Die Bedeutung der Bonität bei der Auswahl von Zertifikaten nimmt wieder zu

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Die Risiken von Banken stehen erneut im Blickpunkt der Anleger. Diese hängen auch mit den Risken überschuldeter Staatshaushalte zusammen. Achten Sie deshalb beim Kauf von Zertifikaten auf die Zahlungsfähigkeit des Emittenten.

Die Lage im Bankensektor spitzt sich wieder zu. Wegen ihrer Engagements in südeuropäischen Staatsanleihen misstrauen sich die Institute gegenseitig. Daher leihen sie sich kaum noch Geld untereinander. Lieber parken sie ihre überschüssige Liquidität bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Und dies trotz Minizinsen von gerade einmal 0,25 Prozent. Am 14.6.2010 wurden mit 384,3 Mrd. Euro Einlagen bei der EZB ein neuer Rekordwert erzielt. In den acht Jahren vor der Pleite von Lehman Brothers hatten die Banken im Schnitt lediglich 277 Mio. Euro bei der EZB angelegt.

Wegen der zweiten Welle der Finanzkrise drohen den Banken 2010 Rückstellungen für Kreditausfälle in Höhe von 90 Mrd. Euro, für 2011 sogar von 105 Mrd. Euro. Die Belastungen seit 2007 würden sich damit auf 515 Milliarden Euro summieren. Das ist zwar etwas weniger als bislang befürchtet. Die Gefahr ist jedoch, dass die Kosten höher ausfallen, falls die Anleihen der Südeuropäer weiter an Wert verlieren oder die Sparprogramme in den einzelnen Euro-Ländern das Wirtschaftswachstum dämpfen.

Kein Wunder, dass sich in den vergangenen Wochen die Bonität der Banken deutlich verschlechtert hat. Das wirkt sich auch auf die Preise von Zertifikaten aus. Beim Vergleich von Papieren mit identischen Konditionen fällt auf, dass Zertifikate von Emittenten mit solider Bonität häufig teurer sind als die von weniger gut bewerteten Banken. Am deutlichsten sichtbar wird das bei Anlagen, die stark vom Zinsniveau abhängen, wie z.B. Discount-Zertifikate, mit niedrigen Obergrenzen (Cap), aber auch bei vielen anderen Zertifikaten.

Tipp
Achten Sie beim Kauf von Zertifikaten sehr genau auf die Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Denn Zertifikate sind Instrumente, die konstruiert werden, um einen Mehrwert z.B. gegenüber einem Direktinvestments in Aktien zu bieten. Diese Vorteile können sie aber nur dann ausspielen, wenn sie am Laufzeitende auch zurückgezahlt werden. Schließlich nützt das größte Renditepotenzial nichts, wenn die Rückzahlung am Ende ausbleibt.

Besserer Überblick über die Bonität von Emittenten mit Hilfe von Credit Spreads

Lange Zeit galten die Credit Ratings von führenden Rating-Agenturen wie z.B. Standard & Poor's oder Moody’s als maßgeblich, um das Emittentenrisiko von Zertifikaten einschätzen zu können. In der Finanzkrise erwiesen sich diese Ratings jedoch als zu statisch, um die Anleger rechtzeitig vor ernsthaften Zahlungsschwierigkeiten einzelner Emittenten zu warnen.

Eine schnelle Möglichkeit, Emittentenrisiken besser einzuschätzen, bieten sog. Credit Spreads. Der in Basispunkten angegebene Wert stellt die Höhe der Versicherungsprämie dar, die Großanleger zahlen müssen, um sich gegen Zahlungsausfall des betreffenden Schuldners (Emittenten) abzusichern. Eine Credit Spreads von z.B. 160 Basispunkten bedeutet, dass zur Absicherung von 1 Mio. Euro 16000,– Euro pro Jahr zu zahlen sind. Eine geringe Risikoprämie spricht für eine hohe Bonität und umgekehrt. Diese Prämien können zeitnäher und genauer als gewöhnliche Ratings Aufschlüsse über die Bonität geben.

Tipp
Der Derivateverband (www.deutscher-derivate-verband.de) und die Ratingagentur Scope (www.scope-zertifikate.de) veröffentlicht täglich auf ihrer Homepage die aktuellen Credit Spreads. Scope rät Anlegern zur Zurückhaltung, falls ein Zertifikateemittent ein Credit Spread von über 400 Basispunkten aufweist. Risikoscheue Anleger sollten jedoch besser schon ab 200 Basispunkten den betreffenden Emittenten meiden.

Unabhängig von Ratings und Credit Spreads gilt für alle Zertifikate, dass das Ausfallrisiko über verschiedene Emittenten gestreut werden sollte. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für Zertifikate, sondern für alle Finanzinstrumente, die ein Ausfallrisiko beinhalten. Dazu gehören z.B. auch traditionelle Anleihen von Banken oder Unternehmen.

Tipp
Die alte Weisheit der Risikostreuung, dass nicht alle Eier in denselben Korb gehören, gilt nach wie vor.

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