, sollte sich dies eigentlich positiv auf den Kapitalmarkt auswirken. Allerdings wurde diese Steigerung, die sich insgesamt auf einen bereinigten Nettogewinn von 1,3 Mrd. Euro belief (Vorjahr: 1,0 Mrd.), durch eine Einigung mit dem Konzern Gazprom über langjährige Konditionen von Gaslieferungen erzielt. Auf ein solches Ergebnis lässt sich also nicht aufbauen, da nichts an der Gesamtsituation des Unternehmens geändert wird. Da an der Börse auch immer die Zukunft eine Rolle spielt, muss also zukünftig wieder ein Gewinnrückgang befürchtet werden.

Auch wenn die Fundamentalanalyse negativ ausfällt, lässt sie zwei Schlüsse zu: Entweder hält man die Energiebranche für zu riskant und verzichtet somit auf einen Titelkauf, oder aber man erkennt das enorme Potenzial der erneuerbaren Energien und stuft die Konzerne, allen voran das stark gefallene E.ON, als unterbewertet ein. Sollte dem Unternehmen in den nächsten Jahren nämlich ein Umschwung gelingen, so sind nach dem starken Rückgang enorme Gewinne zu erwarten. Bei letzter Entscheidung sollte man allerdings einen langfristigen Anlagehorizont vor Augen haben, um sich durch kurzfristige Verluste nicht nervös machen zu lassen.

Beachten Sie, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), eine Kennziffer für die Unterbewertung einer Aktie, mit 11,06 in einem durchschnittlichen Bereich liegt. Das Papier besitzt also durchaus Potenzial.

Technische Analyse der E.ON-Aktie

Die Branchensituation ist zwar von großer Bedeutung, doch bildet sie lediglich eine Grundlage. Ein erfahrener Börsenhändler sollte deshalb stets auch das Chartbild miteinbeziehen. Diese Grafik veranschaulicht die letzten sechs Monate des E.ON-Titels (kurzfristige Analyse). Die in der Fundamentalanalyse aufgezeigte Unsicherheit spiegelt sich auch im Chartbild wider. Der E.ON-Titel konnte die letztem Monate keinen Trend mehr ausbilden, sondern befindet sich in einer sogenannten Range, einer Seitwärtsbewegung zwischen 8,00 und 9,80 €. Die Anleger schwankten also zwischen Optimismus und der Sorge einer eskalierenden Krise.

Dabei sind zwei markante Niveaus auszumachen: Besonders fällt der grün markierte Bereich auf. Hier fand die Aktie Unterstützung, das heißt, die Marktteilnehmer konnten nicht glauben, dass der Wert nachhaltig unter acht Euro fällt. Hier haben also immer wieder Bullen Positionen aufgebaut. Im Umkehrschluss bedeutet das, wenn einmal der Tagesschlusskurs unter diese Pufferzone fällt, dann kann die Aktie weit sinken und eine Kauf-Position hat sich damit erübrigt.

Auf der anderen Seite ist die abwärtsverlaufende Trendlinie in Rot zu erkennen. Alle drei Zwischenhochs im Oktober, Januar und jüngst Ende April haben diese respektiert. Schließt E.ON einmal nach Handelsschluss über dieser Trendlinie, die aktuell ungefähr bei 9,30 € notiert, ist das ein klares Kaufsignal. Das Problem ist aber, dass jederzeit fundamentale Nachrichten durch die Medien gehen könnten, die die Aktien aus der Energiebranche erneut ins Wanken bringen könnten.

Einstiegsmöglichkeiten in die E.ON-Aktie

Nichtsdestotrotz verfügen Sie nun über mehrere Möglichkeiten, an einem möglichen Kursanstieg der Aktie zu partizipieren. Die eine Möglichkeit ist ein kurzfristiger Trade, eröffnet über der grünen Pufferzone mit dem Gewinnziel an der roten Linie. Der Vorteil: Sie haben ein gutes CRV (Chance-Risiko-Verhältnis), wenn Sie bedenken, dass Sie die Aktie sofort wieder verkaufen, sobald sie unter 7,90 € gefallen ist. Um sich gegen Verluste abzusichern, bietet sich das Setzen einer sogenannten Stopp-Loss-Order unter dem grünen Niveau an. Damit stellen Sie Ihre Positionen automatisch glatt, sobald der Kurs gegen Sie läuft.

Die andere Möglichkeit besteht darin, ebenfalls an der Unterseite der Range zu kaufen und somit günstig einzusteigen, um den Titel dann für die nächsten Jahre zu halten und von einem eventuellen Durchbruch durch die rote Linie zu profitieren. Dann werden nämlich viele Anleger einsteigen.

Wenn Sie in E.ON durchaus Potenzial sehen, allerdings einen eher konservativen Anlagestil verfolgen, bietet sich eine weitere Möglichkeit an: Erinnern Sie sich an die erste Grafik mit dem langfristigen Bild mit der schwarzen Linie, die den Abwärtstrend veranschaulicht. Wenn der Kurs diese nachhaltig überschreitet, dann wird ein Aufwärtstrend auf dem »großen Bild«, wie es ein Börsenhändler zu sagen pflegt, eingeleitet. Hier können Sie also einsteigen, denn mit einem langfristigen Anlagehorizont könnte sich dieses Investment in einigen Jahren auszahlen.

Autor: Timo Munz

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